Aaron und der Weltenschöpfer






 
Aaron und der Weltenschöpfer
 
Wieder und wieder ist er ergriffen
vom Wunder der Schöpfung dieser Welt –
Aaron* sinnt nach beim Meditieren,
warum der Mensch dies alles zerstört.
 
„Du, mein Gott, hast die Erde geschaffen
und freudig dem Menschen anvertraut,
umsichtig sollte er sie verwalten –
auf seine Treue hast Du gebaut.
 
Doch welcher Teufel hat ihn geritten,
dass er die Schöpfung derart zerstört,
muss er denn alles zugrunde richten,
ist ihm die Heimat denn gar nichts wert?“
 
„Mein Lieber, den Teufel trifft keine Schuld,
zuschreiben muss ich mir das allein,
ich sagte mir lange: Hab’ nur Geduld,
der Mensch wird letztlich einsichtig sein.
 
In diesem Vertrauen liebte ich ihn,
schenkte ihm viele Fähigkeiten,
gab alle Schätze der Erde ihm hin,
hoffend, er würde sich bescheiden.
 
Dann stattete ich ihn mit Willen aus,
so konnte er planen, was er tut,
sich eig’ne Ziele stecken im Voraus,
ich dachte, er benutze ihn gut.
 
Auch bekam er die Gabe zu denken,
hob ihn so aus der Tierwelt heraus,
doch bald dünkte er sich überlegen,
stellte sich über alles hinaus.
 
Um dieses sogleich zu korrigieren,
bekam er die Gabe zum Lernen,
somit konnt’ er nun klar unterscheiden
zwischen Böse und Gut auf Erden.
 
Doch sah ich sehr bald, dass ihm das Böse
wohl sarkastische Freude machte,
so sann ich darauf, wie ich das löse –
glaub mir, lang ich damit verbrachte.
 
Schließlich gab ich ihm Bewusstein hinzu,
und hoffte, dass er sich besänne,
meinte, ich bekäme selige Ruh’,
wenn er zur Vernunft endlich fände.
 
Auch diesmal wurde ich wieder enttäuscht,
er hat sich dem Bösen verschrieben,
und damit seinen Charakter verseucht,
vom Guten ist kaum was geblieben.
 
Er hat den Sinn für’s Gute verloren,
das Böse hält ihn voll in der Hand,
dies alles hat er sich auserkoren
und zerstört nun Luft, Wasser und Land.
 
Um jetzt das Ruder herumzureißen,
fehlt ihm der Wille und auch die Kraft,
Aaron, es wird sich leider erweisen:
bald hat sich der Mensch selbst abgeschafft!“
 
„Du liebst ihn doch, willst Du ihn nicht retten?“
fragt Aaron leis’ den Schöpfer der Welt.
„Ach, mein Guter, ich könnt’ darauf wetten,
dass er wieder dem Bösen verfällt.
 
Den Weg muss der Mensch nun zuende gehn,
es gibt für ihn nun kein Entrinnen,
nach seinem Verschwinden, du wirst es sehn,
wird Neues und Gutes beginnen.
 
Dann aber, Aaron, das ist mein Wille,
steht der neue Mensch im Erdenreich
nicht an herausgehobener Stelle,
dann gestalt' ich ihn den Würmern gleich!“
 
© Syrdal 2017
 
.........................................
 
Erklärung:
*Aaron = Biblischer Name aus dem Alten Testament (Moses älterer Bruder). Die Herkunft des Namens ist wahrscheinlich ägyptisch und bedeutet „Erleuchteter, Bergmensch, (großer) Kämpfer, Held“, möglicherweise auch „groß ist der Name (Gottes)“


 


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Kommentare (9)

Syrdal


Mein Dank für das feine
💗  
geht heute an

Brigitte
Schneemann
Via
nnamttor
mit freundlichen Grüßen von
Syrdal

Manfred36



Als Gott aus Primaten den Homo gemacht,
hat einst algorithmisch er nicht gedacht.
Mit Genen zur Allmacht schon ausgelegt,
hat er ihm Verbalregeln auferlegt,
statt in Evolution ihm die Einsicht zu geben,
dass Empathie der Grundstock zum Leben!
Vernunft, Kultur ist Anlage-gesteuert,
misst sich am Gefühl, ob sich alles erneuert.
Entartung lag so in der Konstruktion
des allerersten Homo ja schon.
Den Ur-Algorithmus jetzt nachzuholen,
das wäre dem Schöpfer anempfohlen.


Trage mir bitte nicht nach, dass ich hier Widerspruch praktiziere, aber du bist ja Syrdal.
 

Syrdal


Nachtragen… Was ist das?

Lieber Manfred, Du hast die ganze Sache mit Schöpfung freilich auf deine wissenschaftsdeterminierte Weise betrachtet und bist auch bald auf einen klitzekleinen Fehler im Initialalgorithmus gestoßen, der sich bereits beim Ur-Homo auswirkte und dann die ganze „evolutionäre Folge-Konstruktion“ auf Bahnen gelenkt hat, die nun nicht mehr zu reparieren sind. – Vielleicht aber ist dann künftig die als Wurm im feuchten Erdboden herum kriechende Nachfolge-Kreatur perfekt und somit vernünftiger…
...der Erde sei es gegönnt!

LG
Syrdal

Via

Oh Syrdal, du Mahner in der Wüste.
Der Mensch ist das erste Säugetier, das es schafft, sich selbst auszurotten.
Vielleicht nicht einmal, weil er es will - nein, ganz einfach, weil er es kann!
VG - Via

Syrdal


Nun Via, was könnte ich dazu noch sagen…? Es ist wirklich so, dass der Mensch tut, was er kann – auch wenn er es nicht darf. Eine der jüngsten Perversionen geschieht derzeit in der sogenannten Reproduktionsbiologie. In sehr absehbarer Zeit wird es – so wie vor 20 Jahren das erste geklonte Schaf „Dolly“ einen künstlich erzeugten Menschen geben, ohne einen leiblichen Vater, ohne eine austragende Mutter, alles absolut künstlich!

Oder: In Cern und anderen Forschungslaboren ist man dabei, das sogenannte Gottesteilchen (Higgs) zu erzeugen und damit ein „Mini-Schwarzes Loch“, ohne auch nur ahnen zu können, was passieren wird, wenn es geschafft ist, ob es beherrschbar ist oder sich alles – die ganze Erde und mehr – mit Lichtgeschwindigkeit einverleibt. Es wäre das Ende der Schöpfung. Der berühmte Astrophysiker Stephen Hawking mahnte: „Im schlimmsten Falle drohe der Untergang des gesamten Universums…“ und weiter: „Die Katastrophe würde ohne erkennbare Vorzeichen hereinbrechen!“
Aber man kann gewiss sein, der Mensch wird es tun, wetten…!

...ebenfalls vG
Syrdal

 

HeCaro

Lieber Syrdal, 

Gott hat den Menschen erschaffen weil es ihm so gefiel und Er erschuf uns nach seinem Bilde. Er wird uns nicht vernichten auch wenn wir uns von ihm abgewandt haben und dabei sind,  seine Schöpfung zu zerstören.

"Doch Du bist ein Gott der Vergebung, gnädig und barmherzig.  Langmütig und reich an Güte. Du wirst 
uns nicht verlassen." Nehemia 9

Danke für den erhobenen Zeigefinger in Deinem warnenden Gedicht. Wir sollten Gottes Langmut auch
nicht überstrapazieren. 

..meint eine sehr nachdenklich gewordene
Carola 

 

Syrdal

Mit allem, was du schreibst, liebe Carola, hast du recht. Gut aber auch, dass du auf Gottes Langmut verweist… Im Alten Testament gibt es genügend Beispiele, die aufzeigen, dass Gott auch das von ihm erwählte Volk zu Zeiten verlassen hat, weil es ihn verleugnet hat und um das Goldene Kalb und andere Heidengötter tanzte.. – Und was geschieht heute? Die Schöpfung wird „verleugnet“, sie wird überstrapaziert, ausgeraubt und ganz bewusst vernichtet.
Wie lange darf Gottes Langmut noch geprüft werden? ER hat ja doch die Macht, einen neuen Menschen zu schaffen. Es sollte nicht wundern, wenn er ihn dann als Wurm gestaltet, der lediglich die Aufgabe hat, die Erdkrume des schönen Planeten locker zu halten und so allen anderen Kreaturen kriechend und blind zu dienen.


Darüber kann man wirklich nachdenklich sein...
...meint
Syrdal

 

Roxanna

In allem, lieber Syrdal, was du in dein Gedicht hineingeschrieben hast, kann man dir nur zustimmen. Und trotzdem muss nicht auch ein Funken Hoffnung bleiben? Es heißt, Gottes Wege sind unergründlich, wir wissen nicht was kommt, mag es derzeit auch noch so düster erscheinen. Es scheint, als wäre die Anzahl der Menschen, denen etwas an dieser schönen Erde liegt, verschwindend gering im Gegensatz zu denen, die zur Zerstörung beitragen. Aber unerwähnt sollten sie auch nicht bleiben.

Herzliche Grüße
Brigitte

Syrdal


Ja, liebe Brigitte, die Anzahl der Menschen, denen wirklich etwas an unserer schönen Erde liegt, ist sehr klein und ihre Stimmen werden leider überhört. Auch reicht deren Kraft nicht aus, um das zu retten oder zu verhindern, was die unbedachte Masse tagtäglich vernichtet. Darüber darf ich gar nicht weiter nachdenken! - Gut aber, dass du an die Wenigen erinnert hast, die sich noch um den Erhalt der Erde mühen. Möge ihnen viel Kraft zufließen…
Danke für deine wichtige Einlassung auf das weißgott nicht gerade von großem Optimismus getragene Gedicht.
Liebe Grüße zu Abend von
Syrdal  


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