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Abwehrzeichen

Was macht das Virus mit den Menschen,
was macht es mit der Menschlichkeit,
man kann es sich nicht schlimmer denken,
wie sehr die Menschen es entzweit,
dass sie sich keine Hand mehr reichen,
peinlichst auf den Abstand achten –
doch das alles sind Abwehrzeichen,
die der Menschheit oft Krieg brachten!

© Syrdal 2020


 

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Kommentare (9)

nnamttor44

Lieber Syrdal,
Du konntest in so wenigen kurzen Worten Deine Ansichten klar darlegen.Sie sind für mich wünschenswert für alle. Aber für mich taten sich beim Lesen dabei viele alte Widerspruchswelten auf ...

ich habe erst die liebevollen Umarmungen kennengelernt, als ich nach 46 Jahren Ehe meinen Mann sitzen ließ. Von ihm gab es nur widerwillige Umarmungen, wenn ich gelegentlich darum bat, weil ich sein liebloses Verhalten nicht mehr ertrug.

Meine Mutter starb, als ich 7 Jahre alt wurde. Mein Vater lehnte jede Umarmung seiner Töchter ab, weil er als alleinerziehender Vater fürchtete, man könnte es ihm „anders“auslegen als nur väterliche Liebe zur Tochter als Gute-Nacht-Abschied. Er zog Strenge vor. Die Oma, die uns an Mutterstelle erzog, hatte wohl viel Liebe übrig für ihre Enkelinnen, aber Umarmungen oder gar ein Küsschen auf die Wange bekam nur die damals dreijährige Jüngste. Ich hörte dann: Du bis doch schon groß!

Ich bin meinem Bedürfnis gefolgt, als ich meine Kinder hatte. Ihnen wollte ich soviel körperlichen Kontakt geben, wie ich es als Kind vermisste, und das gelang mir auch. Selbst meinen erwachsenen Sohn durfte ich immer – bis heute – in den Arm nehmen und ihm auch einen Kuss auf die Wange geben, den er auch erwiderte. Auch jetzt wieder – er ist inzwischen 54 Jahre alt – nach versuchter überstandener 30 Jahre währender Gehirnwäsche seines Vaters gegen mich – hat er diese Dummheiten nach dem Tod seines Vaters abgeschüttelt, sich mir wieder liebevoll zugewendet.

Erst hier vor fast 10 Jahren, wo ich jetzt bei meiner Tochter zuhause bin, lernte ich den liebevollen Umgang mit allen, die mir hier als ihre Bekannten und Freunde begegnen, kennen. Umarmungen werden als das Natürliche gesehen, gegeben, das sie sind, wenn wir uns begegnen! Und ich lernte es anzunehmen als das, was es ist: Ausdruck für „ich mag Dich!“ „Hallo, da bist du ja.“ Da fällt es heute in Coronazeiten doch schon schwer, wieder darauf verzichten zu müssen, wenn man nicht ungeahnt und ungewollt etwas weitergibt oder bekommt, das niemand verteilen möchte ...

Danke dass ich Dein Gedicht lesen durfte.

Uschi

 

indeed

Ja, lieber Syrdal,

das macht auch mir zu schaffen. Bei Geburt meines ersten Enkelkindes war ich schon fast 76 Jahre alt und erst einmal konnte ich es sehen. Der geplante Urlaub zum Enkelkind, Koffer waren bereits gepackt, ging nicht in Erfüllung. So kommt eines zum anderen. Es fällt auch den Jungen nicht leicht, auf die familiären Bande verzichten zu müssen. Ich gebe Angelika recht, da müssen wir durch. 
Wir versuchen einen gewissen Ausgleich zu schaffen mit Video-Telefonaten, Videos und Fotos
zu schicken und so ist der verbale als auch der visuelle Kontakt jedenfalls noch da.
Was bin ich froh darüber, diese Kommunikationshilfen zu haben.

Es bräuchte gar nicht so schlimm zu sein, wie es heute wieder gemeldet wurde, wenn gewisse Egoisten und Idioten sich anders verhalten würden. 

In wenigen Worten das Wesentliche gesagt, darin bist du ein Könner. Passe gut auf dich auf und sei lieb gegrüßt
Ingrid 

Tulpenbluete13

Lieber Syrdal,

das wollen wir doch nicht hoffen..was für ein Szenario Du in Deiner letzten Zeile andeutest...
Aber Du hast schon recht die "Entzweiung" ist zweifellos da...und manche Politier vertiefen diese noch gewollt..
Mir persönlich macht sie im privaten Umfeld auch zu schaffen- vor allem fehlen mir die Umarmungen....

aber wir müssen "da durch"- wie auch immer und wir schaffen das..sage ich wie Angela Merkel..

Dir einen lieben Gruß und bleib mir gesund....
wir gehören alle zur "Risiko"-Gruppe allein schon deshalb weil wir ein bisschen "älter" sind..Schmunzel...😉

Angelika

Syrdal

@Tulpenbluete13

Aber ja, liebe Angelika, wir müssen da durch, so oder so, ob wir wollen oder nicht. Und ja, wir schaffen das, weil wir diszipliniert und achtsam und geduldig sind und auch mit „schlechten Zeiten“ zurecht kommen. Ob aber die Dame „Wir schaffen das“ mit ihrer sesselklebrigen Entourage es schafft, sei mal dahin gestellt, denn dort liegt das größte Risiko… Dennoch wünsche ich ihr und allen alles Gute und bleib auch du gesund!

Liebe Grüße
Syrdal 

Wirius

Ein schönes Gedicht über das Wissen der Wissenschaft

LG Wirius

Wirius

Ein schönes Gedicht über das Wissen der Wissenschaft

LG Wirius

Manfred36

Ich glaube,dass die Abstandsbegegnung eher Übertünschungen von früher bewusst macht. Mensch, werde wesentlich, das zeigt nur innere Aufgeschlossenheit.

Syrdal

@Manfred36

Nun ja, lieber Manfred, das mit dem „Wesentlich-werden“ ist so eine Sache, die sich nicht so einfach und schon gar nicht von alleine macht, dazu bedarf es m.E. tief-begreifender Lebenserfahrung, zu der ganz sicher auch die gelebte Erfahrung der Nähe gehört. „Abstangsbegegnung“ – welch ein kruder Begriff – ist wohl zum „Wesentlich-werden“ kaum hilfreich…

...denkt sich in seiner unbedarften Naivität
Syrdal  

Manfred36

@Syrdal  
Ich entschuldige mich für den "kruden Begriff  Abstandsbegegnung". Ich wollte damit sagen, dass nur Augen und Worte wirklich Nähe schaffen. Ein Intim-Verhältnis ist eine andere Ebene.
Gruß
Manfred


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