Bibelvers des Tages 17.12.2019

Autor: ehemaliges Mitglied

Bibelvers des Tages 17.12.2019

Neue evangelistische Übersetzung

Denn das Leben heißt für mich Christus und das Sterben Gewinn!

Philipper 1:21

Vielleicht, kann uns dieser  Mensch dazu anleiten, nicht zu fliehen, wenn der Tod in unser Leben bricht, sondern ihm ruhig und gelassen Entgegen zugehen.

Berlin-Tegel 18. Dezember 1943. Dietrich Bonhoeffer sitzt in seiner Gefängniszelle und wartet. Noch zwei Stunden bis zur Besuchszeit. Dann endlich ist es soweit. Dann wird er Maria wiedersehen. Maria, seine Verlobte. Wie sehr fehlt sie ihm! Eigentlich müssten sie jetzt ihr erstes gemeinsames Weihnachtsfest vorbereiten. Müssten Plätzchen backen oder Geschenke einpacken. Stattdessen sitzt er hier in der Zelle bereitet sich auf das nächste Verhör vor. Sie wollen sorgfältig vorbereitet sein, diese Verhöre. Ein falsches Wort, und der Komplott gegen Hitler fliegt auf. Bisher ist noch nichts herausgekommen, Gott sei Dank. Doch Untersuchungsführer Roeder ist gerissen. Bonhoeffer muss sich vorsehen.
Wenn es ihm nur nicht so schwer fiele sich zu konzentrieren! Immer wieder sind seine Gedanken bei Maria. Auf dem Tisch liegt noch der Brief, den Bonhoeffer vor drei Tagen an seinen Freund Eberhard Bethge begonnen hat. Bonhoeffer überfliegt ihn noch einmal:
„Nun sind Maria und ich fast ein Jahr verlobt und haben uns noch nie eine Stunde allein gesehen! Ist das nicht ein Wahnsinn? ... Wir müssen uns über Dinge unterhalten und schreiben, die uns beiden im Grunde nicht die wichtigsten sind, wir sitzen alle Monate eine Stunde brav wie auf der Schulbank nebeneinander und werden wieder auseinander gerissen; wir wissen so gut wie nichts voneinander, haben nichts miteinander erlebt, denn auch diese Monate erleben wir ja getrennt.“
Zögernd nimmt Bonhoeffer den Stift zur Hand und fügt dem Brief an seinen Freund noch ein paar Zeilen hinzu:
„Ich glaube, wir sollen Gott in unserem Leben und in dem, was er uns an Gutem gibt, so lieben und solches Vertrauen zu ihm fassen, dass wir, wenn die Zeit kommt und da ist - aber wirklich erst dann! - auch mit Liebe, Vertrauen und Freude zu ihm gehen. Aber - um es deutlicher zu sagen - dass ein Mensch in den Armen seiner Frau sich nach dem Jenseits sehnen soll, das ist milde gesagt eine Geschmacklosigkeit und jedenfalls nicht Gottes Wille. Man soll Gott in dem finden und lieben, was er uns gerade gibt; wenn es Gott gefällt, uns ein überwältigendes irdisches Glück genießen zu lassen, dann soll man nicht frömmer sein als Gott und dieses Glück durch übermütige Gedanken und Herausforderungen und durch eine wildgewordene religiöse Phantasie, die an dem, was Gott gibt, nie genug haben kann, dieses Glück wurmstichig werden lassen. Gott wird es dem, der ihn in seinem irdischen Glück findet und ihm dankt, schon nicht an Stunden fehlen lassen, in denen er daran erinnert wird, dass alles Irdische nur etwas Vorläufiges ist und dass es gut ist, sein Herz an die Ewigkeit zu gewöhnen; und schließlich werden auch die Stunden nicht ausbleiben, in denen wir aufrichtig sagen können: ‚ich wollt, dass ich daheime wär’...’ Aber dies alles hat seine Zeit und die Hauptsache ist, dass man mit Gott Schritt hält und ihm nicht immer schon einige Schritte vorauseilt, allerdings auch keinen Schritt hinter ihm zurückbleibt.“
Heute wissen wir, dass diese Stunden für Bonhoeffer eher kamen, als er damals ahnte. Gerade mal ein halbes Jahr später, am 20. Juli 44, scheiterte Stauffenbergs Putschversuch, in den Bonhoeffer verwickelt war. Kurz darauf schrieb er in einem Gedicht:
„Komm nun, höchstes Fest auf dem Weg zur ewigen Freiheit,
Tod, leg nieder beschwerliche Ketten und Mauern
unsres vergänglichen Leibes und unsrer verblendeten Seele,
dass wir endlich erblicken, was hier uns zu sehen missgönnt ist.
Freiheit, dich suchten wir lange in Zucht und in Taten und in Leiden.
Sterbend erkennen wir nun im Angesicht Gottes dich selbst.“
Knapp ein Jahr darauf, am 9. April 1945, ist Bonhoeffer tot, erhängt von Hitlers Schergen. Man sagt, er sei mit großer Gefasstheit auf den Strang zugegangen.
 


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