Bootsfahrt in De Weeribben


Bootsfahrt in De Weeribben
                                           Bootsfahrt in De Weeribben
Auslöser des Reiseziels  waren sicher die Fotos der schmucken reetgedeckten Häuser, die ich vorher schon ausgiebig im Internet bewundert hatte. Unsere Urlaubswoche verbrachten wir nämlich diesmal nicht an der Nordseeküste, sondern im Naturschutzgebiet De Weeribben, mitten im Herzen der Niederlande.

Im Ferienpark angekommen, verliebte ich mich sofort in die wunderschönen Häuser, die eine unglaubliche Wärme und Gemütlichkeit ausstrahlten.
Das ganze Dorf wirkte aus der Ferne wie eine Puppenstube, dem ein fürsorglicher Riese mit Bedacht, hübsche Strohhütchen zum Sonnenschutz aufgesetzt hatte. Natürlich trugen sie kein simples Stroh auf ihren Häuptern, sondern Reet.
So wird in dieser Gegend das Schilfrohr genannt, das gerne als Baumaterial verwendet wird.
Die Reetdachdeckerei gehört zu den ältesten Handwerkstechniken beim Hausbau.

Täglich unternahmen wir kleinere Fahrradtouren, die uns an vielen Grachten und Kanälen vorbei führten. Auch folgten wir gespannt der interessanten Funktionsweise von einigen typisch holländischen Klappbrücken. Dabei mussten sich die Verkehrsteilnehmer allerdings in Geduld üben, denn es dauerte schon einige Zeit, bis die Fahrbahn wieder für die Auto-, Radfahrer und Fußgänger freigegeben wurde.

Zum ersten Mal in meinem Leben sah ich einige freilebende Störche, wie sie mit ihren langen Beinen gemächlich  über eine Wiese staksten. Und auf einem Bauernhof entdeckten wir staunend holländische Weinreben mit kleinen grünen Trauben, die dort wie Unkraut wuchsen. Moment mal, holländischer Wein? Ob man den wohl trinken kann? Über die Qualität dieses Weines ist mir nämlich absolut nichts bekannt.

Am letzten Vormittag unserer Urlaubswoche buchten wir eine Bootsrundfahrt auf den Wasserwegen des Naturschutzgebietes.
Der Kapitän begrüßte seine Fahrgäste mit einem freundlichem "goedemiddag." In der Zwischenzeit nahm seine Assistentin die Getränkebestellungen der Passagiere auf. Dann ging es los!
War die erste Strecke des Wasserweges noch relativ breit, wurden die Kanäle immer enger und unüberschaubarer, je weiter wir fuhren. Leider verstand ich nur wenig von den mündlichen Ausführungen unseres Käpitäns, da er auf Niederländisch sprach.
De Weeribben ist ein Sumpfgebiet, und war nie für die Landwirtschaft geeignet. Früher wurde hier Torf gestochen und es entstand ein Handel. Später ging man aus ökonomischen Gründen zum Schilfrohrhandel über.
Der Kanal verjüngte sich extrem, so dass unser Boot mit raschelnden Geräuschen das hohe Schilfrohr streifte. Die Wassertiefe betrug an dieser Stelle nur 60cm, erklärte der Skipper.

1992 wurde De Weeribben zum Nationalpark erklärt. Er ist jetzt ein wahres Paradies für Flora und Fauna. In diesem großen Biotop leben jetzt seltene Tierarten, wie Moosjungfer, Feuerfalter, Bartmeise und Purpurreiher. Wir sahen einen Graureiher, und die Köpfe meiner Vorpassagiere schwenkten synchron nach rechts.So konnte ich, wenn ich auch das gesprochene Wort nicht verstand, einige Sachen mitverfolgen.
Das Wasserlabyrinth um uns herum wurde immer verwirrender. Es erinnerte mich an südamerikanische Sümpfe, die ich in Filmen gesehen hatte. Aber zum Glück gab es hier ja keine Aligatoren, Kaimane oder ähnliche Schmusetiere, nur Otter, wie der Kapitän uns begeistert erzählte.
Ein Zeichen für beste Wasserqualität.

An einer Stelle mussten wir links in einen ganz kleinen Kanal abbiegen. Das Schiff ächzte und stöhnte, und bekam die Kurve nicht. Doch mitten im einsamen Sumpf stand plötzlich ein Helfershelfer in derben Gummistiefeln, der Hand anlegte, um unser Boot wieder flott zu bekommen (Vielen Dank, junger Mann)!

Jetzt haben wir nur noch 40cm Wasser unter dem Kiel, verstand ich sorgenvoll. Die vielen "Uih`s" und "Oh`s" der anderen Passagiere deuteten an, dass ich mit meiner regen Fantasie nicht so ganz allein dastand.
Was würde wohl passieren, wenn wir hier in dieser Moorwildnis stecken blieben? Käme dann der holländische DLRG um uns zu retten? Und wie viele Stunden würde das dauern?
Ob uns die Zeitung "De Telegraaf" anschließend einen bescheidenen Bericht auf seiner Titelseite spendieren würde (Schließlich waren auch drei deutsche Ausländer betroffen)?!

Doch meine Sorge war unbegründet, denn die Fahrt ging flott weiter. Kurz vor dem Ende der Rundfahrt gelangten wir wieder zum großen Hafenbecken zurück.

Jetzt lief unser Kapitän zu seiner Hochform auf, denn er teilte uns freundlich mit:
* "Hier in het havenbekken bedraagt de waterdiepte 8 meter...
Maar U hoeft geen angst te hebben hoor, want wij hebben natuurlijk zwemvesten aan boord...
2 stuk...een voor mij en een voor mijn collega."
 
Rosi65
NS. Herzlichen Dank an Mareike, die mir den Text auf niederländisch*  so wunderschön übersetzt hat:

* " Hier im Hafenbecken beträgt die Wassertiefe 8 Meter...
     Doch sie brauchen keine Angst zu haben, denn wir haben natürlich Schwimmwesten an Bord...
     2 Stück...eine für mich und eine für meine Kollegin." Tränen lachen
 

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Kommentare (5)

Lady-Rosi

Ganz , ganz toll erzählt, das möchte ich auch einmal erlebt haben.
Ein schmunzeln blieb da nicht aus.

wunderschön Daumen hoch

Rosi65

@Lady-Rosi  

Freue mich sehr über Deine liebe Antwort. Danke!

Viele Grüße
 Rosi65

Rosi65

Lieber Bücherwurm,

was für eine nette Überraschung! Herzlichen Dank für Dein Interesse und Deinen netten Kommentar.

L.G.
Rosi

Bücherwurm

Danke für deinen informativen Bericht über den Bootsausflug in einem niederländischen Sumpfgebiet. Ich konnte mir alles gut vorstellen. Außerdem bin ich froh, dass die knappe Anzahl an Schwimmwesten nicht zum Einsatz kam. Zwinkern
Liebe Grüße

Rosi65

Danke an Tessie und Via für Eure Herzchen !

Rosi65


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