Brief an einen unbekannten Geliebten


Brief an einen unbekannten Geliebten

Ich weiß nicht, wo Du wohnst. Ich weiß nicht, wie Du aussiehst, kenne nicht Deine Stimme, Deinen Geruch und nicht Deine Haut. Habe keine Ahnung, wie es ist, von Dir berührt zu werden und wünsche es mir umso mehr. Ich habe nur meine Fantasie. Und weil ich so gar nichts von Dir weiß, schreibe ich Dir diesen Brief! In ihm möchte ich Dir von mir erzählen.

In den Nächten, wenn ich nicht schlafen kann, da male ich an Deinem Bild, mein unbekannter Geliebter. Dann male ich Dich mit den Farben meiner Sehnsucht.
Nie male ich einen Dressman, keinen Bodybuilder oder irgendeinen Schönling. Sie alle würden auch nicht zu mir passen. Ich male Dich, mein Geliebter!

Ein Mann mit Ecken und mit Kanten darfst Du sein, mit Widersprüchen und vielen Gedanken, denn ich bin auch nicht rund. Ich male einen Mann, der Humor und eine besondere Lebensfreude besitzt. Ich male einen kraftvollen Mann, wie ihn nur das Leben formen konnte, denn keiner wird fertig geboren.

Wie malt die Sehnsucht, wirst Du fragen?
Meine Sehnsucht malt mit warmen Farben, denn Wärme wünsche ich mir in meinem Leben. In Dein Gesicht male ich offene und lustige Augen und in Deinen Blick ein Leuchten. Die Lachfältchen male ich besonders sorgfältig, denn ich wünsche sie eines Tages inniglich zu küssen.
Deinen Mund aber male ich nicht nur sinnlich, sondern auch verführerisch. Er strahlt Magie aus. Sein Schwung verspricht mir heiße Küsse und in seinen Mundwinkeln liegt das gewisse Etwas. Immer bereit, einen fairen Austausch zu führen. Er gelingt mir jede Nacht besser!

Deiner Hände zu malen, gebe ich mir besonders viel Mühe. Sie werden mich eines Tages liebkosten und vielleicht auch verführen.
Deinen Körper aber male ich mit absoluter Hingabe. Ich genieße es, ihn zu skizzieren.
Vergesse nichts, lasse nichts aus und übertreibe nichts. Er ist es, der mich umhüllen wird und mit seinen Armen und Beinen umschlingen wird. In ihm wird die Stärke sichtbar, die Du mir eines Tages schenkst und mit der Du mich leidenschaftlich oder auch sanft lieben wirst. An ihn werde ich mich anlehnen, ihn umarmen, mit ihm kuscheln und mit ihm verschmelzen.

Es gibt mittlerweile viele Nächte, in denen Du in meiner Fantasie zum Leben erwachst.
Stellte mir vor, wie ich zur Seite taste, um Deine Hand zu finden, damit ich meine Hand achtsam darunter schiebe.
Ja, es gibt inzwischen viele Nächte, da erwachst Du in meiner Fantasie zum Leben. Dein leises Lachen klingt dann so wunderbar, dass meine Seele lächelt. Du legst Deinen Arm um mich und ich spüre schon die Wärme Deiner Lippen auf meiner Haut. In diesen Momenten liebe ich es, Deinen Händen mit meinem Gefühl zu folgen, wenn sie über meinen Körper wandern.

Und jede Nacht, ganz zum Schluss, male ich Dir mit meinem unsichtbaren Pinsel die wichtigste Farbe um Dein Herz.
Es ist die Farbe meiner Sehnsucht. Es ist die Gleiche, die auch mein Herz umhüllt.
An ihr wirst Du mich eines Tages erkennen, wenn ich vor Dir stehe, und an diesem Tag, werde ich Dir meinen Brief schenken.


 

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Kommentare (4)

Sommerzauber

Eine wunderschöne Liebeserklärung an einen Traum von einem Mann.......ich wünsche dir, dass du sie bald verschenken kannst........

Lieber Gruß
Katharina 😊

Gabriele Ende

@Sommerzauber  
Liebe Katharina, ich danke auch Dir für Deine zauberhaft nette Rückmeldung.

Ein lieber Gruß für Dich,
mögest Du einen schönen Tag haben, wünscht Gabriele

ladybird

Liebe Gabriele,
ich habe niemals eine derart einzigartige LIEBESERKLÄRUNG gelesen....
und das mit Gänsehaut....
berührt und erfeut
grüßt Dich mit lieben Gruß
Renate-🐞
PS ich möchte zu gerne wissen, ob Du diesen Brief inzwischen übergeben konntest?

Gabriele Ende

@ladybird , liebe Renate.
So schöne Worte hast Du für meinen kleinen Brief gefunden. Dafür danke ich Dir.
Nein, er wurde nicht geschrieben, für einen bestimmten Menschen.
Dafür hätte es eine Begegnung mit einem ebenso romantischen Mann gebraucht, wie ich auch romantisch bin.

Ich habe viele Paare erlebt und bin heute noch mit einigen bekannt.
Mich hat immer traurig gemacht, wie nüchtern das Paar miteinander umgeht. Die Chancen miteinander auch so Schönes zu teilen, wie es Worte, Gesten und Blicke ermöglichen, ist "sterblich". Und einige von ihnen, sind inzwischen verwitwet. Nun ist es vorbei mit den Möglichkeiten.

So habe ich mich aufgemacht, meine Gefühlswelt in meine lyrisch-literarischen Geschichten zu legen. Mich mitzuteilen und auch Mut zu machen, für das Schöne.

Ein ebenso lieber Gruß eilt nun zu Dir.
Gabriele
 


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