Das Büdchen an der Ecke


Das Büdchen an der Ecke

Das Büdchen an der Ecke
 
„Wat, Sie brauchen noch Brot?“ fragte mich die Kiosk-Betreiberin im drallen XXL-T-Shirt und schaute mich dabei richtig vorwurfsvoll an. Etwas verlegen stand ich abends vor ihrer Trinkhalle.

„Ne, wir sind total ausverkauft. Echt nix mehr da! Na, is ja auch schon ziemlich spät jetz.“
Ich dachte kurz an einen stressigen Arbeitstag, an den langen Autobahnstau, der mich Nerven gekostet hatte, und an das Schlimmste, an meinen leeren Kühlschrank in meiner Küche.

Die Chefin schaute mir ganz tief in die Augen. „Ach, Moment mal“, sagte sie plötzlich und schwenkte schnell herum. Dann verschwand sie in den hinteren Teil des Ladens, um gleich darauf mit einem frischen duftenden Brotlaib, der in Seidenpapier gewickelt war, wieder zurückzukehren.
„Hier, dat könn` Sie meinetwegen hab`n! Hat meine Mutter noch vorhin beim Bäcker gekauft."

Freudig überrascht bedankte ich mich. „Was kostet es denn?“ wollte ich wissen.

Doch sie winkte lässig ab. „Jetzt mach`n Sie sich da mal kein` Kopf. Ich hab nämlich null Ahnung, wat dat Ding hier so kosten tut. Da muss ich morgen erst mal unser Mutter nach fragen. Dat zahl`n Sie dann einfach beim nächsten Mal. Ja? Na, dann schö`n Abend noch.“
„ Prima, danke und tschüss!“

Ja, so sind die Menschen hier im Revier. ( Jetz weisse Bescheid!“)
 

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Kommentare (6)

Rosi65

Rose Herzlichen Dank an alle, die sich extra die Zeit genommen haben, um mir mit ihren freundlichen Worten und Herzchen, eine Rückmeldung zu geben.
Habe mich sehr darüber gefreut!

Liebe Grüße
 Rosi65

werderanerin

Eine Begebenheit, die so richtig aus dem Leben gegriffen ist und an diesen "Kleinigkeiten" merkt man halt, dass es noch Menschen gibt, die uneigennützig sind.
Wie schön !

Kristine

indeed

Ich finde es gut, dass du die Menschen im "Revier", ich denke du meinst das Ruhrgebiet, von ihrer unkomplizierten und herzlichen Art vorstellst.

Man darf niemals vergessen, dass gerade das Ruhrgebiet zur Zeit der Anfänge der Industrialisieung aus den verschiedensten Gebieten von Nord bis Süd und von Ost bis West, die Leute angeworben wurden. Die verschiedenen Kulturen vermischten sichim Laufe der Generationen und haben heute ihre eigenen Gesetze. Will sagen, haben die Menschen geprägt.

Aber herzliche Menschen, so denke ich, gibt es überall. Gute und weniger gute Erfahrungen kann man überall machen und natürlich ganz besonders in Ballungsgebieten, die so ihre eigenen Probleme haben.

Liebe Grüße von
indeed

 

Syrdal


Manchmal menschelt’s doch noch mal so richtig echt menschlich. Leider nicht mehr oft. Schön aber, dass es so etwas doch noch gibt. Das lässt hoffen... worauf? Na raten Sie mal!
 
Mit Dank für die hübsche Geschichte grüßt
Syrdal

Elbstromerin

oh ja, da kenne ich auch, habe eine lange Zeit im Ruhrpott gelebt.
Gut hast Du das rübergebracht, danke.
Liebe Grüße
Elbstromerin

Roxanna

Herzerfrischend ist deine Geschichte, liebe Rosi. Wie sagt man so schön, das Herz am rechten Fleck. Das sind doch Erlebnisse, die einen wieder an das Gute im Menschen glauben lassen Tränen lachen. Danke für diese Geschichte, die zum Lächeln bringt. Den guten Duft des Brotes konnte ich förmlich riechen Zwinkern

Liebe Grüße
Roxanna


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