das Puppenhaus.....


vom Onkel selbst gebaut, der zwei linke Hände hatte.......
Also, Pappi machte sich ans Werk für uns - sprich seiner Tochter und mich.
Es sollte eine Überraschung werden - für uns.
Er sägte, schraubte und fluchte im Keller rum.
Irgendwann ging ich in den Keller runter - so harmlos wie man gehen kann - schon flog ein Teil aus dem Keller raus - ein Brettchen, daß nicht paßte.
-Nun weißt du sowieso schon was ich mache, nun komm her und hilf mir mal.-
waren seine Worte.
Und wie gerne ich ihm half, für mich das reinste Vergnügen, endlich mal ein "Handarbeitsartikel" nach meiner Art.
Oben meldeten wir uns zum Spaziergang ab - und schlichen in den Keller.
Das Puppenhaus nahm Formen an, die kleinen Fenster sägte ich mit Feinmotorik aus und langsam kamen wir zum dritten Stockwerk mit Dachschrägen an.
Das linke wird ein Badezimmer! Du bist verrückt....nein ...doch...das muß das Bad werden. Ich habe da im Spielzeugladen eins aus Blech gesehen und wenn wir das auseinander nehmen, dann paßt es dort rein..-
Er ließ sich überzeugen, schaute sich das Blechding an und sagte ja, du hast Recht.
Aber bevor hier eingerichtet wurde, waren die Tapeten dran.
Moni mit Tapetenkleister - einem Pinsel in der Hand - und eine feste Masse in der Tasse. Irgendwas ist hier schiefgelaufen.
Onkelchen stand fassungslos vor dem Behälter - ich teilte die Masse mit viel Wasser, und noch mehr, bis sich eine pinselfähige zähe Flüssigkeit ergab.
Ich traute dem Frieden nicht und wollte die Tapete sehen.
Er hatte eine Menge Reste gesammelt und ich suchte aus - das Muster ist zu groß - das sieht blöde aus und so weiter....
Letztendlich kam er zu dem Schluß, daß ich eine Tapete malen sollte....
Was ich tat. Stundenlang saß ich in seinem "Büro" und malte auf dickem Papier mit Wasserfarben eine Wanddekoration für's Puppenhaus.
Und wie richten wir das jetzt ein?
Tante Änne kann uns dabei helfen - meine Lieblingstante, die in Dessau wohnte.
Ich schrieb ihr einen langen Brief - ich kannte schließlich den Puppenladen in der
Johannisstraße.
Und Zeit war noch genug bis Weihnachten.......
Nach und nach kamen Päckchen bei mir an - ein Schränkchen, ein Tischchen, auch die Stühle noch dazu- ein komplettes Wohngebäude wurde ausgerüstet.
Onkelchen freute sich wie ein Kind - was er erschaffen hatte.
Ich blieb im Hintergrund.
Die Gardinchen, die ich heimlich nähte, was mir die Mutter meiner Freundin gestattete, die kamen als Überrraschung erst an Heilig Abend dran.
Ach, war das eine Überraschung, als ich diese "Burg" mit elektrischen Licht unter dem Weihnachtsbaum entdeckte!?!
Und man soll es nicht glauben - dieses Puppenhaus gibt es noch!
Bei meinem Schwesterherz thront es auf einer Kommode und sie weiß nichts von der Enstehungsgeschhichte.
Ich werde schweigen, wie all die Jahre - der Papi hat ihr dieses Haus gebaut!
mit schmunzelden Grüßen
Euer Moni-Finchen


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Kommentare (2)

Traute was für eine Geschichte, die die Zeit widerspiegelt.
Auch das kann ich nachvollziehen. Nur bei mir war es der Stiefgroßopa, der mir ein Fahrrad baute.
Mein Vater baute Holzroller für die fremden Kinder und Puppenwagen und für die Russen Holzkoffer.
Ich kam gar nicht auf die Idee zu fragen, warum er das nicht für uns, seine Kinder machte.Ich fühlte mich damals nicht mal übergangen oder zurückgesetzt.
Heute sehe ich das etwas anders.
Wie schön, dass die Puppenstube noch bei der Schwester einen Ehrenplatz hat.
Mit ganz freundlichen Grüßen,
und Gespannt-sein, auf die nächste Story aus unserer alten Zeit, die unsere Jugend war.
Traute
Pan eine wunderschöne Erinnerungsgeschichte.
Erinnert wirklich an die Zeit, als noch
Fantasie und Können gefragt waren und nicht
der Katalog von XYZ.
Danke für diesen Beitrag.
LG von Horst~

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