Der Bogengang

Der Bogengang
Es war einmal... Nein, so möchte ich eigentlich nicht beginnen.
Denn es ist kein Märchen, sondern ein Teil meines Lebens.
 
Es gab eine Zeit, da versuchte ich mit einem leisen Lied auf den Lippen diesen so wunderbaren Bogengang, der aus warmem Sandstein gearbeitet war, zu durchschreiten.

Die Öffnung war so einladend, dass ich immer wieder einige Schritte wagte. Ich schaffte es fast bis in die Hälfte. Doch immer wartete ich darauf, dass sich mir Hände entgegenstreckten, die mich baten weiter zu kommen und dann zu bleiben. Aber ich konnte keine Hand sehen und trotz unzähliger Anläufe stockte irgendwann mein Fuß. Ich blieb stehen und kehrte sogar um. Keine Hand war da, auf die ich gehofft und gewartet hatte, die versuchte mich zu halten. Und trotz dem Licht, dass durch die Bögen in den Gang hinein schien, hatte ich das Gefühl im Dunklen zu wandeln. Also kehrte ich um und ging zum viel versprechenden Anfang zurück.
 
Nun stand ich davor und überlegte, ob ich versuchen sollte den Bogengang von der anderen Seite zu durchlaufen. Dieser Eingang sah genauso aus.
Täuschte ich mich, oder war dort wirkjlich mehr Licht? Würde ich dort endlich die Hand finden, auf die ich so sehr gewartet hatte? Würde diese Hand mich ergreifen und mit mir gemeinsam bis zum Ende des Ganges gehen?
Mit einem bisschen Wehmut über den misslungenen Weg, aber auch mit einer großen Hoffnung,
wagte ich es und setzte mein Fuß auf den mit AMarmor gestalteten Boden und schritt mutig hindurch.
 
Ob ich das Ende erreiche? So wie ich es mir wünsche? Mit Ruhe und Frieden?

In einem Schreibseminar vorgegeben: "Bogengang" - Text im Seminar August2020


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Kommentare (4)

Sami2015

Guten Morgen, ich danke allen, für die lieben Kommentare zu meinem Bogengang.
Ich habe ihn gut durchschritten und es war der richtige Weg.
Liebe Grüße
Sami

nnamttor44

Der Eingang zu Deinem Foto-Bogengang wirkt auf mich so klösterlich-christlich, liebe Sami. Da kann ich mir gut Dein Zögern, ihn zu durchschreiten, vorstellen.

Meine Kindheit, meine Jugend, verbrachte ich in meiner Heimatstadt, der Friedensstadt Münster. Wenn ich zu meiner Ausbildungsfirma wollte, musste ich - immer - ein Stück "unterm Bogen" her, denn irgendwo auf dem "Drubbel" begannen die Bögen über den Bordsteinen vor den vielen Geschäften ...  Und kam ich von der anderen Seite her (über den großen Domplatz), gab es auch noch ein paar Meter, die ich, wollte ich seinerzeit - noch verkehrstechnisch stärker frequentiert als heute - die Straße nutzen, vermutlich gefährliche Probleme auch auf dem "Prinzipalmarkt".

Schon als Neunjährige nahm ich den Anfang der Bogengänge als Erkennung, wo ich von der Kaffee-Rösterei für meine Großmutter ein Viertel "Guatemala" gemahlen holen durfte. Und ich freute mich in der Vorweihnachtszeit, wenn dort von den Schülern der Stadt unter jedem Bogen eine von ihnen gebastelte Laterne oder auch von der Stadt und den Geschäften die Adventskränze mit den leuchtenden Kerzen hingen.

Doch solch Leben begleitende Gedanken hatte ich nie dazu, dazu waren die Bögen am Prinzipalmarkt zu selbstverständlich für mich. Vielleicht hättenn die kirchlichen Gänge im klösterlichen Intenat zur Klosterkapelle mir eher solche Gedanken nahe gebracht. Doch dort war ich nur ein einziges Jahr, das mir grässliche Gefühle diesbezüglich beibrachten. Aber die Bogengänge Münsters begleiten - fototechnisch und internetmäßig - heute fast jeden meiner Tage. Jeden Morgen ein wenig Heimatgefühl wie auch der Aasee!

Dir eine gute Osterzeit wünscht

Uschi

JuergenS

Nachdem es im All und auch auf unserer bescheidenen Erde nur runde Linien gibt, kann man sich auch einen Bogen-Rundgang um die vorstellen, der in sich geschlossen ist. Man steht an jeder Stelle am Anfang und am Ende zugleich...

indeed

Ich denke, dass du ganz richtig entschieden hast und wünsche dir einen möglichst gesunden Weg bis zu deinem letzten Abendrot. Möge er rechts und links des Weges dir schöne Momente schenken, Freude bereiten und dich leichten Schrittes voran gehen lassen-

Gut geschrieben, gefällt mir.
indeed


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