Der schreibende Mitmensch ...


Der schreibende Mitmensch ...
Der Mensch ist schon ein seltsames Wesen. Er scheint immer auf der Suche nach Ruhe zu sein und in dieser Suche fällt er in eine Rastlosigkeit, die sehr oft in einer Unzufriedenheit mündet. Die unzähligen Vorher-und Nachher-Illustrationen kennen wir alle aus entsprechender Werbung. Sie gaukeln uns einen Effekt vor, der dann niemals real werden kann, sie sind ein reines Produkt der Fantasie, mit der uns mitgeteilt werden soll, was alles geschehen könnte, wenn wir nur das entsprechende Produkt erwerben.
        Oft kann das auch sehr spannend sein und oft auch inspirierend, auch ich ertappe mich manchmal dabei, einige Einfälle herauszukramen und sie dann in die Tat umzusetzen. Ich denke, daran ist auch gar nichts Merkwürdiges. Haben wir uns nicht auch schon oft gefreut, wenn unsere eigene Kreativität einen Anstoß bekommen hat, die dann in eine Schaffenskraft mündete? 
       
         Wir standen dann später vor dem vollendeten Ende dieses Schaffens und waren voll zufrieden mit unserem Tun, oft auch ein bisschen stolz auf das Geschaffene. Ist es nicht so, dass man sich auch ein wenig bestätigt vorkommen darf, wenn etwas gelingt, auch wenn der Anstoß dazu von außen kommt? Alles, was wir mit unseren eigenen Händen schaffen, hat für uns selbst doch einen ganz besonderen Wert. Allerdings wird dies meines Erachtens dann sehr bedenklich, wenn dieses Schaffen - ob nun von außen angefacht oder aus der eigenen Unrast heraus - zu einer zwanghaften Haltung wird, die von Ruhelosigkeit und Unrast gespeist, sich durch alle Bereiche des Lebens bemerkbar macht. Solch eine unstete Hektik kann ganz schnell die Form einer Dependenz annehmen.
        
          Mir fällt das schon des Öfteren in den Blogs auf. Da findet man bei manchen Bloggern eine Betriebsamkeit, die fast unerklärlich ist. Für so manchen Menschen scheint der Ausspruch:  »Stillstand ist Rückschritt« die Lebensmaxime zu sein. Immer auf der Suche nach dem Neuesten, immer in Sorge, etwas zu verpassen und unablässig angetrieben von dem Gedanken, aus dem eigenen Leben das Allermöglichste heraus zu holen. All das, was ›Vorher‹ war, scheint nur noch verbesserungswürdig zu sein, jedes ›Nachher‹ wird zu einer unabdingbaren Anstrengung, in welchem Lebensbereich es auch immer sein mag. Dann jedoch, sobald das gesteckte Ziel erreicht ist, offenbart sich alsbald die nächste Bedingung, die erfüllt werden muss. Der ganze Ablauf wird somit zu einem Zwang, den es stets von Neuem zu erfüllen gilt. Unter diesem Aspekt stellt sich mir dann doch die Frage nach der Ruhe und der Muße, um das Geleistete bzw. das Geschaffene auch genießen zu können. Wo bleibt dann die Zeit, dass dem Erfolg einer Tätigkeit die Anerkennung zuteil wird, die es verdient hat? Wo die Gelassenheit, sein Leben nach den eigenen Wünschen zu gestalten, auch wenn diese Vorstellungen nicht der landläufigen Meinung oder Mode entsprechen?
         Es gibt so manches Mal bei mir den Wunsch, dem Einen oder Anderen mehr Mut zu wünschen, um an das zu glauben, was er tut. Aber auch daran, dass es manches Mal mehr als genug ist, was er geschaffen hat; dass nicht immer wieder zum gleichen Thema etwas Neues hinzugefügt werden muss, weil es dann nämlich keine neue Nachricht mehr ist, sondern nur noch eine bedeutungslose Aussage.
Dieses Phänomen stelle ich mehr und mehr in den sozialen Netzwerken fest, wie z.B. bei »Twitter«. Viele der Schreiber machen sich nicht mehr frei von all den Faktoren, nach denen wir alle zu gern unsere Umwelt einstufen und oft auch nach Gesichtspunkten kritisieren und zensieren, weil sie nicht den unsrigen entsprechen. Es geschieht immer weniger, dass ein Mensch als selbstständige wertvolle Persönlichkeit wahrgenommen wird; leider immer öfter nur als ein Objekt, an dem man den eigenen Frust loswerden kann!
       
          Stillstand muss doch kein Rückschritt sein! Wenn der Geist, der den Schreiber beseelt, wach und frei bleibt und sich nicht dem unterordnet, das man den Zeitgeschmack nennt. Dann kann man auch innovativ sein, zielstrebig dem Thema nachgehen, ohne sich ständig wiederholen zu müssen. Innovation heißt doch auch »Erneuerung« und kann durchaus bedeuten, dass man eigene Wege gehen kann, ohne auf den Zeitgeschmack oder dem modebewussten Trend folgen zu müssen.
        
        Das ist schwer, sicherlich, aber durchaus machbar. Bewusste Schreib - und Veröffentlichungspausen sollte man einhalten und nicht immer nur schreiben, um ja nicht vergessen zu werden, das wäre das Nonplusultra der Blogger! Keiner muss sich durch fremdbestimmte Maßstäbe gängeln lassen. Dabei sein um des "Dabeiseins" willen? Wenn das die neue Wertschätzung ist, bleibe ich gern außen vor!


Joh.Chr.Lichtenberg schrieb vor 200 Jahren:
«»Man sollte nie so viel zu tun haben,
dass man zum Nachdenken keine Zeit mehr hat!


©by H.C.G.Lux

 

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Kommentare (8)

HeCaro

Lieber Horst,

aufmerksam und mit großem Interesse habe ich Deinen Blog gelesen.
Du sprichst mir aus der Seele und ich stimme allem was Du angeführt
hast, zu. 

Danke für dieses treffende Statement.

Liebe Grüße, Carola
 

Pan

Nun habe ich mir die Kommentare zu dem "Mitmenschen" ein wenig gründlicher unter die Lupe genommen. Ich bin doch erstaunt, wie unterschiedlich solch ein Thema empfunden wird.
Es liegt mir wirklich fern, irgendeinem Schreiber Vorschriften machen zu wollen, wie käme ich denn dazu? Und diese - meine - Meinung ist , bei näherer Betrachtung doch ein allgemeines Gut, das schon seit "BLOG-Gedenken" zu Antagonismus Anlass gibt!
[Warum schreibt ein Autor Bücher ?]
BLOGs sind ja noch relativ neu. Solch ein BLOG Tagebuch zu nennen, ist für mich doch recht zweifelhaft, denn Tagebücher schreibt man eigentlich nur für sich selbst und nicht zum Veröffentlichen oder?)
Es ist auch etwas völlig anderes, ob ich ein Buch schreibe oder anderen Menschen etwas mitteilen möchte. Dazwischen liegen für mich Welten, insofern ist der Vergleich nicht angebracht.
[Es muss ja niemand lesen, keiner wird dazu gezwungen.]
Natürlich nicht, das ist richtig, darum geht es auch überhaupt nicht.
Ein Gedankenaustausch findet im BLOG statt? DAS ist für mich absurd!
In einem Forum, da kommt so etwas gewiss zum Tragen, da kann ich "Rede und Gegenrede" immer als Dialog führen. Im Blog ist das kaum möglich, ein Kommentar ist nur eine Erörterung zu einem Gedanken. 


»Freiheit ist immer Freiheit der Andersdenkenden.« (Rosa Luxemburg) Das ist ein Wort zu dem ich immer stehe!
Aber - und das gebe ich zu bedenken, dazu bedarf es des Wissens der  Gegebenheiten! (wie es auch Roxanna  andeutete.) 

Ich habe früher auch oft überreagiert, gottlob hatte ich dann den Einfall, das Ganze nochmals zu lesen; oft war dann alles anders, als ich es vorher sah.
Jedenfalls grüße ich Dich mit einem Lächeln,

AA_neu.gifPan~



 

HeCaro

@Pan  

Es war m. E. wichtig, nochmals den Unterschied
zwischen dem Forum und den Blogs zu verdeutlichen.
Danke

LG Carola

Sterntalerin

Hallo Pan, (der mit der Flöte oder der aus dem Nimmerland ?)

vielleicht habe ich dein Anliegen missverstanden, denn ich sehe das ganz anders.
Sollte nicht jeder Mensch das tun, was er möchte ? Ich denke, dass ein erwachsener, eigenständiger Mensch selbst entscheiden sollte, was, wie, wann und wie oft er/sie aus welchen Gründen auch immer schreiben möchte. Auch während des Schreibens kann man zu wertvollen Erkenntnissen gelangen. Keiner schreibt ohne zu denken.

Ich war z.B. immer der Annahme, dass ein Blog so eine Art Tagebuch ist, in das man niederschreibt, was einen entweder aktuell bewegt, erschüttert, fasziniert, beschäftigt, ärgert oder was einem gerade so in den Sinn kommt. Es muss ja niemand lesen, keiner wird dazu gezwungen.
Alleinlebende Menschen, insbesondere ältere Menschen haben oft niemandem für einen Gedankenaustausch und sind daher wahrscheinlich froh, ihre Gedanken in den Sozialen Medien mit anderen Menschen zu teilen. Das ist immerhin besser, als zu vereinsamen.

Warum schreibt ein Autor Bücher ? In erster Linie doch sicher um anderen Menschen etwas – aus seiner Sicht „Wichtiges“ mitzuteilen, etwas von dem er meint, dass es andere Menschen interessieren könnte. Die meisten Autoren verbringen wochenlang jeden Tag bis zu acht Stunden damit, zuerst ein unfertiges Manuskript zu erstellen, um es dann wieder und wieder zu überarbeiten. Das tun sie nicht zuletzt  auch des Erfolges und der Anerkennung wegen, obwohl sie während des Schreibens nicht einmal wissen, ob ihr Buch überhaupt gelesen wird.

Selbst wenn es um des „Dabeiseins“ willen ist, ist das ein gutes Recht eines jeden Autors. Allein die Tatsache, dass ein Mensch schreibt -  aus welcher Motivation heraus auch immer -, ist anerkennswert und sein Fleiß durchaus wertzuschätzen.
Schreiben über welche Themen auch immer, empfinde ich als eine sehr sinnvolle und bereichernde Beschäftigung. Nicht zuletzt deshalb, weil man sich mit dem Schreiben – wie z.B. in deinem Beitrag -, vieles auch von der Seele schreiben – und somit Luft machen kann.

Jeder Mensch sollte selbst entscheiden, wie und wo, wann und mit wem oder womit er/sie seine Lebenszeit verbringen resp. füllen möchte. Jedem das Seine ! Letztendlich kann jeder – bei allem was ihm gut tut oder wofür er Anerkennung erhält, Gefahr laufen, abhängig oder gar süchtig zu werden.
Derlei Beispiele gibt es zuhauf, aber auch damit muss jeder Einzelne auf seine Weise umgehen. Menschen, die einen bleibenden Eindruck hinterlassen, werden selten vergessen !

Im Übrigen stimme ich dir bei deiner Feststellung „der Mensch ist ein seltsames Wesen", vollumfänglich zu. Er ist sogar oftmals auch ein sehr dummes Wesen, wie man nicht nur den Geschichtsbüchern entnehmen kann, sondern auch den derzeit täglichen Nachrichten aus aller Welt.
meint mit einem freundlichen  Gruß
Die Sterntalerin, die aus dem Märchen
 

Roxanna

@Sterntalerin  

Hallo Sterntalerin,

mit Interesse habe ich deine Ausführungen wie das nach deiner Meinung mit den Blogs gehandhabt werden soll, gelesen. Nun bist du erst seit 4 Tagen hier angemeldet und kannst dich von daher noch nicht wirklich mit den Gegebenheiten hier vertraut gemacht haben. Deshalb erstaunt mich, dass du dich hier so ausführlich äußerst ohne die Hintergründe zu kennen.

Beste Grüße
Roxanna

lillii

wenn nun aber, das möchte ich zu bedenken geben,
es für den oder auch die vielschreibenden Blogger die einzige Möglichkeit ist in Kontakt mit der Umwelt zu bleiben, müsste man doch Verständnis aufbringen und nachsichtig sein können.
Es gibt Menschen, die finden aus irgendeinem nicht bekannten Grund schlecht den Kontakt zu anderen  Menschen, vielleicht aus Scheu oder schlechter Erfahrung heraus oder weil sie introvertiert sind und sich dann ganz zurückziehen.
Wir sind alle unterschiedlich veranlagt oder durch Erziehung und Erleben so geworden wie wir sind.
Eine gute Übung für uns ist es, andere Menschen auszuhalten, sie müssen das gleiche ja auch mit uns,

denke ich mir ...

liebe Grüße von der lillii
 

Syrdal


Lieber Pan,
all deinen Überlegungen und Ausführungen möchte ich ausnahmslos beipflichten. Und richtig, „unstete Hektik kann ganz schnell die Form einer Dependenz annehmen“. Beispiele für die „fast unerklärliche Betriebsamkeit“ ließen sich zur Genüge anführen und es stellt sich dabei die Frage nach der wohl oft abhanden gekommenen „Ruhe und Muße zum Genießen“, weil ja nun wirklich „nicht immer wieder zum gleichen Thema etwas Neues hinzugefügt werden muss“.
 
Meine vor fast zwei Jahren begonnene Sammlung „Marginalien - achtzeilige Notizen“, die inzwischen auf 107 Titel angewachsen ist, hatte ich mit Gedanken zum Thema „Schreiben“ eröffnet: 
 


 
Schreiben
 
Schreiben, um sich zu präsentieren,
ist gemeinhin null und nichtig,
die Worte sich sehr schnell verlieren,
denn die Botschaft ist unwichtig,
doch gibt man ehrlich zu verstehen,
was vom Allgeist in einem wallt,
wird dies mit klarem Wort versehen,
dann ist das Schreiben von Gehalt.
 
© Syrdal 2018
 
 
In Abwandlung deines letzten Satzes formuliere ich deshalb: Schreiben, um des "Dabeiseins" willen? Wenn das die neue Wertschätzung ist, bleibe ich gern außen vor!
 
Mit nachdenklichem Gruß
Syrdal
 
 

Pan

Lieber Syrdal - was sollte man da noch hinzufügen?
Nothing!
Und der Marginalienvers: Superb ...
mit einem Lächeln,
Horst


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