der Tag der Puppen und der verlorenen Identität


...es war ein Tag, der mich ins Unglück stürzte, als meine Mutter mit 38 Jahren verstarb - ich stand als Vollwaise, wie man es ausdrückte, hilflos da. Meine Tante aus dem Westen kam und nahm mich mit in eine ganz andere Welt. Aber meine Puppen, die mußten mit und mein Akkordeon. Andreas, Frank und Antje wurden in den Rucksack reingesteckt und das Akkordeon schlug mir beim Gehen ständig an dem Schienbein an. Es schmerzte jeder Schritt.
Am Endziel angekommen, fiel es schwer mich einzugewöhnen und meine Puppen waren erstmal weg, ich sollte mich auf Schule und französisch konzentrieren. Was auch einzusehen war. Die Puppen, meine intimsten Freunde - die gab es nicht mehr - das französisch Buch, das war mein Begleiter.
Nachdem meine Tante und mein Onkel(Vormund) verstorben waren, ging ich der Sache über das Vormundschaftsgericht mal näher an und man offenbarte mir ein Erbgut, was ich ein lebenlang um mich hatte. Alles bei meiner Tante und die Puppen gehörten auch dazu und die waren weg.
Als Tante dann gestorben war - entrümpeltem "wir" bei meiner Cousine und siehe da......es tauchten Gegenstände auf, die ich aus meiner Kindheit kannte und wenn es nur eine blöde Tischdecke war.
Und auch die Puppen, die sie 60 Jahre vor mir versteckt gehalten hatte. Wozu, warum?
Keine Ahnung.
Ich nahm einen Sack und schmiß sie dort rein - meine Cousine schrie nein - ich war voller Wut und Enttäuschung und das brauche ich jetzt auch nicht mehr.
Der Sack landete im Container der Mülldeponie-
meine Cousine stand am Auto und schrie:
Moni, der hat "Mama" geschrien!
Ich habe es gehört und konnte nicht mehr zurück - ich war zu Stein erfroren und dachte über all die Jahre nach um die man mich betrogen hatte.
Diese Puppen gibt es nicht mehr - eine Wehmut beibt zurück, aber kein böser Gedanke.
Nur meinen Teddybären habe ich noch nicht gefunden............

Was soll's, den brauche ich heute auch nicht mehr.............

ich habe doch das ST.
Euer Moni-Finchen


Anzeige

Kommentare (8)

Schnelli ist ein Paradies aus dem....
ja wir, - Du wirst vertrieben und die Seele weint - aber die geschlossene Tür macht frei- frei wenn Du zuläßt das Sie verschlossen bleibt den Schlüssel wegwirfst oder unter der alten Buche vergräbst.
Und ich sah sie weinen die die Heute die Mutter verlor ,
noch hör ich das Lachen des Kleinen
noch klingt es mir im Ohr
dies sind Zeilen die ich mit 16 Jahren schrieb als ich erlebte wie eine Mutter
von vier Kindern nach einer Zwillingsgeburt verstarb-
um meine Seele heil werden zu lassen -aber die der Kinder ....
Danke für den Blick in Deine lieben Gruß... IM
finchen mache Dir keine Sorgen - es ist doch schon so lange her. Trotzdem kommen bei solchen Begegnungen, ungewollt Erinnerungen hervor. Ich schreibe einfach meine Geschichten und das hilft mir sehr die alten Erinnerungskisten abzuladen. Meine Kindheitsgeschichte ist fertig geschrieben und ich bin auf der Suche nach einem Verlag. Aber hier im ST kommen schon einige, die meine Geschichten lesen, schon in den Genuß, Einzelheiten aus meiner Kindheit zu erfahren. Sie war teilweise schön und manchmal mörderisch - so, wie es damals war.
Ganz liebe Grüße und fröhliches Schreiben
Dein Moni-Finchen
finchen es ist tatsächlich so, daß man Verluste zwar verwindet, aber nicht vergessen kann. Und mir waren meine Puppen sehr wichtig, weil sie, auch wie Dir, Gesprächspartner waren. Ich war sehr viel alleine und deshalb brauchte ich sie. Als ich in meine neue "Heimat" kam, war ich "nackt" und ganz alleine. Es brauchte nicht nur Zeit, es brauchte auch Ignoranz. Ein völlig neues Leben - ich fühlte mich eingesperrt - und habe noch viele Nächte geweint. Und diese Konfrontierung mit meinen Puppen, die hat mir regelrecht den Boden unter den Füßen weggezogen. Und die Frage: warum hat meine Tante so gehandelt?
Und jetzt ist Schluß - ich habe eigene Kuscheltiere und das sind meine Gästehunde.
'nen ganz lieben Gruß und noch eine schöne kommende Woche und mehr.
das Moni-Finchen
floravonbistram in der Kindheit waren meine Puppen. Ich denke, ich wäre seelisch ganz gestorben, wenn man sie mir ganz genommen hätte, denn sie waren immer meine Zuhörer, wenn mir Schlimmes widerfuhr.
Eine Puppe begleitete mich auch immer, wenn ich verreiste. So war ich bei Großonkel und Großtante. Meine Puppe verlor ihren Kopf, ich wusste damals nicht, dass der weiche Körper nur wieder daran gebunden werden musste.
Großtante nahm die Puppe und weg war sie. Mit meinen 5 Jahren verstand ich die Welt nicht mehr und machte mich heimlich auf die Suche, wenn die Erwachsenen in Stall oder Garten war und ich fand meine Elisa, wieder heil, neben der Kommode von Tante Marie sitzend. Überglücklich schloss ich sie in die Arme und schlich mich nun immer, wenn es möglich war, zu ihr, um sie zu wiegen, ihr zu erzählen.
Meine Kusine, damals schon 18 Jahre alt, entdeckte mich, fragte mich, warum ich in der Ecke so heimlich spielte. Da sie immer sehr lieb zu mir war, erzählte ich es ihr. Sie ging zu ihrer Großmutter,ein aufgeregter Disput in der Küche erschreckte mich, doch dann kam sie heraus und drückte mir mein Baby in den Arm. "Du darfst sie wieder haben!"
Ich muss gestehen, ich liebe sie noch heute dafür.

Wie wichtig wären gerade für Dich, bei dem für ein Kind unerklärlichen Verlust,die vertrauten Kindheitsbegleiter gewesen

Liebe Grüße
Flo
Traute Ja, es ist so schwer sich in andere hineinzuversetzen. Das wollte Deine Tante, sie wollte Deine Liebe erzwingen und entfernte die Konkurrenz und die Erinnerung an Deine glückliche Zweisamkeit mit Mutter.
Sie hat Dich auch geliebt, aber mit habgierigem Herzen und mit kalter Hand.
Deine Erinnerung trägt das Unrecht weiter, Liebe kann man nicht erzwingen.
Mit ganz freundlichem Mitgefühl,
Traute
Medea Ich kann Deinen Schmerz, Deinen Wutausbruch und auch Deine
spontane Handlung gut verstehen liebes Moni-Finchen. Deine
Tante war wahrlich nicht eine Spur pädagogisch angehaucht,
sonst hätte sie Dir Deine drei Puppen nicht entzogen, gerade auch
in dieser Situation, wo Du Deine Mutter verloren hattest.

Ich habe einmal in einem Anfall von Zorn, Wut, Schmerz und Verzweiflung
Briefe zerrissen, die ich jahrzehntelang aufbewahrte - Du glaubst gar
nicht, wie sehr ich das aus heutiger Sicht bedaure.

Nun bin ich ja auch zu dem kleinen Gershom gekommen wie die Jungfrau
zum Kind, warum sollte das Dir nicht auch irgendwann passieren?
Du kannst ihn Dir ansehen, ich habe ein Foto zu meiner kleinen Geschichte
eingesetzt.

Herzlich Medea.
nixe44 Hallo Moni-finchen,
interessant Deine Kindheitserinnerungen zu lesen.
Schön von Dir, den STreff über den Verlust Deines, als Kind so geliebten Bäres,
zu stellen.
Dem Webmaster, als Initiator des ST, wird´s gefallen, mir auch.

Ich grüße Dich
Moni-nixe
ehemaliges Mitglied schon etwas älter, ich bin mir nicht sicher wenn ich nach Denke ob ich ihn gebrauche, aber es gibt schon mal zeiten da 'Wach ich auf morgens und er lieg neben mir, ich kann mich zurück denken in meine Kindheit, und ich bin recht froh ihn nun zu haben. Auch wenn es nicht das ist den ich mal hatte, vor vielen Jahren wurde mir alles Gestohlen was ich mal hatte es blieb nur der Koffer über den ich mit im Urlaub hatte, im Keller fand ich ein alte Bibel sonst nichts, es blieb nur Staub über. Keine Bilder nicht mals dokumente die mal Wichig waren, an dem Tag war ich wohl wie du als Kind, auf der suche nach Vergangenheit. Nun habe ich nur noch diese kleine Bären der mal jamanden andere viel bedeutet und mir im alter Geschenkt wurde, ich würde ihn nie wieder hergeben..

Das mit deiner Mutter ist sehr schlimm, meine schwester Verstarb auch im alter von 39 jahren und ich und meiner Mutter haben die beiden Kinder gross gezogen, ich weiß wie schwer das ist..aber wir haben das alles überwunden zusammen.


Gruss Diro


Diro

Anzeige