Der Zirkel des Verstehens


Der Zirkel des Verstehens


Was passiert wenn wir Texte, Menschen, Kunstwerke verstehen? 
Antwort: Wir verstehen nicht ganz oder gar nicht sondern allmählich und immer besser,
das Licht geht allmählich über dem Ganzen auf. Ein Philosoph sagt, dass die 
Bewegung des Verstehens stets vom Ganzen zum Teil und zurück zum Ganzen verläuft..
Wenn wir einen Text lesen gehen wir in der Regel mit bestimmten Erwartungen an diesen 
Text heran, darin spielen unsere Interessen und unsere persönlichen  Erfahrungen eine filternde Rolle und  je nach Vorlieben und Vorwissen wird man den Tex dann unterschiedlich verstehen…
Der Zirkel besteht also aus unseren Erwartungen an den Text und dessen Vorentwurf und müsse nun im Zuge der Lektüre fortwährend revidiert und angepasst werden, so sagen es die Hermeneutiker .
Das Problem ist aber, dass unsere Erwartung bereits ein bestimmtes Licht auf den Text wirft  und je nach dem was wir erwarten,  werden wir den Text anders interpretieren, d.h. es gibt keine unvoreingenommene neutrale Lektüre eines Textes, es gibt keine reinen Fakten, die Sinnerwartung  wird also nicht mit dem reinen Text konfrontiert sondern mit der eigenen Interpretation des Textes die selbst von der Sinnerwartung abhängig ist… darin besteht der Zirkel. Dieser begegnet uns bei allen Formen des Verstehens, bei Begegnungen mit andern Menschen,  beim Musikhören  oder beim Betrachten von etwas. Das Fremde zu verstehen heisse: «Das eigene im Fremden zu sehen und auch das Fremde im Eigenen».  
 
(zusammengefasst und interpretiert aus Yves Bossarts «Ohne Heute gäbe es morgen kein Gestern».
 


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Kommentare (2)

Manfred36


Das Fremde zu verstehen heisse: «Das eigene im Fremden zu sehen und auch das Fremde im Eigenen».  
Einem Kind würde ich das so erklären: Wir haben ein Eindrücke-Gehirn und ein Verstehen-Gehirn. Zuerst ist immer das Eindrücke-Gehirn dran, in dem schon viel Erfahrenes gespeichert ist und das entscheidet, was wir neues aufnehmen und wie wir es färben. Wenn wir was verstehen wollen, rufen wir ab, was unser Eindrücke-Gehirn gerade gespeichert hat. Dann setzt sich unser Verstehen-Gehirn abwägend vernünftig damit auseinander. Speichert auch wieder Zwischenergebnisse ab. Einen direkten Draht vom zu Verstehenden zum Verstehen-Gehirn gibt es nicht. Verstehen ist deshalb immer individuell, subjektiv.
 

Syrdal


Statt sich mit ehrlichem Interesse unvoreingenommen in einen Text „hineinfallen“ zu lassen, macht es sich der stets und immer etwas ganz Bestimmtes erwartende Leser selbst schwer, mitunter sogar unmöglich, das in den mehr oder weniger sinnvollen Formulierungen Gesagte und die Schwingung des zugleich nicht explizit Formulierten aufzunehmen, geschweige es zu begreifen. Das erkennt man z.B. mitunter auch hier im ST bei Kommentaren zu eingestellten Texten gleich welcher Art, die in ihrer Unterschiedlichkeit zeigen, wie verschieden Texte aufgenommen und begriffen werden. Aber auch das gehört zu einer lebendigen Konversation, zum Austausch und zum Verständnis von Gedanken...
 
...meint
LG Syrdal


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