Die Geschichte mit dem Hammer


Die Geschichte mit dem Hammer


Ein Mann will ein Bild aufhängen. Den Nagel hat er, nicht aber den Hammer. Der Nachbar hat einen. Also beschließt der Mann, hinüberzugehen und sich den Hammer auszuborgen. Doch da kommt ihm ein Zweifel:
 „Was ist, wenn der Nachbar mir den Hammer nicht leihen will? Gestern schon hat er mich nur so flüchtig gegrüßt. Vielleicht war er ja nur in Eile. Aber vielleicht hat er die Eile auch nur vorgetäuscht und er hat etwas gegen mich. Und wenn ja, was? Ich habe ihm nichts getan; der bildet sich da etwas ein. Wenn jemand von mir ein Werkzeug borgen wollte, ich gäbe es ihm sofort. Und warum auch nicht? Wie kann man einem Mitmenschen einen so einfachen Gefallen abschlagen? Leute wie dieser Kerl vergiften einem das Leben. Und dann bildet er sich am Ende noch ein, ich sei auf ihn angewiesen. Bloß, weil er einen Hammer hat. Jetzt reicht es mir aber wirklich!“

Und so stürmt er zu seinem Nachbarn und läutet. Der öffnet und noch bevor dieser guten Tag sagen kann, schreit ihn unser Mann an: 
 „Behalten Sie Ihren Hammer, Sie Rüpel!“


 Aus Paul Watzlawick: „Anleitung zum Unglücklichsein“

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Kommentare (4)

Distel1fink7

Herzhaft gelacht, ja so kann das gehen.

Muscari


Jaja,

Vorurteile - und die Folgen.
Aber wie heißt es unsinnig: Einbildung ist auch eine Bildung.
😲
Gruß Andrea

Manfred36

Wie negative (Vor-)Urteile kann ich auch positive Urteile gegen jemand in mir aufbauen. Wenn ich hereintappe, ist ja nicht unbedingt mein "Stolz" und mein Vertrauenseinsatz beschädigt, ich habe auch dazugelernt. Kann anderwärts etwas Revidiertes Neues aufbauen.Aber verlässlich agieren muss ich schon. 
Gruß Manfred

ladybird

Ja, das ist wirklich aus dem Leben....lieber Horst...
Gruß Renate


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