Die gesunde Lebensweise


Ein kleines Vorwort sei mir erlaubt. War einige Tage abwesend und hoffe auf Euer Verständniss. In der Nacht von Donnerstag auf den Freitag hatte ich einen kleinen Herzinfarkt und war bis heute in der Klinik. Jetzt habe ich mittlerweile zwei Stands in meine alte Pumpe eingebaut bekommen. Aber es geht wieder und das Leben muss ja weiter gehen. Also schreibe ich wieder für meinen kleinen Leserkreis bis zum bitteren Ende.



Die gesunde Lebensweise und der lange Weg dorthin

Benno betrat die Buchhandlung. Eine kerngesunde Buchhändlerin fragte ihn nach seinem Begehr.
„Ich möchte gern ein Buch oder Büchlein über gesunde Lebensweise“, sagte er schüchtern und auch sehr leise, damit keine der sonst noch im Geschäft befindlichen Personen zufällig auf ihn aufmerksam werden sollte.
Die junge Dame sah ihn verwundert an und durchstöberte danach eine Anzahl aufrecht stehender grüner Broschüren. Aber dann zuckte sie die Achseln.
„Wir hatten mal so etwas über gesunde Ernährung. Das handelte von Gemüse“, sagte sie leichtfertig laut und sofort blickten sämtliche Kunden der Buchhandlung von ihren Büchern auf, in denen sie gerade am herumblättern waren und sahen zu Benno herüber.
Er schlich sich von dannen wie jemand, der in einen Supermarkt eine Schachtel Pralinen geklaut hatte.

Das wird ja nun jedem einleuchten, dass der leicht verstörte Benno in keiner zweiten Buchhandlung nach so einer anstößigen Sache mehr nachfragte. Irgendwie würde er schon eine eigene Methode der gesunden Lebensweise herausfinden, auch ganz ohne dass ihm irgendwelche Professoren, Doktoren, Fischköche, Nahrungsmittelchemiker und andere Gesundbeter da reinreden müssen.
Schließlich ist ja die Gesundheit der Zustand und das Verhalten des Organismus als eines Ganzen im Gleichgewicht der Wechselbeziehungen mit der umgebenden Welt.
Benno war so mit Ach und Krach gerade vierzig geworden, er hat geraucht wie ein Schlot, getrunken wie 25 Kamele und selbst den sogenannten Lebenswandel eifrigst betrieben.

Aber dann fing es an: Husten, Raucherbein, Herzbeschwerden, Lungenstiche, Gleichgewichts- und Sehstörungen, Ohrensausen, Kopfschmerzen. Es gab Stunden am Tag, an denen er sogar mal nicht husten musste.
Er wurde auch fast ohne sein Zutun Zusehens dicker. Komischerweise nicht im Gesicht, da sah er nach wie vor wie ein Asket aus, richtig mit markanten Zügen und so, aber der Bauch schwoll an.
Dadurch, dass er so ein bisschen eingefallene Brust hatte, von alters her schon, wirkte alles nur noch viel schlimmer und der Bauch auch noch viel schlimmer.
Benno wog insgesamt plötzlich 238 Pfund ( vor einem Jahr noch 176!), wobei auf den Oberkörper schätzungsweise nur gute 58 Pfund entfielen.

Es mussten rigorose Sofortmaßnahmen ergriffen werden. Erstens rauchte er nur noch zwanzig Zigaretten am Tag, zweitens trank er nun nur noch zehn Glas Bier und fünf kleine Schnäpschen und drittens kaufte er sich schleunigst einen Expander. Aber damit konnte er leider noch nichts so richtig anfangen, weil seine dünnen Oberärmchen einfach am streiken waren.
Er bekam die Expandersache nicht einen Millimeter auseinandergezogen.

Als eine Karlsruher Zeitung zu einem 8-Kilometer-Marsch aufgerufen hatte, setzte er sich sofort in den Wagen und fuhr kampfbereit zum ausgeschriebenen Startplatz. Schlecht für ihn organisiert war aber leider auch, dass unmittelbar am Start ein wunderschönes Speiselokal lag.

So ist er dann gleich dort sitzengeblieben und aß ein ganz winziges Eisbein und eine Portion Hackepeter – selbstverständlich ohne Brot, wegen der Hydrate versteht sich.

Die Hauptsache auf dem gesunden Lebensweg sind ja die Vitamine, Kohl, Mohrrüben, Schoten, saure Gurken, Petersilie, Suppengrün, Löffelerbsen und so weiter. Dabei darf man die ganzen Sachen nicht kochen, sondern muss sie naturgetreu verspeisen!
Weil ja durch das Kochen der eigentliche Wert verlorengeht, sich sozusagen im Dampf auflöst.
Er wollte es nun aber wirklich mal angehen.

Für den Benno war das schon eine gewaltige Umstellung. Er kam sich manchmal wie ein Pferd vor. Er träumte nachts von lauter grünen Wiesen und schlug sogar auch hin und wieder aus. Aber nur in der ersten Zeit. Einmal sah er einen lustigen Film im Fernsehen, da musste er direkt ein paarmal wiehern.

Jedenfalls kann Benno heute schon auf einen kleinen Erfolg der letzten Zeit zurückblicken, obwohl seine gesunde Lebensweise ganz ohne Anleitungsbuch erst zirka drei Monate bestand, konnte er erkennen dass es bei ihm anschlägt. Das heißt, es schlägt selbstverständlich nicht an, auf gar keinen Fall!

Der Erfolg ist da!

Das Ohrensausen und die Kopfschmerzen sind bereits weg, genau wie die Sehstörungen. Er konnte früher ja schon beinahe nicht mehr richtig Fernsehen sehen. Ebenfalls ist das Raucherbein zurückgegangen, so dass er sich schon langsam, aber sicher wieder auf vierzig Zigaretten steigern konnte.
Und was das schönste war, an einem sonnigen Sonntagvormittag, da hat er die Gardinen zugezogen und den Expander aus dem Schrank geholt und dann geschah das Wunder! Ein ganz kleines Stück hat er ihn auseinandergezogen bekommen, anderthalb Millimeter rund gerechnet.

Wenn man nun bedenkt, dass er das wichtige Gerät um ein Haar schon dem Veteranenclub an der Ecke stiften wollte ……
 


Anzeige

Kommentare (12)

Monalie

Hallo Klaus auch ich möchte etwas zum Vorwort sagen, achte gut auch dich und gute Besserung. ich möchte noch viele Geschichten von dir lesen.,alles Gute von Mona

Humorus

@Monalie  

Danke liebe Mona für Deine Wünsche und ich nehme sie ganz bestimmt zu meinem alten Herzen. Ich habe ja eine große Familie um mich herum und alle stehen mir zur Seite. Ich freue mich wenn ich Dir wieder etwas gutes tun konnte. Du weißt ja Freude kann auch eine gute Medizin für mich sein.

Lieben Gruß und lass Dich wieder sehen. Klaus

omasigi

Lieber Humorus,

immer wieder schreibst Du hier neue Geschichten,
die ich gerne lese. Weiter so.
Das Leben ist so vielseitig.

Leider kommt mein Kommentar etwas spaet,
aber wie Du weist lebe ich nicht in DE.

Dir noch weiterhin gute Besserung

gruss
omasigi

Humorus

@omasigi  
Hallo liebe Sigrid und Liebe Grüße nach Südamerkia. Ich finde es einfach toll wie wir uns heute über so weite Entfernungen lesen können. Du weißt doch lieber spät, als etwas verpasst. Danke für Deine aufbauenden Worte und ich hoffe, ich kann Dich auch weiterhin ein wenig für mich gewinnen.

Ganz lieben Gruß Klaus

APet

Hallo Klaus 
ich halte mich vor allem an dein Vorwort und sage zu dir:
Lebe gesund, pass auf dich auf.

Lieben Gruss, Agathe 

Humorus

@APet  
Liebe Agathe danke für Deine lieben Worte, aber das Leben muss weitergehen und ich hoffe, Dir hat auch meine Geschichte gefallen. Dir natürlich auch alles Gute und einen lieben Gruß aus Karlsruhe

Syrdal


Dieser „Benno“ wohnt hier gleich um die Ecke... sehe ihn jeden Tag auf der Bank am Kioskausschank sitzen. Da is er am Vormittag, am Nachmittag und zumeist auch am Abend. Ob er auch nachts dort ist, weiß ich nicht, es könnte aber sein, dass er auch dort auf der Bank schläft. Dem Benno trau ich das zu, weil er ja kaum noch laufen kann. Und wenn er wirklich mal aufsteht, fängt er fürchterlich an zu husten. Also bleibt er auf der Bank sitzen, denn er möchte ja niemanden mit seiner Husterei stören. – Das mag ich an dem Benno...
...ein vorbildlicher Kerl, meint
Syrdal

Humorus

@Syrdal  
Lieber Syrdak, ich denke solche "Bennos" gibt es leider immer mehr rings um uns herum und da ich meinen ja auch persönlich kannte, habe ich mich hingesetzt und mal über ihn geschrieben. Mein Benno lebt aber nicht mehr trotz seines kleinen Erfolges.

Danke für Deine Worte und alles Gute für Dich Klaus

ahle-koelsche-jung

Hier hat mal wieder der innere Schweinehund gesiegt. Denke wie in den meisten Fällen.
Aber auf der anderen Seite: man sollte es auch nicht übertreiben mit dem gesund Leben;
alles hat halt seine Vor- und Nachteile.
Benno hat uns nicht nur zum Nachdenken sondern auch wieder zum Schmunzeln gebracht.

VG Wolfgang

Humorus

@ahle-koelsche-jung  

Danke Wolfgang Du treue Seele aus Köln. Ich freue mich immer über deine ehrlichen und zutreffenden Worte. Dir nach köln einen lieben Gru

Klaus

Manfred36

Dem armen Benno nützt auch satirisches "An-den-Pranger-Stellen" nichts. Oder meinst du, wir seien alle kleine Bennos?

Humorus

@Manfred36  

Na Manfred ich denke Du verstehts mich schon richtig, aber manchmal schreibe ich solch verkorkstes. Jeder hat halt seine Art und nicht immer treffe ich den Nagel auf den richtigen Kopf.

Danke, fürs Vorbeischauen bei mir. Lieber Gruß Klaus


Anzeige