Die Jahreshauptversammlung


Die Jahreshauptversammlung

Vor geraumer Zeit flatterte bei mir die Einladung zur Jahreshauptversammlung der Tierhilfe Nord e.V. ins Haus. Dieser Tierschützenden Gruppe hatte ich mich als förderndes Mitglied angeschlossen. als sich meinen drei Katzenladies mehrere herum streunenden junge Kater hinzugesellten (siehe auch Das Katerli und Neues vom Katerli) und ich eine Kastration der Kater mit Unterstützung die Tierhilfe Nord durchsetzen musste.

Um auf der Hauptversammlung einen guten Eindruck zu hinterlassen, hatte ich eine Mohntorte gebacken, da im Anschluss an die Versammlung zu einem kleinen Büffet geladen war. Die Versammlung fand im Hause des 1. Vorsitzenden der Tierhilfe Nord statt und war der Versammlungsort von mir nur in wenigen Fußminuten erreichbar. Als ich klingelte hörte ich lautes Hundegebell und begrüßten mich drei riesengroße Hunde, verschiedener Rassen freundlich aber sehr ungestüm. Zunächst war an ein Eintreten nicht zu denken da ich freudig von den drei Großhunden eingekreist und festgestellt war. Erst als vom Hausherrn der durchdringende Befehl "aus" zu hören war, ließen sie von mir, wobei jedoch immer noch ihr Interesse meiner Mohntorte galt.

Ich war einer der Ersten der geladenen Mitglieder und hatte ich mich den bereits anwesenden Mitgliedern schnell bekannt gemacht. Das Wohnzimmer bestand aus zwei Räumen, die durch einen großen Durchgang miteinander verbunden waren. In dem einen Teil des Wohnzimmers waren fast keine Möbel. Da standen ca. 8 Tiertoiletten, Ställe für Hamster und Meerschweinchen und Kratz- und Turngeräte für Katzen. Der andere Teil des Wohnzimmers war auch recht spartanisch möbliert ; ..ein kleiner Tisch, ein paar Stühle ein Sofa und ein Bücherregal. Das Wohnzimmer hatte einen großen und breiten Zugang zum Wintergarten. Der Wintergarten war durch eine Trennwand geteilt und der kleinere Teil war der Durchgang zum Garten, während der größere Teil eine Katzenaufnahmestation war. Da lagen 5 Katzen und träumten vor sich hin, während 4 kleine Katzenwelpen (ca. 8 bis 9 Monate alt) für Furore und Belebung sorgten. Es gibt ja auch nichts niedlicheres auf dieser Welt, als kleine Tierkinder! Auf meine Frage, wie viel Katzen denn hier Asyl haben und versorgt werden, kam die für mich verblüffende Antwort: 4 eigene und 18 Asylanten, für die noch eine Vermittlung gesucht wird. Ich konnte darauf nur "hmmm" antworten; mir fehlten einfach die passenden Worte.

Nach und nach trafen nun die geladenen Mitglieder ein und konnte mit der üblichen akademischen Viertelstunde Verspätung die Versammlung begonnen werden. Der Ablauf der Versammlung war locker und ohne bürokratische Hürden. Es kam auf die Sache und nicht auf die Einhaltung juristischer Regeln an. Während der Versammlung kreisten nun die drei großen Hunde von Mitglied zu Mitglied; wo es eben die besten Streicheleinheiten gab. Hin und wieder gaben sie mit einem "wauwau" ihren Beitrag zur Versammlung. Zwischendurch sprangen die Katzenbabies von Schoß zu Schoß, bis ein alter weißer, leicht hinkender Perserkater die Bühne betrat. Oskar, so hieß er, hatte ein biblisches Alter von 20 Katerjahren und war (bei Menschen nennt man das Demenz) etwas vergesslich. So vergaß er z.B. wo die Toiletten stehen und sollte deshalb, weil er nicht mehr der schöne stolze Perserkater war, eingeschläfert werden. Die Tierärztin jedoch weigerte sich nur deshalb das Tier zu töten und so kam Oskar als x-te Notaufnahme zur Tierhilfe Nord. Jedes der sonst anwesenden Tiere, ob Hund oder Katz, zollten Oskar vollem Respekt. Oskar saß von nun an in der Mitte der Runde, mit seiner leicht verrotzten Nase und geschorenem Schwanz. Dieser musste geschoren werden, da eben Oskar seine Notdurft hin und wieder einfach so verliert und das Schwänzchen sich geschoren besser reinigen lässt. Ich bemerkte ganz ehrfurchtsvoll, dass bei der Umsetzung des hohen Katzenalters wir Menschen, dann die 100 überschritten, auch nicht mehr ganz hygienisch rein sind und die einen oder anderen Probleme haben. Ich war tief beeindruckt, wie hier die verschiedenen Tierarten respektvoll miteinander umgingen. Wer sich von Natur aus nicht mochte, ging dem anderen grußlos aus dem Weg und wer sich genehm war bekam im vorbeigehen ein Nasetupfendes Küsschen.

Beim Verlesen des Jahresberichtes erfuhr ich, dass der Verein im Jahre 2006 167 Katzenkastrationen und annähernd so viele bei Hunden durchgeführt hatte. Auch wurde von Tierschicksalen berichtet, wo Tiere einfach sich selbst überlassen wurden, wenn die "Besitzer" den Wohnort gewechselt haben oder in den Urlaub gefahren sind.
Auch wurde von einer Katzentragödie berichtet, wo 30 Kartäuser Katzen sich selbst überlassen waren. Ein Ehepaar wollte eine Kartäuser-Zucht betreiben und hatte sich bei diesem Vorhaben finanziell wie auch fachlich vollkommen übernommen Kartäuser werden mit Zertifikat mit EURO 500,oo gehandelt und hatten hier die Züchter ein schnelles Geld im Auge. Als die Rechnung nicht aufging, wurden die Tiere sich selbst überlassen; einige starben und die überlebenden Tiere wurden von der Tierhilfe Nord übernommen. Ich frage mich, was in solchen Menschenhirnen vorgeht, auf Kosten der Tiere eine Existenz aufzubauen und dann, wenn es nicht so läuft, alles seinem Schicksal zu überlassen!

Der Vorsitzende hatte dann beim Verlesen des Rechenschaftsberichtes auf einzelne, anwesende Mitglieder hingewiesen. So hatte eine der anwesenden Frauen 5 Kanarienvögel, 7 Hamster und etliche Meerschweinchen in Pflege und berichtete freudig, dass drei Hamster gut vermittelt werden konnten und bei der Vermittlung einer Katze 10.oo EURO erzielt werden konnte. Es drückte mir fast die Kehle zu, als eine weitere Frau berichtete, dass sie 36 (in Worten sechsunddreißig) Katzen vorübergehend aufgenommen hatte, die nun alle auf eine Vermittlung warten. Ich dachte bisher, dass ich mit meinen drei Katzenladies eine Spitzenposition eingenommen hatte. Diese 36 Katzen leben mehr oder weniger friedlich in einem Reihenhaus und warten auf ein schönes Zuhause. Erst jetzt wurde es mir bewusst, welche Riesenleistung an Engagement und persönlichen Einsatz diese kleine Gruppe vollbringt. Die Kosten für die Kastrationen und Verfütterungen sind enorm hoch und können nur durch Spenden einigermaßen gedeckt werden. Ich war in diesem Moment sehr froh durch meinen bescheidenen Förderbeitrag eine kleine Mithilfe zu erbringen.

Der Vorsitzende berichtete auch von den Mitgliedern, die ihren Pkw für den Tiertransport zur Verfügung gestellt hatten. Die herrenlosen Tiere mussten ja eingefangen und zum Tierarzt transportiert werden.
Während die Schatzmeisterin ihren Kassenbericht vorstellte und erläuterte und Oskar immer noch in der Mitte der Runde saß und die Aufmerksamkeit auf sich zog, turnten die Katzenbabies von Arm zu Arm, so dass es schwer war den Zahlen mit Würde zu folgen. Der Kassenbericht selber war ausgewogen und stimmig und konnte ohne Probleme einstimmig entlastet werden. Er machte jedoch klar und deutlich, dass ohne Spenden und Zuwendungen der Verein seine Arbeit und Aufgaben nicht erfüllen kann.

Nach der Versammlung gab es noch ein kleines selbstgemachtes Büffet; jeder hatte eine Kleinigkeit mitgebracht.
Als ich die Runde verließ, war ich sehr nachdenklich geworden. Mein eigener Beitrag im Sinne der Tiere ist, gemessen an den Leistungen der Tierhilfe-Mitglieder, mehr als bescheiden. Mein Respekt ist gewachsen, was Menschen, ohne großes Aufsehen zu erregen, so ganz nebenher im Sinne des Tierschutzes und der Tierhilfe leisten.

Ich bin sehr froh darüber, dass in unserem Land gesetzlich Tiere keine Sache mehr sind. Es sind Lebewesen wie Du und ich!

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Kommentare (8)

dutchweepee
dutchweepee
Mitglied

@karl

es ist übrigens ein weit verbreiteter irrtum, daß sich ein hund "freut", wenn er mit dem schwanz wedelt. das schwanzwedeln signalisiert lediglich eine erregung, die durchaus auch antipathie bedeuten kann. ich bin mir allerdings relativ sicher, daß sich mein Jazz freut, wenn er mich an der haustür so dermaßen schwanzwedelnd begrüßt, daß ihm fast der arsch abfällt.
dutchweepee
dutchweepee
Mitglied

ich finde es unglaublich, was solche menschen leisten - 36 katzen in einer wohnung? ...ich würde in die nächste gracht springen, um mein leid zu beenden. es ist in jedem fall eine "humanere" lösung (animaler kann man ja schlecht schreiben) die tiere zu sterilisieren, als später die brut töten zu müssen.

p.s.: ich warte noch auf den moment, wo mein Jazz anfängt katzen zu hassen. bislang läuft er noch naiv schwanzwedelnd auf die zimmertiger zu, um mit ihnen zu spielen. er bekommt jedoch jedesmal eine backpfeife mit ausgefahrenen krallen. wohlgemerkt - das sind immer fremde katzen - wir selbst haben keine. an seiner stelle würde ich irgendwann mal anfangen den kratzbürsten zu zeigen, weshalb er die reißzähne im maul hat - aber dazu ist er wohl (noch) zu lieb.
hafel
hafel
Mitglied

Allen denen, die diese Geschichte gelesen haben, wollte ich mitteilen, dass der alte Perserkater Oscar im hohen Alter von 18 Jahren in Würde gestorben ist. Termine wurden verlegt, um den alten Kater auf seinem letzten Weg zu begleiten.
Der Beistand beim Sterben ist der letzte Dienst an einem Tier.
Keiner wird gefragt, wann es ihm gerade recht ist, Abschied zu nehmen von einem geliebten Lebewesen. Irgendwann plötzlich heißt es damit umgehen, ihn aushalten, annehmen diesen Abschied, diesen großen Schmerz des Sterbens, dieses Zusammenbrechen. Der Tod ist kein Unglück für den, der stirbt, sondern für den, der überlebt.

Ich denke nochmals Allen, die sich für diese Geschichte interessiert haben.
Hafel
karl
karl
Administrator

Hallo Hafel,


ich stimme dir zu. Verallgemeinern darf man nicht. Bei uns war der Hund als Welpe mit Katzen aufgewachsen und "seine" Katze hatte er dann als fast verhungertes, ausgesetztes faustgroßes Kätzchen im Wald gefunden.

Katz und Hund kommen u. U. gut aus, wenn sie von klein auf die andere "Mentalität" kennenlernen. Trotzdem kann es immer wieder zu Missverständnissen kommen, denn Katze und Hund haben eine unterschiedliche Körpersprache. Wenn sich der Hund freut, wedelt der Schwanz; wedelt der Katzenschwanz ist hingegen Vorsicht geboten, denn das bedeutet "Ärger".
hafel
hafel
Mitglied

Hier hilft, wie so oft im Leben, ein reines "schwarz-weiß-Denken" nicht weiter; die Wahrheit liegt in der Mitte. Die Aussage "Hund und Katz passen zusammen" ist als Generalaussage ebenso falsch, wie "passen nicht zusammen".
Nach Meinung der Tierärzte und vor allem Tierpsychologen ist das ein sehr komplexes Thema, wo sehr viele Parameter mitwirken. Rasse und Art der Tiere, sind die Tiere zusammen aufgewachsen,, haben sie bereits einmal schlechte Erfahrung gehabt usw.
Meine Dolly ist zum Beispiel auf eigenem Grundstück von einem Hund angefallen und schwer gebissen worden, so dass sie ihr Leben lang hinken muss. Wer kann es der Katze verdenken, dass sie jeden Hund sehr argwöhnisch betrachtet. Das machen wir Menschen in so einem Fall doch auch!
Wenn sich Hund + Katz "super gut verstehen" (Beispiel obige Bemerkung), so ist das ein Glücksfall, wo verschiedene Parameter stimmig sind.
Als Aussage ist es allerdings Toppfalsch und soll hier nur ein kleiner Seitenhieb verteilt werden
ika1
ika1
Mitglied

Ich kann aber auch leider berichten ,denn wir hatten einen Dackel derüberhaupt kein Katzenfreund war.
Es war für uns immer sehr schwierig wir konnten nicht zu meinen Bruder noch zu meiner Tochter,beide hatten Katzen.
Ich weiß nicht an was es liegt aber es gibt ebend solche Tiere die sich nicht vertragen.
Wir haben es sehr bedauert.
Ika1
Linta
Linta
Mitglied

Hund und Katze vertragen sich gut, wenn sie im gleichen Haus leben. So war das auch mit unserem Barry und seinem Tiger


Genauso sehe ich das auch Karl. Doch zuweilen musste ich feststellen, dass Katzenbesitzer Hunden gegenüber sehr skeptisch eingestellt sind und grosse Vorurteile zeigen, weil angeblich die Katzen unter den Hunden zu leiden haben........
Ich hingegen sehe, dass sich hier bei mir Hund und Katz super gut verstehen, obwohl sie nicht einmal tagtäglich gemeinsam leben. Die Katzen respektieren, dass hier im Hause mein Lorbass das Sagen hat und umgekehrt ist es ebenso wenn er dort Gast ist.
Lediglich wenn´s ums Fressen geht, da sind die Pfotler blitzschnell und "klauen" und mein Dackelchen schaut in die Röhre...........
n.
karl
karl
Administrator

Hallo Hafel,


ich habe deinen Bericht mit großem Interesse gelesen. Gerade jetzt in der Ferienzeit werden wieder viele Tiere wie Sachen entsorgt. Ich respektiere sehr die Tätigkeit solcher Vereine. Die Sterilisation gerade bei Katzen ist übrigens wirklich notwendig, weil aus einem Pärchen in 10 Jahren Millionen werden können.

Hund und Katze vertragen sich gut, wenn sie im gleichen Haus leben. So war das auch mit unserem Barry und seinem Tiger:



Wenn man erlebt hat, wie gut die Kommunikation mit Haustieren funktioniert, versteht man nur schwer, dass Tiere jemals als Sachen klassifiziert werden konnten.

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