...diese Hand unter meinem Rock... - oder die Rache einer Frau


...diese Hand unter meinem Rock... - oder die Rache einer Frau

Es war im Dezember, seit März lebte ich wieder in Deutschland und arbeitete in einem Museum.

Auf einer Vernissage sprach mich eine Frau an, etwa in meinem Alter, sie war Lehrerin an einem Gymnasium. hatte erwachsene Kinder aus einer früheren Ehe, lebte mit ihrem Partner in einem wunderschönen alten Fachwerkhaus ganz in meiner Nähe. Sie bat mich um meine Telefonnummer, sie würde sich bei mir melden.

Irgendwie hatte ich auf dieses Treffen gar keine Lust, aber meine Kollegin und ihr Mann meinten, dass es an der Zeit sei, neue Bekanntschaften zu machen.

Die Dame rief mich an, lud mich ein, sie am kommenden Sonntag am Nachmittag zu besuchen.

Anwesend waren zwei jungen Frauen aus dem Schulsekretariat, die Dame selbst und die Mutter ihres Partners, die ebenfalls in diesem Haus lebte. Man sprach kaum, die ganze Situation war nicht nur mir unangenehm, auch den beiden jungen Frauen.
Und dann spürte ich plötzlich eine Hand unter meinem Rock. Ich schob sie mehrmals weg, sie kam immer wieder zurück. Als sich dann der Partner auch zu uns setzte, lag die Hand endlich wieder auf dem Tisch. Es gab keine richtige Unterhaltung, er sagte etwas, dazu hörte man gelegentlich eine Zustimmung. Und immer wieder Stille...
Endlich erhob man sich, ich atme auf, wollte nur noch nach Hause. Aber die Dame des Hauses entschied, dass die beiden anderen Besucherinnen unbedingt noch das Haus anschauen sollten, vor allem das Schlafzimmer... Kaum war sie mit den beiden Unglücksraben entschwunden, verabschiedete ich mich von ihrem Partner und seiner Mutter. Ich wollte auf keinen Fall das Haus und dieses Schlafzimmer besichtigen!

Auf ihre Anrufe und SMS habe ich einfach nicht reagiert.

Einige Monate später stellte man mir auf der Arbeit ein Telefongespräch durch, man habe ausdrücklich nach mir gefragt. SIE wollte eine Führung für ihre Schulklasse buchen. Eiskalt, unfreundlich, ob ich überhaupt in der Lage sei, einen passenden Führer für ihre Klasse auszuwählen. Ich blieb ruhig und sachlich, stellte ihr die nötigen Fragen und verabschiedete mich sehr höflich von ihr.

An einem sehr kalten und regnerischen Morgen kam ich am Museum an. Vor der Tür stand SIE mit ihrer Klasse. Es war 9.15Uhr, geöffnet wurde aber erst um 10.00 Uhr. Natürlich sitzt dann noch niemand an der Kasse, alle Türen sind verschlossen, die Ausstellung ist noch nicht zugänglich und natürlich ist auch der gebuchte Führer noch daheim. Das wusste sie sehr genau, sie kam seit vielen Jahren mit ihren Schülern zu einer Besichtigung. Sie brüllte mich an, ich solle mich mal etwas schneller bewegen, den Führer anrufen, dass seine Gruppe bereits auf ihn warte, dass sie jetzt schon zahlen wolle... Puh, ich wusste, dass ich ganz ruhig bleiben musste, dass ich meinen Ärger auf keinen Fall zeigen durfte. Also lächeln, lächeln, natürlich, aber ja, aber sofort.

Einige Tage später wurde ich zu unserer Geschäftsführerin gerufen. Bei der Landrätin war eine schriftliche Beschwerde über mich eingegangen. Von einer Lehrerin, die für ihre Schulklasse eine Führung gebucht hatte. Die Dame und ihre Hand waren mir bekannt.
Die Landrätin verlangte eine schriftliche Stellungnahme von mir. (Das Museum gehörte zur Kreisverwaltung, ich war Angestellte der Kreisverwaltung, somit war die Landrätin meine höchste Vorgesetzte, die ich aber recht gut kannte, sie kam oft ins Haus, war zu allen Besprechungen anwesend.)

Abends saß ich daheim vor meinem PC und überlegte.
Ausschlaggebend für die Beschwerde war natürlich der Sonntag bei dieser Dame daheim und meine Reaktion darauf.
Die Landrätin war nicht verheiratet und man wusste, dass es keinen Mann in ihrem Leben gab, aber eine Frau.
Und es ging für meine Vorgesetzten nur um mein Verhalten im Museum am Tag der Führung.
Also fasste ich mich kurz, ich sei höflich und freundlich gewesen, habe mir nichts vorzuwerfen.

Einige Tage später rief mich die Landrätin an, es sei ok, aber ich solle in Zukunft doch etwas höflicher sein!

Was konnte ich tun? Nichts!!!
Mit Tränen der Wut verzog ich mich erst einmal nach draußen und zündete mir mit zitternden Fingern, Tränen in den Augen und einer unendlichen Wut im Bauch eine Zigarette an.

SIE ist mir nie wieder über den Weg gelaufen.

Auch nach so langer Zeit ist die Wut auf diese Frau noch immer sehr präsent.


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Kommentare (9)

Willi P

Ich habe diesen Beitrag jetzt zweimal gelesen.
Diese Dame konnte nicht bei Dir landen, und wollte sich dafür rächen.
Charaktermäßig ein Unding, aber von diesen Leuten gibt es einfach zu viel.
Aber die Erinnerung wird bleiben.

IndianSummer1952

@Willi P  

Danke für Deine Worte.
Ich habe vielen Leuten vergeben, aber dieser Frau nicht. Das wurde mir klar, nachdem ich die Geschichte hier gepostet hatte.
Ich stehe nicht auf Frauen, zudem war sie in einer Beziehung mit einem netten Mann... Dieses Verhalten beim Kaffeeklatsch war absolut niveaulos.
Und was dann kam... 
Aber einer lesbischen Landrätin erzählen, dass diese Frau mich angemacht hat und sich nun rächt. das ging einfach gar nicht.

Ich wünsche Dir einen schönen Tag.
Anita

Willi P

@IndianSummer1952  

Da muss ich Dir Recht geben.

Muscari


Liebe Anita,

Nach diesem Erlebnis kann ich gut verstehen, dass die Wut in Dir noch immer vorhanden ist.
Manchmal verfolgt einen ein solcher Ärger ein Leben lang.
Versuche aber trotzdem, dieses wahnsinnige Ereignis trotz allem zu vergessen.
Und vor allem danke ich Dir, dass Du es hier erzählt hast.
Auch das mag hilfreich sein, alles zu verarbeiten.


Mit liebem Gruß von
Andrea

IndianSummer1952

@Muscari  

Liebe Andrea,

an die Dame und das Erlebnis denke ich nicht mehr oft. Es gibt halt Momente, da taucht der Gedanke daran wieder auf.

Vielleicht klingeln der Dame heute die Ohren, nein, nur das rechte Ohr, denn es ist ja nicht sehr positiv, war ich hier über sie erzähle. 😁

Sei lieb gegrüßt,
Anita

Rosi65

Liebe Anita,

nach solch einer Kette von dreisten Unverschämtheiten kann man nur schnellstens einen Anwalt (besser noch eine Anwältin) konsultieren, um sich juristischen Rat zu holen.

In meiner Berufstätigkeit bestand, für die Unterweisung und die Ausbildung von Jugendlichen, eine erweiterte polizeiliche Führungszeugnis-Pflicht! Und das sicher nicht ohne Grund, denn man musste in Bezug von kleinsten sexuellen oder gewalttätigen Auffälligkeiten eine schneeweiße Weste haben. In dieser Berufssparte ist die Gesetzgebung sehr streng.

Die gleiche Vorschrift dürfte dann, sowie in Deinem Fall, erst recht für eine Lehrerin gelten.
Der Anwalt hätte dann der Schulbehörde eine schriftliche Beschwerde mitteilen können. Hier bestand, zwischen den Zeilen nämlich der Verdacht, dass diese Lehrerin auch bei ihren Schülerinnen übergriffig werden könnte. Zusätzlich hätte man auch noch, wegen Verleumdung bei Deinem Arbeitgeber, mit einer Anzeige drohen können.
Und selbst wenn es seitens der Schulbehörde nur zu einer Anhörung gekommen wäre, dieser Person hättest Du damit sicher (verdiente) Unannehmlichkeiten bereiten können.

Herzliche Grüße
     Rosi65
 

IndianSummer1952

@Rosi65  

Liebe Rosi,

ob Du es glaubst oder nicht, an die Schülerinnen habe ich eigentlich nie gedacht, sie war eine Frau von ca. 50 Jahren mit erwachsenen Kindern, wie ich ja auch, ich vermutete eher Kolleginnen, wie die beiden Schulsekretärinnen, die anwesend waren.  Aber wir wissen es nicht... Möglich ist es schon.

Ein erweitertes polizeiliches Führungszeugnis musste ich auch vorlegen (Deutschland und Frankreich), als ich ehrenamtlich beim Kinderschutzbund gearbeitet habe.

Ich hätte keine Chance gehabt gegen diese Frau, auch ein Rechtsanwalt hätte mir nicht helfen können. Dann hätte ich so viel Druck von allen Seiten (Arbeitsstelle und Umfeld, ein winziger Ort, in dem Partner und seine Mutter geboren waren) bekommen, dass ich wahrscheinlich irgendwann freiwillig gegangen wäre. Ich hatte keinen Beweis in der Hand, gar keinen.

Mir ist da noch so eine Idee gekommen, nachdem ich die Geschichte aufgeschrieben habe. Ihr Partner muss doch etwas gemerkt haben. Ihr Verhalten war so auffällig, die Situation so extrem unangenehm. Entweder hat er es toleriert oder...man suchte eine zusätzliche Gespielin fürs Ehebett...

Das alles hat sich vor einigen Jahren abgespielt, die Zeiten haben sich auch inzwischen geändert.
Und das ist gut so!

Danke für Deinen lieben Kommentar und viele Grüße,
Anita

Rosi65

@IndianSummer1952  

Ähnliches, nur etwas anders gelagert, ist mir auch schon einmal in meinem Leben passiert,liebe Anita. Deshalb kann ich mich auch gut in diese Situation hineinversetzen. Man ist in solch einer Lage einfach nur noch fassungslos. Bin sicher, dieses Unrecht passiert ausgerechnet den Menschen, die immer hilfsbereit sind, den Schwächeren helfen und nie etwas Böses im Sinn haben. Sicher hattest Du damals keinerlei Unterstützung in Form eine Lobby.

Rosi65
 

IndianSummer1952

@Rosi65  

Oh ja, liebe Rosi, ich war absolut fassungslos. So etwas hatte ich nun wirklich nicht erwartet. Die gesamte Situation war absolut niveaulos. 
Ich mag Männer und das wird auch so bleiben!

Ich war damals so ungemein wütend wie selten in meinem Leben. 
Heute ist es abgehakt. 

Wir sind nicht allein mit dieser Erfahrung, es passiert etlichen Frauen und auch Männern. Nur die Rache ist nicht immer so bösartig wie ich es erleben musste. 

Viele Grüße
Anita





 


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