Eine schere Entscheidung


Eine schere Entscheidung

Es gibt Entscheidungen, die müssen sein und doch tragen wir sie
wie einen Rucksack immer mit uns rum.
Mir ergeht es jedenfalls so,
Im Jahr 2016 verstarb mein  Bruder. Nein, nicht einfach so........
Sein Leben hing an Kabeln und Schläuchen, sein Bewußtsein,
seine Seele war irgendwo. Es gelang nicht ihn aus dem Koma
zurückzuholen. Jedenfalls nicht mit medizinischen Mitteln.
Hoffnungslos, deutete man uns an,.

Am 3. Tag seiner Dunkelheit flüsterte ich ihm ins Ohr
( dazu muß ich sagen, daß wir Zeit unseres Lebens
eine sehr innige Beziehung hatten ) "   Geh nicht bitte,
wir wollten doch noch in den Garten gehen und uns
sonnen !....
Da kollerte eine Träne, ja ich hab es genau gesehen.
Fragte seinen auch anwesenden Sohn " Hast Du das
auch gesehen ?  "
" Ja, aber es ist nur ein Reflex. "   Das kann man so sehen
oder so sehen.
Es kollerte auch nie mehr wieder eine Träne.
Dann kam eine ganze Amarda von Ärzten, die legten uns
nahe,  zuzustimmen, die Geräte abzustellen. Da wär nichts
mehr zu retten,.  Nach reiflicher Überlegung, was der Bruder
selbst wohl wolle, sagte der Familienrat zu der Erlösung "JA".
Ich auch und es geschah am nächsten Tag.
Seitdem beschäftige ich mich sehr mit dem Hirntod. Es gibt gute
Literatur dazu. Nur Gegensätzliches löst Gegensätzliches aus.
Ich mache mir Gedanken, ob vielleicht doch oder doch.............
In einem Buch über Hirntod - Organspende las ich folgenden
Satz vonder Soziologin A. Manzei geschrieben in  der Tages-
Post vom4.9. 2012.

Seit 20 Jahren oder mehr wird den Menschen gesagt, dass es
sich bei Hirntoten um ganz normale Leichen handelt DaS
ist aber nicht der Fall. Um es einmal sehr einfach auszudrücken:
Leichenteile kann man nicht verpflanzen, Leichenteile 
würden den Empfänger vergiften. Verpflanzen kann man
nur Organe von einem lebenden Organismus."

Die - meine unsere Entscheidung - war die gegen das Leben?
Er war ja nicht freigegeben zur Transplantion. Aber Geräte
ausstellen ist ja auch schließlich ein Beenden,.

 


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Kommentare (12)

WurzelFlügel

triff mal diese Entscheidung: Geräte aus!

da ist jemand den du liebst, der im Koma liegt und die Ärzte versuchen dir klar zu machen, dass der Körper dieses geliebten Menschen nicht mehr klar kommt, ohne Schläuche, Kabel und...

Triff mal diese Entscheidung...

wieviel Liebe, wieviel Mut braucht es um zu sagen; ja stellt die Geräte ab.
Nur aus Liebe zu einem geliebten Menschen, nimmt man diese Last auf sich und die immer wiederkehrenden Zweifel, ob es wohl richtig war und den ganzen Schmerz...

Die "Natur" hätte dir diese Entscheidung erspart, die Medizin hat sie dir auferlegt...
bei allen Zweifeln, will ich es auch einmal von dieser Seite betrachten.

Du hast die Entscheidung getroffen, du lebst damit
was dir bleibt ist, der Dank deines Bruders!
Ich wünsche mir, dass meine Familie, in so einer Situation, den gleichen Mut aufbringt, wie du/ihr.

liebe Grüße
WurzelFlügel
 

Distel1fink7

Hallo WurzelFlügel
Hallo Seija
Hallo HeCaro
am besten allen ein liebes Hallo

Ich weiß,, dass das ein schweres Thema ist und sehr oft
taburisiert wird. Es ist ja auch ein schwieriges Thema.
Hier habe ich sehr viel Emphatie und Gedankenanregungen
bekommen.

UNd vllt. erkennt sich jemand wieder ? Auf jeden Fall kannich
nur Danke sagen.

Der doofe Distelfink muß fliegen lernen.
Grüße an alle

Seija

@WurzelFlügel  
Kann Dir nur zustimmen!
 

Vielleicht bedeutet Liebe auch lernen, jemanden gehen zu lassen,
wissen, wann es Abschied nehmen heißt.
Nicht zulassen, dass unsere Gefühle dem im Weg stehen,
was am Ende wahrscheinlich besser ist für die, die wir lieben.
Sergio Bambaren

HeCaro

Es ist eine, für uns Laien fast nicht zu beantwortende Frage. Und ob ja oder noch nicht gehört zu den schwersten Entscheidungen überhaupt. Und es ist auch einesehr persönliche, weil sie so endgültig ist. Es ist gut, eine Patientenverfügung zur Hand zu haben,  um sicher zu gehen was der Angehörige  für sich wollte. Dann ist die Entscheidung, wie immer sie ausfällt,  nach bestem Wissen und Gewissen erfolgt.
 
Ich habe eine Verfügung ausgefüllt und diese ausführlich  mit meinem Mann und meinem Sohn besprochen. Der Grund ist auch, dass ich die Beiden, sollte der Fall eintreten, nicht im Zweifel was zu tun ist, zurücklassen möchte.
 
Dass Du Dir Gedanken machst und alles noch einmal überdenkst und darüber grübelst, ist verständlich. Aber ich meine, es ist nun auch an der Zeit,  los zu lassen.Du irst ihn und die schönen Jahre mit ihm,immer in liebender Erinnerung behalten.

Liebe Grüße, Carola

Seija

Ja, das ist und war eine schwere Entscheidung - aber ich denke die richtige.
Dein  Bruder hatte wohl keine Chance  Lebensqualität zurückzubekommen.
Dann ist es eine Gnade, wenn man gehen kann.
Ich selber möchte dann auch gehen können, habe das so verfügt.
Organe können entnommen werden, soweit sie "verwertbar" sind.
Was sollen sie mir noch nützen?
Alles Gute
Seija

Distel1fink7

@Seija  
Hallo Seija,
danke für den Kommentar. Sicher war die Entscheidung
richtig, weil   er  immer Angst davor hatte, mal  behindert
zu sein. Sagt mein Kopf, mein Herz schmerzt und dreht
sich immer und immer um die Frage,was hat er gespürt,

Auch bei Transplantionen streiten sich die Gelehrten,
wann tritt der Tod ein und wann darf man "entnehmen".

Der Sohn meines Bruders sagte, was mir sehr imponiert
hat " Keinen rührt meinen Vater an !"

Und mein Bruder hatte immer Angst, dass der ihn nicht
liebt. Ja, so ist das mit uns Menschen..............

Einen lieben Gruß schickt Distel1fink7  Renate

werderanerin

Ich stelle mir solch eine Entscheidung, auch wenn man sie in der Familie fällt, unglaublich schwer vor...als Laie und Betroffener weiß man doch eh so wenig..., ist auf Ärzte angewiesen aber was ist RICHTIG...? Gibt es das überhaupt?

Ich denke, man sollte im Vorfeld all das klären aber wer macht dies schon... Bei Partnern mag das ja noch in der Verfügung festgezurrt sein aber wie ist es, wie bei dir..., mit Bruder/Schwester oder anderen Familienmitgliedern ?

Was ich denke ist, man sollte vielleicht wirklich mal hinterfragen, was wäre im "Fall des Falles" aber würde ich das selbst tun...ich denke eher nein...❓ 

Ein ganz schwieriges Thema und ehrlich, ich wünsche dir von Herzen die Kraft, eure Entscheidung letztlich zu akzeptieren, weil sonst wird man wohl kein "normales", eigenes Leben mehr führen können !!!

Kristine

Distel1fink7

@werderanerin  
Hallo kristine,,

danke für den einfühsamen Kommentar, tut gut.
M;ein Bruder und ich waren jeden Tag zusammen,
fällten je de Entscheidung, teilten Glück und Leid.
Beide hatten wir unseren Partner verloren. Er
schrieb mir Briefe, die nach seinem Tod Gültigkeit
haben sollten. Wir hatten eine gemeinsame Geschichte.

Ich war die, die das letzte Wort sprechen mußte.
"JA" oder "NEIN" 

Nein, Zeit heilt nicht alle Wunden,. Ich finde jetzt
nach 3 Jahren noch seine Zettelchen.

Und trotzdem jeden Tag geht die Sonne auf.

Dir viel Sonnenschein in Deinem Leben
Renate Distel1fink7

Bücherwurm

Misstrauen ist leider immer angebracht. Wird ein Mensch vorzeitig für tot erklärt, weil seine Organe benötigt werden? Und überhaupt: Wann genau ist ein Mensch tot? Niemand kann diese Frage genau beantworten.
Vielleicht interessiert es dich:

https://www.swr.de/swr2/wissen/hirntod-ein-umstrittenes-konzept,broadcastcontrib-swr-19840.html

Ich kenne zwar nicht die näheren gesundheitlichen Infos zu deinem Bruder, nur denke ich, dass ein Lebenserhalt um jeden Preis Qual für den Patienten und die Angehörigen bedeuten kann.

Liebe Grüße
Gitti

Distel1fink7

@Bücherwurm  
Hallo Gitti, ich danke für den interessanten  Artikel.
Der deckt sich so ziemlich m,it dem Buch
Zwischen den Welten von Adrian Owen

( Neurowissenschaftler erforscht die Grauzone
zwischen Leben und  )

Dem
stimme ich zu, dass sich ein total behindertes Weiterleben
von dem, Betroffenen gar nicht gewünscht wird. Mein
Bruder würde das nicht wollen, hat er oft genug gesagt.
Nur, fälle mal die Entscheidung " Geräte aus ".

Und bei einer Transplantion werden  alle Schmerz- oder/und
Beruhigungsmittel vorher abgesetzt. 
"WARUM" ?

Liebe Grüße von Renate Distel1fink7
 

Manfred36


Das vieldiskutierte Thema. Das Leben an sich und seine Würde.
Ich bin anderer Meinung. Das Leben ist auf natürliche Vergänglichkeit ausgelegt. Ein letzter, künstlich erhaltener Funke ist kein Leben mehr. Ich habe in meiner Patientenverfügung festgelegt, dass man man mich sterben lassen, wenn es irgendwie möglich erscheint auch Sterbehilfe leisten soll. Als Krebspatient in einem letzten Stadium weiß, wovon ich rede. Meine Kinder wissen das auch und wären auch bereit, mit mir in die Schweiz zu fahren; aber das ist auch wieder ein unangemessener, überzogener Aufwand.  
Meine Spenderverfügung besteht noch, ist aber nicht mehr von Belang.
 

Distel1fink7

@Manfred36  
Hallo Manfred,

in Bezug Sterbehilfe stimme ich Dir zu, sofern der Betroffene
klar und deutlich seine Meinung dazu zur Kenntnis gebracht
hat.
Ich habe das auch getan. Ich kann es aber auch rükgängig
machen. Ich habe 8 Jahre ehrenamtlich ( also nicht so kompetent
wie die Ärzte und Krankenschwestern) in einem Hospiz gearbeitet.

Ich habe das Erlöschen der Kämpfe ums Leben gesehen,
meistens ( nur meistens ) ging das ganz friedlich.

Bei meinem Mann war das auch so. Er war zu Hause nur mit
mir. Ich wachte tags und nachts. Obwohl er schlief bemerkte
ich die Veränderung die das Sterben einleitet.Es war friedlich.
Auch er hätte Sterbehilfe gewollt.

Ehe man in die Sterbehilfe geht, ich hab mir eine Schweizer
Adresse rausgesucht, geb der Natur eine Chance, Die holt Dich!

Ich wünsche Dir noch viel Zeit
Renate Distel1fink7


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