Eine wahre Geschichte, passend zur Karwoche


Eine wahre Geschichte, passend zur Karwoche

Es geschah schon vor vielen Jahren. Ich hatte eine sehr beeindruckende Begegnung  vor der Kathedrale in Santiago de Compostela, die mich bis heute noch nicht wieder losgelassen hat und sich nun erneut in mein Gedächtnis schlich. 

Ich war mit einer Pilgergruppe gekommen, wir sind nach Porto geflogen und machten Halt bei verschiedenen Stationen und Sehenswürdigkeiten, u.a. natürlich auch in Fatima, wo die Gottesmutter den drei Hirtenkindern erschienen ist.  Das war eines unserer Hauptziele, das wir anschließend besuchen wollten.

Dann sind wir weiter mit dem Bus nach Santiago de Compostela gefahren zur Kathedrale des Hl. Apostel Jakobus. Vor der Kirche angekommen,- es waren sehr viele Menschen dort, die sich alle durcheinander in verschiedenen Sprachen, unterhielten-, fiel mir schon von weitem sofort ein junger Mann auf, der sehr krank und zerbrechlich wirkte. Er sah mich an und versuchte, seinen Arm mit letzter Kraft, wie ich fand, anzuheben um mich heranzuwinken.
Ich ging ohne zu zögern schnurstracks auf ihn zu und als ich ihm Nahe war, hatte ich das Gefühl, daß er gleich sterben würde. Er war so schwach, sein schmales, trotzdem noch sehr schönes Gesicht war aschfahl und ich hörte mich nur sagen, "kann ich ihnen irgendwie helfen,  ich sehe, es geht ihnen nicht gut oder brauchen sie Money?
Ich fühlte mich so schrecklich hilflos, wußte überhaupt nicht was ich machen sollte. Mein Mitleid mit diesem armen so zerbrechlich wirkenden Menschen war grenzenlos. Es müssen mehrere Minuten vergangen sein, ich weiß es nicht; aber ich kam fast nicht mehr los. Die Situation hat mich total überfordert.

Plötzlich rief mein Mann aus irgendeiner Menschenmasse heraus, "Komm jetzt".  Er hatte wohl bemerkt, daß ich nicht mehr da war und suchte mich nun. Die anderen unserer Gruppe waren längst in der Kathedrale, die Hl. Messe hatte auch schon angefangen. Da mußte ich jetzt auch hin; aber ich hatte überhaupt keine Ruhe bzw. Andacht, ich mußte ständig an diesen schwerstkranken, jungen Mann, draußen vor der Kathedrale denken. Er braucht doch Hilfe fuhr es mir ständig durch den Kopf. Selbst bei der Verehrung der Reliquien des Hl. Jakobus, -man umarmt und küsst die Statue, die sich hinter dem Hochaltar befindet-,  konnte ich keinen klaren Gedanken fassen.

Endlich war der Gottesdienst vorbei und ich ging so schnell ich konnte aus der Kathedrale, um nach dem jungen Mann Ausschau zu halten. Gottseidank fand ich ihn, er war noch da, an einer etwas anderen Stelle. Er hatte sich wieder auf die Steintreppe gesetzt und versuchte aufzustehen, als ich kam. Sein Blick war ausschließlich auf mich gerichtet. Er wollte mir dringend etwas mitteilen; aber er konnte nicht. Wahrscheinlich hätten wir uns auch nicht verständigen können. Ich spreche kein spanisch, er sicher kein deutsch und auf english funktionierte es ebenfalls nicht.

Und leider war diese zweite Begegnung auch nicht länger als die Erste, denn mein Mann kam schon wieder um mich wegzuholen. Schweren Herzens mußte ich gehen, denn unsere Gruppe war schon dabei in den Bus zu steigen. Gleich war Abfahrt. Es hat mich noch lange verfolgt und ich mußte mich ständig fragen, wer war dieser Mensch und was wollte er von mir. Hatte er vielleicht eine Botschaft oder einen Auftrag für mich, den ich hätte für ihn erfüllen müssen. Ja, ich werde es wohl nie erfahren.
Ich denke, es ist eine Geschichte, die zu Karfreitag paßt. Vielleicht mag sie ja jemand lesen.

Anabell23      Uscha
 

 


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Kommentare (6)

Syrdal


Es gibt im Leben Begegnungen, die deutlich „sagen“:
Schau genau hin und tu das, was dir in diesem Moment möglich ist. Und sei es „nur“ Aufmerksamkeit und ein freundliches Lächeln...

Liebe Grüße
Syrdal
 

Anabell23

@Syrdal    Ja, genauso habe ich es empfunden. Es war eine Begegnung, die mich so sehr berührte und die ich nie hätte ignorieren und weitergehen können. Ich hätte zu gerne geholfen, irgendwie; aber die Zeit drängte, ich konnte nicht länger bleiben, da die Reise weiterging.

Es war ein Jammer. Mein Gedanke war, dieser junge Mann könnte evtl.
an Aids im Endstadium leiden und er bräuchte dringendst einen Menschen, vielleicht auch nur eine Schulter, an die er sich anlehnen könnte. Mir war es nicht vergönnt, diese Hilfe geben zu dürfen.

Ich danke Dir für Deinen Kommentar lieber Syrdal, bleibe gesund und
ich wünsche Dir frohe und erholsame Ostertage.
Liebe Grüße Anabell23    Uscha

Anabell23

Ich bedanke mich bei Arni für" gefällt dein Beitrag" mit einem 💗  und
wünsche ihm ein frohes Osterfest.

Liebe Grüße
Anabell23

Arni

@Anabell23

Danke, und auch für Dich
ein frohes Osterfest.

Herzliche Grüße
Arni

ladybird

Liebe Uscha,
Du hast in einer spannenden Geschichte, von einer sehr spannenden Begegnung erzählt, fast ein bisschen unheimlich, denn ich spürte tatsächlich Gänsehaut....daran kannst Du sehen, wie weit und wie tief Dein Erlebnis reicht? Ja, natürlich hätte ich auch gerne gewußt, welche Bedeutung dahinter steckte. Auch ich werde es nie erfahren, aber bestimmt nie vergessen.
Ja, es paßt zu Karfreitag
mit Grüßen zum Osterfest dankt Dir
herzlichst
ladybird-Renate

Anabell23

 @ladybird  Hallo Renate,

nach mehreren Woche Pause ist mir mal wieder eine genauso erlebte
Geschichte eingefallen. Sie hat mich damals sehr berührt und tut es zuweilen heute noch. Allerdings denke ich nicht mehr so oft daran, nur
gelegentlich spukt es mir erneut im Kopf herum. Besonders auch an einem Karfreitag, wie heute.
Wie ich sehe, hat sie Dich auch berührt und nicht kalt gelassen. 
Ja, es war schrecklich, diesen ausgemergelten und schwachen jungen
Mann sehen zu müssen und ihm in keinster Weise helfen zu können.
Die Zeit des Verweilens war einfach zu kurz, ich mußte mit meiner Gruppe
weiterreisen.
Ein schlechtes Gewissen habe ich deshalb nicht; aber es beschäftigt mich nach all den Jahren immer noch, ob er wohl verstorben oder was aus ihm geworden ist.
Ich wünsche Dir ebenfalls ein frohes Osterfest, danke Dir für Deinen Kommentar und sende Dir herzliche Grüße
Uscha

 


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