Erdendasein – Erdenleben (mit eingängigem Motto)


Motto bei Kurt Vonnegut (1922-2007, US):        
We are here on earth to fart around.        
Don't let anybody        
tell you any different.        
In der Übersetzung von Harry Rowohlt:        
Wir sind hier auf Erden, um herumzufurzen.        
Lasst euch bloß von niemandem        
was anderes erzählen.        
 
Erdendasein – Erdenleben
 
Fühlt ihr wirklich das Erbeben,
wenn man euch vom reinen Weine schenkt?
Meint ihr, eigenes Erleben
hätte anderswo euch hingelenkt?
 
Wollt Bedeutendes erschaffen,
das noch lange weiter fortbesteht?
Oder gebt ihr nur den Affen,
der von jedem Wind leicht umgeweht?
 
Wahrlich kurz ist hier auf Erden
die nur einmal uns bemessne Zeit;
ehe wir des innewerden,
ist die Abberufung schon so weit.
 
Soll man uns doch nicht erzählen,
dass wir mitbestimmten jenen Takt,
den zum Maßstab wir dann wählen –
sind wir ja in Wirklichkeit stets nackt.
 
© elbwolf (Wolfgang H., 23.02.2019)

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Anmerkung
Die vier Strophen sind nicht nur in trochäischen Versen mit wechselnder Kadenz geschrieben – sie haben unterschiedliche Anzahl von Versfüßen. Die a-Verse (1+3) sind vollständige Vierfüßler, die b-Verse (2+4) dagegen unvollständige Fünffüßler. Ich füge unten die letzte Strophe in der Form mit durchgängigen Fünffüßlern hinzu und finde, dass sie sich deutlich anders liest als die im Gedicht.
In den Verslehren habe ich dazu nichts finden können.
 
Soll man uns nichts anderes erzählen,  
dass wir mitbestimmten jenen Takt   
den wir dann bewusst zum Maßstab wählen – 
sind wir ja in Wirklichkeit stets nackt.  
~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~
Von hier aus ist anklickbar:
die Liste-3 nicht-illustrierter Gedichte 51-75 ,
zu der dieses Gedicht gehört. Dort sind dann anklickbar:
jedes Gedicht dieser Liste oder eine von 4-6 Listen mit anderen Gedichten.


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Kommentare (6)

lillii

Nur noch...

Recht gedacht, dass nackt beginnt das Leben;
wie es weiter geht -  steht in den Sternen.
Ewigkeiten haben wir zu lernen,
wir, die nach Erkenntnis ewig streben.

Was ist wichtig, was ist zu beachten?
Muss ich schaffen, dass man auf mich sieht?
jeder mich nun liebt, gar vor mir  flieht ?
Lohnend ist es, dieses zu betrachten.

Bin ich einmal nicht mehr auf der Welt,
kräht nach mir kein Hahn mehr, bin vergessen;
bin darum auf Ansehn nicht versessen.
Lebe m Moment und dies nur zählt.

Wirklich ist, dass einmal kommt mein Ende,
Niemand kennt den Tag noch jene Stunde;
wenn ich breche auf zur letzten Runde -
und ich werde sein, nur noch Legende.


© lillii (Luzie-R)

 

lillii

haha...

dass ein Elbwolf mal baff ist, das ist ein einmaliges Erlebnis..Donnerwetter ...!

dazu:

Nun sind wir schon zwei, die nicht genau wissen, ob wir - wie ein scharfer Lit-Kritiker gemeint hatte - uns damit "der Lyrik ehrfurchtsvoll zu nähern gesucht oder sie als Hure zur Dienstleitung gezwungen" haben.

ich würde sagen:beides!! Unschuldig

erfurchtsvoll grüßt Luzie

elbwolf

Gibst die "Grande Dame", Luzie,
die über den Dingen steht ... grüßt "uns beide Kontrahenten" aber ehrfurchtsvoll!? Das geht dann auch in Ordnung ... 

Aber ehrlich: Manfred hat in nur einer einzigen Stunde mein Räsonieren an der fraglichen Metrik wertend aufgenommen und im absolut gleichen Stil geantwortet (ich habe fast einen Tag gebraucht, mich durchzuringen, weil ich nirgendwo eine klare Aussage fand, nicht einmal beim Stummer). Man wird sich also achtgeben müssen, damit einen Manfred künftig nicht genüsslich "vorführt"!

Schönes Wochenende - Wolfgang

lillii

da staunst Du ..

Manfred lernt schon durch Anschauen, das habe ich schon eher bemerkt und dann kniet er sich rein,

und,
ich glaube .. es macht ihm sogar Spaß und das freut mich sehr.

Gruß an euch Beide.
Luzie

Manfred36


Nackter Mensch und nur noch Fürze,
nein, so fühle ich mich wirklich nicht.
Selbst wenn ich auch manchmal stürze,
weil mir einfach fehlt das Gleichgewicht.

Mensch und Leiden werden älter
und bestimmt nicht „heiler“ mit der Zeit.
Der Verfall fordert „Gehälter“,
Medizin soll leben alle Zeit.

Und der '“Sportsgeist“ gegenüber
kommt mir nicht als „Mutmacher“ daher.
Eher gibt’s da Nasenstüber,
wenn bei mir mal etwas läuft verquer.

Doch ich bin nun abgefunden,
dass ich lesen, nicht mehr schreiben kann.
Sagt doch jeder unumwunden:
So ein Humbug, Manfred, Mann – o -Mann.
 

elbwolf

Mon cher,
Du willst also gleich einer (hier sogar: der erste) sein, der mir im Vonnegut&Rowohlt'schen Sinne "was anderes" erzählt? Wie schade, dass beide bereits verblichen sind, sonst könnte ich Dich unmittelbar an sie weiterreichen ... besonders der sarkastische H.R. hätte Dich vielleicht liebend gerne in der Luft zerrissen.

Allerdings: in einer Sache bin ich baff!
Du hast Dir den Spaß gemacht, ein Antwortgedicht absolut genau in DER Metrik zu schreiben, die ich selber oben gewählt und über die ich in der abschließenden Anmerkung ein wenig räsoniert hatte. Nun sind wir schon zwei, die nicht genau wissen, ob wir - wie ein scharfer Lit-Kritiker gemeint hatte - uns damit "der Lyrik ehrfurchtsvoll zu nähern gesucht oder sie als Hure zur Dienstleistung gezwungen" haben.

Und nun mache Dir ein schönes Wochenende und denke noch einmal über alles nach - solltest Du evtl. zu Änderungen neigen, brauchtest die diese auch nicht unbedingt erneut in Verse zu kleiden - Prosa genügte.
elbwolf


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