Erinnerungen an Kuriositäten


Erinnerungen an Kuriositäten

Der Winter bringt manchmal schon seltsame Erscheinungen. Aber auch die Menschen scheuen sich nicht, Pflanzen mit Gedankenlosigkeit fast ihrer Lebensgrundlagen zu berauben.

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Am Teich unseres Schiffmodellbauklubs meines vorherigen Wohnortes hatten die Besitzer der nicht mehr benutzten Mühle auf dem zur Terrasse umfunktionierten Garagendach der darunter liegenden Garagen zwei Tannen gepflanzt.

Die Verwalterin, die lange dort im zugehörigen Wohnhaus gelebt hatte, verstarb. Die Besitzer des Gutes und der Mühle kümmerten sich nur wenig, waren in Steueroasen gezogen und hatten so peu á peu Teile der großen Gutes verkauft. Dem Hofpächter und Bauern war zum Herbst 2014 gekündigt worden, so dass dort niemand mehr auf die Hofgebäude und die Mühle achtete.

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Das Gut lag brach. Besuche der Besitzer und ihrer Nachkommen auf dem Heimatgut wurden immer seltener. Und so begann der Verfall des Gutes, die Tannen wuchsen trotz wenig Erde immer weiter in die Höhe! Manchmal sieht man ja auch auf Dächern maroder Hausruinen Gebüsch und Grünzeug, aber hohe Tannen?

Irgendwann erfuhr ich von den Nachkommen des Besitzers der Mühle, dass sie an den Gebäuden und der Mühle nichts erneuern oder reparieren durften, denn inzwischen war alles nach und nach verkauft worden an eine sehr bekannte große Firma in Deutschland, die ihren Verwaltungssitz in den Niederlanden hat, nur darauf wartet, dass der immer noch große Landbesitz in meiner damaligen Stadt zu einer Freizeiteinrichtung großzügigster Art umgebaut werden sollte. Doch so viel ich weiß, hat die Stadt bis heute dem Vorhaben nicht zugestimmt, weil sie diesen Grüngürtel erhalten möchte. Und so kümmern die hohen Tannen auf der Garagenterrasse wohl immer noch vor sich hin, tragen sogar die manchmal doch recht hohe Last des Winterschnees, bis ein Sturm sie irgendwann vielleicht auf den Weg an den Garagen vorbei stürzen lässt.

Ob der Durchfluss des Mühlenteichwassers noch in Ordnug ist? Vielleicht bleiben die umgestürzten Tannen ja auch dort liegen. Der Gutshof wie auch die Mühle verfallen. Für den Mühlenteich sorgt gewissenhaft immer noch der Klub, weil dort die selbst gebauten Bötchen der wenigen Mitglieder fahren dürfen, solange der Teich mit seinen Zu- und Abflüssen in Ordnung gehalten wird.

Der Weg über dieses Gelände an der ehemaligen Mühle ist sowieso inzwischen für die Bevölkerung gesperrt, weil die Mühle seit Jahren schon ein beliebter geheimer Treffpunkt Jugendlicher ist, die auch in den verfallenden Gutshof sowie das zerfallende Wohngebäude der Mühle eingedrungen sind. Die interessiert die Absperrung eh nicht, wenn sie ein windgeschütztes Plätzchen in einer Ruine für ihre Treffen, wo man auch noch ein wärmendes Feuerchen in der Ruine unentdeckt machen kann, mit verschiedenen Möglichkeiten zur Flucht bei Polizeikontrollen gefunden haben. Die Holländer erfahren so etwas eh nicht und wenn – wen interessiert das?
 

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Kommentare (3)

nnamttor44

Danke für die zustimmenden 💕 von Manfred 36
Andrea/Muscari
Edit
2 x Angelika/Tulpenblüte
sagt Euch Uschi

Tulpenbluete13

Liebe Uschi,

Deine Mühle ist ein Beispiel von vielen. Es gibt in jedem Ort mindestens ein Gebäude- meistens mit dazugehörendem Grundstück das verfällt. Oft können sich die Erben nicht einigen und so ist das Objekt dem Verfall preisgegeben. Schade eigentlich. Ich frage mich auch manchmal wieso  da die Stadt oder der Landkreis nichts unternimmt...
Interessant Dein Artikel mit Fotos.

Lieben Gruß
Angelika

nnamttor44

@Tulpenbluete13 

Ich weiß, liebe Angelika, welch große Firma in diesem Fall dahinter steckt. Die haben für solche Grundstücke extra eine Immobilienfirma gegründet. Aber so lange die entsprechende Stadt sich weigert, aus dem bäuerliche Grüngürtel eine bebaute Fläche für Extra-Reiche machen zu lassen, wird das in dieser Stadt wohl bei den Ruinen, die von Randalierern weiter zerstört werden wird, so liegen bleiben.

Klar gibt es überall solche Ruinen. Aber hier geht es wie zumeist darum, wer letzte Endes das meiste Geld damit mache wird. Eine traurige Einstellung ... Der Ex-Besitzer hat die Verkaufserlöse auf den Kopf gehauen, der Geldgeber hat sich damit das Recht erworben, den eigentlichen Erben spezielle Verbote zu erteilen. Traurig!

Ich habe die Fotos so gewählt, dass nur die neuen und alten Besitzer - sollten sie diesen Blog lesen, wovon ich eher nicht ausgehe - vielleicht etwas erkennen könnten. Ich besitze noch andere eigene Fotos dazu, die ich natürlich nicht veröffentliche ... Ich bin mir sehr sicher, dass die eigentliche, bereits verstorbene Besitzerin von den Herren ihrer Generation plump überfahren wurde. Diese Situation hätte sie nicht gewollt. Es war doch ihr geliebtes Kinder-, Jugendzuhause. Sie kam zu ihren Lebzeiten oft genug auf ihr Gut, besuchte das Klubgelände und die Tochter mit ihrem Mann ließ sich auch gern mal von mir zu einem privaten Besuch bei mir zuhause einladen. Auch die Zwei waren traurig über die Entwicklung des Gutes ... Ändern durfte sie nichts.

Lieben Gruß von
Uschi


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