Erinnerungen, schöne alte Gedichte !


Erinnerungen, schöne alte Gedichte !

christkind.

Denkt euch, ich habe das Christkind gesehen!
Es kam aus dem Walde, das Mützchen voll Schnee,
mit rot gefrorenem Näschen.
Die kleinen Hände taten ihm weh,
denn es trug einen Sack, der war gar schwer,
schleppte und polterte hinter ihm her.

Was drin war, möchtet ihr wissen?
Ihre Naseweise, ihr Schelmenpack -
denkt ihr, er wäre offen der Sack?
Zugebunden bis oben hin!
Doch war gewiss etwas Schönes drin!
Es roch so nach Äpfeln und Nüssen!

Knecht-Ruprecht.

Von drauß', vom Walde komm´ ich her;
Ich muss euch sagen, es weihnachtet sehr.
All-überall auf den Tannenspitzen
sah ich goldene Lichtlein blitzen.
Und droben aus dem Himmelstor
sah mit großen Augen das Christkind hervor.
Und wie ich so strolcht´ durch den finstern Tann,
da rief´s mich mit heller Stimme an:

"Knecht Ruprecht", rief es, "alter Gesell,
hebe die Beine und spute dich schnell!
Die Kerzen fangen zu brennen an,
das Himmelstor ist aufgetan,
Alte und Junge sollen nun
von der Jagd des Lebens einmal ruhn:
und morgen flieg´ ich hinab zur Erden,
denn es soll wieder Weihnachten werden!"


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Kommentare (1)

Syrdal

Schöne Erinnerung an diese stimmungsvollen Weihnachtsgedichte aus früherer Zeit. „Christkind“ von Anna Ritter ist bereits hundert Jahre alt und noch einige Jahre älter dürfte Theodor Storms „Knecht Ruprecht“ sein, das wir in der zweiten Klasse auswenig gelernt haben, allerdings auch nur den ersten Teil, der hier aufgeführt ist. – Später dann bekamen meine Kinder große glänzende Augen, wenn ich es ihnen in der Adventszeit beim Schein der Kerzen vorgetragen habe...
 
Für diese schöne Erinnerung dankt
mit heiterem Adventsgruß
Syrdal


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