Erinnerungen und Konsequenzen


Erinnerungen und Konsequenzen

Als kleines Mädchen unter 5 Jahren erzählten sie mir die Geschichte vom Christkindchen. Wie es kommt, mit Glöckchen und Engelsgesang und uns Geschenke bringt. Ich schrieb auch vorab eine Wunschliste und legte sie vors Fenster, damit die Engelein es abholen und dem Christkind übergeben. 

Später habe ich erfahren, dass das alles gar nicht stimmt. Gelogen. Meine Mutter hatte mir nicht die Wahrheit gesagt. Ja, das war ein Schock für mich. Wem konnte ich noch vertrauen? In mir stürzte eine Welt zusammen. Das hat mich geprägt. 

Ich stelle mir viele Fragen zu Weihnachten. 
- Müsste das Christuskind nicht in uns geboren werden und wachsen? 
- Wenn es jedes Jahr neu geboren wird, so wie es das Christentum feiert, wo bleibt die Entwicklung? 
- Ist das nicht ein Drehen im Kreis?
- Dieser Konsumzwang, was macht der für einen Sinn? Diese Hektik? 
- Das Fest der Liebe. Nur über Konsum?
- Meist alles nur Schein?

Das geht doch alles am eigentlichen tieferen Sinn von Weihnachten vorbei. 

Die Musik in der Mitternachtsmesse hat mich entlöhnt. Ich liebte Orgel-,  Geigen-  und Flötengesang. Das war für mich Weihnachten. 

                


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Kommentare (8)

Agathe

@keyly
@KarinIlona
@Jutta
Eure Kommentare haben mich sehr gefreut. Dafür sage ich euch danke!

Dass meine Reaktion so nachhaltig ausgefallen ist, wurde mir erst im Nachhinein bewusst. Als ich selbst Kinder hatte, wusste ich, dass ich Weihnachten nicht auf diese Weise feiern wollte. Ich habe sie eingebunden in die Gestaltung des Weihnachtsfestes. 

Gegen Märchen habe ich eigentlich nichts. Gegen Scheinwelten hingegen schon.

Ich wünsche euch von Herzen eine schöne Zeit, mit herzlichen Grüssen
Agathe 

 

keyly

@Agathe

Hallo Agathe!

Danke für deine Antwort, die allerdings für mich die Frage aufwirft, was heißt "in die Gestaltung des Weihnachtsfestes einbinden" bei kleinen Kindern?
Sollte es mit religiösem Tun zusammenhängen, wären die Kleinen sicher überfordert.

Ich lernte kürzlich eine heute 27jährige Türkin kennen, die mir erzählte, dass sie auf Grund ihres Glaubens natürlich Weihnachten nicht feiert, aber ihre Eltern das einige Jahre für ihre 4, damals noch kleinen Kinder, zu Hause doch so gestalteten, wie es bei uns üblich ist. Einzig, damit sich die Kinder nicht anders oder gar ausgestoßen fühlten.
Eine großartige Familie, die mittlerweile in Europa verstreut ist, aber heute noch das Geschenk ihrer Eltern hoch schätzt.

Auch diesen Gedanken in Überlegungen einzubringen, wäre nicht falsch.
Der Vater, natürlich Moslem, hatte es teilweise bei seinen Glaubensbrüdern deshalb nicht leicht, aber er ließ sich nicht beirren.
Das nenne ich ein wirklich weihnachtliches Geschenk.

Ich kenne diesen Mann nicht, aber er hat meine größte Hochachtung.

Liebe Grüße   Lydia 

Agathe

@keyly  

Liebe Lydia
nein, das hing nicht mit Religion zusammen. 
Ich ging mit den Kindern den Christbaum auswählen, wir schmücken ihn zusammen. Alle wussten, wo die Geschenke sind, welches Päckchen für wen ist. Sie wussten auch, von wem sie kommen. 
Es war nichts Aussergewöhnliches, aber einfach nicht geheim. 

Alles gut? 
Liebe Grüsse, Agathe 


 

keyly

@Agathe  

Hallo Agathe!

 Natürlich alles gut; eigentlich nur ein Gedankenaustausch!

Jeder verhält sich nach seinen persönlichen Erfahrungen, die speziell in  der Kindheit prägen.

Ich erlitt solche Verluste in den 4 Jahren meiner Klosterschulzeit, habe aber auch von dort 2 sehr unterschiedliche Menschen bis heute gerne in Erinnerung behalten. 

Wie auch immer du den Advent begehst, ich wünsche dir und deiner Familie wunderschöne Tage bis zum Weihnachtsfest.

2019, Dezember, Frauerl, Amica und Adventkranz.JPG

Liebe Grüße  Lydia mit Amica



 

Agathe

@keyly  
Ja, es ist so. Immer wieder erleben wir einschneidende Momente.
Plötzlich und unverhofft.

Auch ich wünsche dir eine gute Zeit
und .- vielen Dank auch für das schöne Föteli mit dir und  Amica

keyly

Hallo Agathe!

Es ist schade, dass der "Verlust des Christkinds" bei dir eine Enttäuschung hinterlassen hat, in den meisten Fällen kommen die Kinder langsam selbst dahinter, ohne den geringsten Schaden zu nehmen.
Ich denke heute noch mit einem Lächeln daran, dass ich am Heiligen Abend offenbar immer zu langsam ins Zimmer kam, weil die Engerln gerade eiligst beim Fenster hinausgeflogen waren, wie meine Eltern mir berichteten. So eilig, dass sogar noch Engelshaar an der Mauer hängen geblieben war, das ich entzückt bestaunte und befühlte.

Meiner Meinung nach wäre es zutiefst schade, würde man Kindern sämtliche Illusionen rauben, auch würde es wahrscheinlich die Entwicklung der Phantasie hemmen, gäbe es keine Engerln, Zwerge, Feen, Prinzessinnen, Prinzen, hilfreiche Tiere, Zauberer und noch so viel mehr.
Die meisten Träume verfliegen irgendwann, meist auch die Verliebtheit. Aber wie schön, dass man sie erlebt hat.

Auch mit dem Anwachsen des Wissens müssen immer wieder einstige Vorstellungen weichen,  dafür erhält man eine völlig neue Betrachtungsweise, manchmal positiv, manchmal negativ, aber wie ein Schmetterling wächst auch der Mensch aus seiner zu klein gewordenen Haut heraus.

Gerade die heutige Zeit bietet laufend weniger für aufgeregte Kinderherzen. Wenn ich die leuchtenden Augen und die offen stehenden Mündchen sehe, ist es schwer für mich zu glauben, man sollte dies alles besser unterlassen.

Liebe Grüße  Lydia

KarinIlona

Da gibt es noch so ein Märchen, dass der Klapperstorch im Tuch die Babys bringt. 
Ich war Einzelkind, mich hat das "Thema" nicht so berührt, aber sicher gab es auf dieser Strecke auch im Nachhinein das Gefühl, belogen worden zu sein, oder?
Aber vielleicht war die Enttäuschung nicht bei allen Kindern so groß, wenn es denn ein "schönes Märchen" war. 
 

Jutta

Liebe Agathe,

Ich habe eine ähnliche Geschichte und verstehe, was in dir vorging und -geht.
Eines Tages gingen meine Mutter mit mir und meiner Taufpatin in ein grosses Kaufhaus, wo links und rechts eine Puppe nach dem anderen ausgestellt war, eine schöner als die andere. Ich kuckte nur, denn mich interessierten sie nicht sehr. Aber meine Mutter und ihre Schwester (Taufpatin) drängten mich zu sagen, welche Puppe mir denn am besten gefallen würde. Plötzlich war mir klar, warum die beiden Frauen mich so löcherten und sagte dann halt ja, als sie mir ein Exemplar zeigten.
Siehe da, die Puppe lag unter dem Weihnachtsbaum! Und zuvor bemerkte ich auch noch, dass es gar kein Engel war, der das Glöcklein klingeln liess..........nix da von wegen Christkind!!!

Liebe Grüsse
Jutta


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