….Wie ein Gewitterguss, wie ein Vogelschwarm, wie ein anschwellendes Meeresrauschen brechen sie über uns herein, Bilder, Stimmen, Szenen, Farben, Gerüche von früher, sorgsam gehegt oder aus tiefster Seele stürzend. Ereignisse der Kindheit, aus Schule oder Ausbildung, von erster Liebe und erster Enttäuschung, von einem Beinbruch beim Skifahren, vom Tod der Eltern oder eines Kindes.
….Es kann weh tun wie beim ersten Mal, oder es huscht im Gegenteil sogar ein Lächeln über´s Gesicht. Ja, so war das früher. Egal, war es wirklich so? Teils stand uns die Welt offen, teils waren wir zutiefst verzweifelt, im Grunde ganz ähnlich wie heute, und doch war alles ganz anders. Und wir mittendrin in einem Spiel, dessen Regie andere führten oder wo wir zum ersten Mal selbst eine Entscheidung trafen.
….Immerhin gibt es deutlich Übereinstimmungen: Gesichtszüge, Kleidungsstil, Sprache. Und gleichzeitig wirkt das Erlebte etwas fremd.
….Ein Paradies damals? Die Hölle? Eher langweilig? Unsere Erinnerungen, gewollt oder ungewollt wir selbst.


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Kommentare (9)

chris33

Belastende  erinnerungen   aus meiner schulzeit haben spuren für meine ewigkeit hinterlasssen.
verhasste lehrerinnen, die mich ( ob  ich wollte  oder nicht) ein leben lang  begleitet haben...

all die jahre, die ich im nachhinein als noch "schlimmer" empfinde, als damals , als  ich   eine 15 - jährige schülerin war.

später , bis heute eigentlich,  hat "meine innere stimme"  diese  lehrerfrauen  (frauenoberschule 😁😁) dann als naziweiber beschimpft ( waren  viele wohl auch zu der zeit), andere gab's  noch nicht.






 

silesio

@chris33
Ach ja, die Schulzeit, ein unerschöpflicher Brunnen für Erinnerungen.
Gott sei Dank, nicht nur schlechte. Ich habe von meinen Schülern erstaunlich viele positive Rückmeldungen gehört und gelesen.
Ehrlich!
Und ich habe ja auch an meine eigene Schulzeit ein paar gute Erinnerungen

Roxanna

Heute erinnere ich mich an meinen Vater, der am 3.9.1895 in Alt Schalkowitz in Oberschlesien geboren wurde. Später hatte er als Konditormeister ein Cafe in Ratibor betrieben. Ich erinnere mich und spüre heute noch seinen Schmerz über den Verlust der Heimat.

Früher gab es am 3.9. immer ein großes Geburtstagsfest, an dem sich die ganze Familie versammelt hat. Viele sind schon gegangen. Wenn man bedenkt, welch eine lange Ahnenreihe man schon hinter sich stehen hat! Ich gäbe viel dafür, wenn ich noch einmal mit ihm sprechen könnte. Heute würde ich ihm ganz andere Fragen stellen als damals.

silesio

@Roxanna
Meine Grosseltern väterlicher- und mütterlicherseits wohnten in Breslau, wo ich ja auch 1934 geboren wurde.  Gewohnt haben wir später in der kleinen Kreisstadt Wohlau und am Schluss in der Grafschaft Glatz. In Kattowitz war ich einmal bei der Hochzeit einer Tante.
An vieles kann ich mich noch erinnern., besonders natürlich an Russen und Polen gegen und nach Kriegsende 1945

Roxanna

@silesio  

Bist du noch einmal dorthin gereist, silesio?

2007 habe ich Ratibor und auch Breslau besucht. Das war sehr wichtig für mich. Ich kannte es ja nur aus den Erzählungen und ich wollte das einmal mit meinen eigenen Augen sehen. 

Christine62laechel


Die Erinnerungen können mit der Zeit, oder durch die Intensität der Erlebnisse, verfälscht werden. Diese Erlebnisse haben uns aber gestaltet, ob höllisch, oder paradisisch. Wenn man dann schon Abstand nehmen kann, geniessen, oder einfach nur mal daran denken.

silesio

@Christine62laeche
Erinnerungen sind das Paradies, aus dem wir nicht vertrieben werden können  

Manfred36

Unsere innere Erzählung
Episodengedächtnis ist unser Erleben.
Wir speichern drin ab ohne Einfluss darauf.
Doch wo wir uns rational hinbegeben,
da taucht auch es aus Verborgenheit auf.
Speichen wir ab, wird auch es neu gefärbt.
So haben wir uns uns're Erzählung ererbt.

 

silesio

@Manfred36  
Wie schön, wenn Manfred meiner inneren Erzählung noch eine äussere hinzufügt. Da wird vielleicht aus einem unvollkommenen Halben ein rundes Ganzes


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