Erinnerungen!


Mein Opa und ich ! Von luzi 03.06.12

Mein Opa mütterlicherseits war ein kleines, rothaariges, cholerisches Männlein. Drum liebe ich bestimmt auch die Heinzelmännchen so sehr. Nur zu mir und zu Oma war er immer sehr lieb. Ich schlug im Aussehen, mit schwarzen Haaren und dunklen Augen meiner Oma nach. Heute bin ich eselgrau! Opa mochte seine Töchter, meine Mutter und ihre 4 Schwestern nicht, die Schwiegersöhne und männlichen Enkel schon garnicht. Sie waren ihm alle nicht willkommen.
Kam vielleicht daher, weil Alle grösser waren wie er. Er war nur 1,42m gross und dazu stark untergewichtig. Ehemaliger Jockey eben, der auch im Alter noch aufs Gewicht achtete. Habe mal bei Tante Liesel, seiner jüngsten Tochter, seinen alten Jockey-Pass gesehen, daher weiss ich seine Grösse.
Für mich tat Opa alles, wehe, mein Bruder, 10 Jahre älter wie ich, brachte mich zum weinen. Mein Bruder war mit 18 Jahren schon 1,78m lang, aber Opa knallte ihm trotzdem eine und schimpfte:,, Lass dat Kind in Ruh.'' Mein Bruder ist in Russland gefallen. Alle sind schon lange tot, nur ich bin übriggeblieben.
Sonntags war für Opa und mich , bei schönem Wetter, Rennbahntag in Weidenpech. Ich wurde mit Hut und Handschuhen und dem besten Kleid herausgeputzt, und wehe, Mutter war nicht rechtzeitig mit Bügeln fertig, dann gabs lautstarken Zoff. Meistens war das Kleid bei der Heimkehr schon nur noch als Putzlappen zugebrauchen. Opa kam in Weidenpech, als ehemaliger Reiter. ja immer umsonst rein und ich natürlich mit ihm. Da gab es nie Probleme. Wir wurden immer sehr freundlich begrüsst. Aber es ging immer gleich in den inneren Führring zu den Pferden und ihren Besitzern.
Dann durfte ich auch schon mal auf einem sündhaft teuren Pferd sitzen und das ganze von oben betrachten.
Dat Kind, wie er mich im Bergheimer Platt nannte, durfte immer alles. Opa war aus Wiedenfeld bei Bergheim, ein Pferde-verrückter Bauernjunge. Wiedenfeld gibt’s nicht mehr, ist im Braunkohle Bergbau verschwunden und mit ihm die hohen Apfelbäume und die weiten Wiesen, die Opa s Bruder, der Ohm Hansi, bewirtschaftete. Ich kann mich noch an viele der Pferde dort erinnern, wenn ich ausbüxen konnte , war ich da auf den Weiden bei den Tieren. Ich kam immer verdreckt nach Hause und musste geschrubbt werden, aber herrlich war s. Ich machte Kränze von Butterblumen, Margariten und Gras, hing sie den Gäulen um den Hals und lachte nur, wenn die ihren Halsschmuck auffrassen.
In Köln arbeitete Opa in einem Stall, immer mit Pferden. Leider wurden die Tiere Anfang des Krieges eingezogen, die Ställe waren nun leer. Nur der Geruch nach Heu, Stroh und Pferden war noche eine Zeitlang zu spüren.
Die drei Mietshäuser, auf der Neuenhöfer Allee, die der Familie des Besitzers gehörten, liegen direkt am Beethoven-Park. Hinter den Stallungen ist auch heute noch der Tennisplatz, mein Bruder arbeitete da als Balljunge. Und dann kommt der herrliche grosse Park. Ein wunderbarer Spielplatz für uns Kinder. Aber dann wurden Flakstellungen da ausgehoben und wir durften nicht mehr dahin.
Dafür sahen wir nachts dann die englischen Flieger kommen und hörten die Flak Tackern, ein grausliches Geräusch. Und die Geschosse stiegen leuchtend zu den Flugzeugen hoch, es gab Abstürze. Dann durften wir nicht mehr aus den Fenstern schauen, die Eltern schleppten uns in die Kellerräume hinunter.
Eine Nachbars Familie, die in Wernigerode Verwandte hatte nahm mich mit dahin. Da konnte ich nachts im Bett bleiben , da war s damals noch ruhig.
Für Opa ist es nicht so gut gelaufen, er wurde bettlägerisch und konnte nicht in den Keller und so kam ihm das halbe Dach auf Kopf und Körper, er starb dann in der Lindenburg, zu schwer verletzt.
Ich habe das erst viel später erfahren, mein Vater wollte nicht , das ich damit belastet würde.War ja Opa s Liebling und Opa war mein liebster Mensch.
Es sind viele , liebe Verwandte in Köln im Bombenhagel zu Tode gekommen, Oma trug bis zu ihrem Tod nur noch schwarze Kleidung. Wenn sie dann mal wieder für Monate bei uns lebte, nahm sie mich in die Arme und sprach von ihrem geliebten Richard, meinem Opa. Lange Jahre sind vergangen, aber diese beiden Menschen werde ich nie vergessen.
Herzlichst Eure luzi

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Kommentare (2)

Traute wieder eine ergreifend realistische Chronik aus Deinem Leben.
Ich war Du, war Dein Opa war die Oma, so konnte man sich in die Personen und in die, auch von mir erlebte Zeit, versetzen.
Mit freundlichen Grüßen,
Traute

Lollo
schreibe immer weiter so wunderschöne erinerungen, woran wir uns alle erfreuen. du schreibst so plastisch, so dass man alles gut vor sich sieht.
Lollo

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