Erwartung – Sonetto d'amore



David Inshaw (* 1943, brit. Pop-Künstler):
The Rucksack (Anticipation; dt. Erwartung), 1994/95
Urheber+©: The artist, 17.02.2011; Quelle: wikimedia.commons; Liz.: CC BY-SA 3.0
( http://www.davidinshaw.net/gallery.html )
 
Erwartung – Sonetto d'amore
 
Erwartungsvolle Röte auf die Wangen
hat ihnen nicht die Scham dorthin getrieben,
die Neugier ist seit jener Zeit geblieben,
als erstmals überwog nur noch Verlangen.
 
Nie mehr um köstliche Momente bangen,
die innig festzuhalten sie so lieben;
denn Unbedachtheit lässt sehr leicht zerstieben,
was kaum danach geht wieder zu erlangen.
 
Ein Schauer jagt den nächsten, wie ein Beben,
das Liebende so gut zu deuten wissen,
durch jedes Miteinander neu beleben.
 
Die Nähe ist es, die sie so vermissen,
wenn Schicksal oder Zufall beide trennen –
zu der selbst dann sie weiter sich bekennen.
 
© elbwolf (W.H., 09/2017)
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Nachgehakt:
Auf Inshaw's Webseite (http://www.davidinshaw.net/07.html) heißt es zum Bild:
The Rucksack (Anticipation) is … set on a beach. Two figures towel themselves after their swim in front of a dark rock. Around them a squadron of black headed gulls all pointing somewhat officiously in the same direction, ignore them. The rucksack itself stands guard, a sort of scrotum of possibilities.
In der Übertragung etwa:
Der Rucksack (Erwartung) spielt sich in einer Bucht ab. Zwei Figuren trocknen sich nach dem Schwimmen vor einem dunklen Felsen ab. Um sie herum eine Schar schwarzköpfiger Möwen, die irgendwie gleich ausgerichtet sind und die beiden ignorieren. Der Rucksack steht wie ein Wächter, eine Art Behältnis für jegliche Möglichkeiten.
- - - - - -
Eine Anmerkung von mir:
Warum der Künstler das aus dem Deutschen stammende Wort Rucksack gewählt hat, fällt mir schwer zu erraten, aber tatsächlich hat das Englische drei Übersetzungen für unseren Rucksack: backpack, rucksack, packsack!
Den Bildinhalt erkläre ich mir so: Ja, es ist eine Erwartung – wenn "sie" die weißen Tücher werden fallenlassen, erblicken sie, wie sie sind, und sie werden einander  "erkennen". Deutlicher braucht man es wirklich nicht zu sagen …

Kommentare (23)

Federstrich
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Federstrich -


Ach, lillii, ich hätte deine Sicht auf das Sonett doch auch nicht erhofft, wenn du nicht in deinen Beiträgen eine gewisse Erwartung genährt hättest ("Dein Sonett wäre ebenfalls einer Besprechung wert.") Daraus habe ich geschlussfolgert, dass du auf das Sonett eingehen willst. Nun will ich freilich auch nicht kneifen, obwohl ich es so nicht vorhatte. ;-)

Ich erspare mir mal, auf die Form einzugehen, untadelig, wie sie ist.  In meinem ersten Beitrag schrieb ich schon, dass die Röte auf den Wangen nur bei ihr zu sehen ist, sie aber (ganz legitim) beiden zugeschrieben wird. Meine Erfahrung ist, dass man es bei Männern nicht so sehr auf den Wangen sieht. Elbwolf überspringt den Anfang einer Liebe, dem ja immer ein Zauber innewohnt, und beschreibt im Aufgesang dieses schöne Bild vom immer noch vorhandenen "Kribbeln" auch in einer etwas reiferen Beziehung, wo es nicht mehr um die staunenden großen Augen geht, das er mit schönen Worten, trotz der Zwänge der Form, einfängt. Allein das ist doch für jedes Paar schon ein Gewinn.

In der zweiten und dritten Strophe baut er diesen Gedanken aus, indem er sich auf die Zerbrechlichkeit einer Beziehung in der reiferen Phase bezieht, in der es darum geht, die Mühen der Ebenen, den Alltag zu meistern, ihn spannend zu gestalten und dabei auch die  körperliche Liebe nicht zu vernachlässigen, sondern auch hier die Vertrautheit zu genießen. Er endet mit der Hoffnung, dass eine solche Liebe auch die Tiefen des Lebens überstehen wird.

Wie du richtig sagst, ist das nur mein Verständnis des Gedichts. Ich kenne ja nur sehr wenig von ihm, aber ich, für meinen Teil, sehe keinen Grund, ihm das nicht zugetraut zu haben, im Gegenteil. Ich finde, wir liegen mit je einem Beispiel für die männliche und weibliche Sicht nicht so weit auseinander und auch deshalb, lieber elbwolf, erfüllt das Sonett seinen Zweck, wenn man von Zweckhaftigkeit überhaupt reden will.
Beste Grüße von Federstrich
 

lillii
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lillii -

nun, heute ist das morgen von gestern,
ich hätte mich ja jetzt gerne vor einem nochmaligen Einlassen hier gedrückt, doch was ich gestern abend aus einer leichtsinnigen Weinlaune heraus versprochen habe, das halte ich, das bin ich mir schuldig

die weibliche Sicht auf das Sonett, da wird es sicherlich nicht nur eine geben, denn jede liest es anders.

die meine ist:

"Erwartung" wurde es benannt und so, wie es sich liest, wird Erfüllung und Vertrauen vorausgesetzt und als sicher angesehen,

Das behutsame Miteinanderumgehen ist wichtiger Bestandteil der Beziehung.

Versuchen, den andern zu verstehen, zu akzeptieren, ihn annehmen ohne Vorbehalte.

Nahe sein ohne Nähe, das soll es geben.

Was bedeutet das, ist das etwa die Liebe auf die viele hoffen?

Dies alles lese ich aus dem Sonett heraus, es ist für mich das gefühlvollste und innigste, das ich bis jetzt vom Elbwolf gelesen habe.

Wer hätte ihm das zugetraut?


na, zufrieden mit der (meiner)weiblichen Sicht?

fragt lillii

Nun hätte ich auch liebendgern eine männliche Sicht, z.B. Federstrichs gelesen .

lillii
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lillii -

was @lillii noch dazu zu vermerken hätte, neugierig ist das Federstrichlein ja gar nichtemoji_wink
das tut sie heute abend nicht mehr kund,
sie hatte zuerst am Nachmittag ein Schülertreffen ihres Jahrgangs zu bewältigen, eine halbe Stunde Pause, dann anschließend ein Treffen mit ihrem Theaterclub mit einem fürstlichen abendlichen Essen, dabei hat sie zwei Gläser Rotwein getrunken und nun Mühe, fehlerfrei zu schreiben.
Morgen wird es klarer im Oberstübchen sein und dann nimmt sie sich sicherlich die Zeit.. ihre weibliche Sicht auf Erregungskurven et cetera zu überdenken und vielleicht ...
..................................................

ich werschiebe es auf morgen
gute Nacht wünscht lillii

Federstrich
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Federstrich -


Lieber Elbwolf,
hab's gerade gelesen und muss dich auf die Schnelle in einem Punkt korrigieren. Der Satz "In @Gittimax (ens) eher heutiger Lesart stünden sie auch ob ihrer schieren Größe für die (noch) weißen Laken einer Erstbegegnung von Liebenden." stammt von mir und nicht von @gittimax, auch das (noch) in Klammern. ggg

Die Änderung der Wortstellung bei dir ergibt sich grammatikalisch aus dem von dir verwendeten Verb "künden von", wogegen es bei mir hieß, "stünden für", d.h. wenn sie meiner Sicht folgen würde, was ich nicht weiß.
Interessant finde ich deine Beispiele, wie der Meister bestimmte Bildelemente (4) recycelt.
Zur "Erregungskurve" durch das Gedicht hatte ich mich in meinem ersten Kommentar ja schon launig bekannt.  Da @lillii auch meinte, dein Sonett drücke starke Empfindungen aus, bin ich ganz "in Erwartung" der weiblichen Sicht. Vielleicht meldet sich @lillii noch dazu.
Beste Grüße, Federstrich
 

elbwolf
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elbwolf -

Du meinst also, bester @Federstrich, "the show should go on"?
Und in der Tat gäbe es zu Text UND Bild noch so allerhand anzumerken ...
Doch jetzt möchte ich nur einige köstliche Rosinen aus Deinem Kommentar herausschälen:

1. Die Badetücher (Handtücher sind das nämlich nicht mehr).
Da würde ich mich ganz spontan der Meinung anschließen, dass sie die "Farbe der Unschuld" haben und dass das (nach @lillii) ebenfalls auf die Zeit VOR dem besagten Fall(en) wiese. Ich benutze die Gelegenheit zu unterstreichen, wie wichtig die Wortstellung im deutschen Satz sein kann. So meint @gittimax, diese Tücher kündeten wegen
- ihrer schieren Größe für die (noch) weißen Laken einer Erstbegegnung von Liebenden.
Mir scheint, unsere realistische Userin meint präziser dies:
- ihrer schieren Größe von der Erstbegegnung Liebender auf den (noch) weißen Laken.
In beiden Varianten ist der Pfiff das Wörtchen in den Klammern!

2. Mich überraschen etwas die Hinweise auf Adams Rückenkurven, ich gebe aber zu, dass sich das in weiblicher Vorstellungskraft wohl ganz anders als in männlicher "abbildet". Wer nicht weiß, was das Länder-Adjektiv "brasilianisch" soll, googelt mal mit "tumblr Brazilian BBW" und schaltet auf Bilder-Anzeige (alle Ergebnisse sind höchst anständig, aber sehr instruktiv).

3. Deine "momentane (sehr frühmorgendliche) Erregungskurve" ließen Gedanken zum Gedicht gerade nicht zu, @Federstrich? Und deshalb soll @lillii ihre Gedanken dazu näher erläutern?
Aber woher kommt vielleicht dieser Dein ... Zustand - kommt er vielleicht gar vom Gedicht?
Dann, fände ich, hätte das Gedicht doch seine "Schuldigkeit" getan, oder?


4. Einige Bild-Elemente hat der Künstler offenbar auch in anderen Zusammenhängen verwendet, aber wohl mit der gleichen Absicht der innewohnenden Aussage:
- links: Das Badetuch mit den Fransen, das in rubens'scher Manier den Frauenschoß verhüllt;
- rechts: Die Fähnchen, die vom "Maler mit Modell" weg in die entgegengesetzte Richtung weisen.

 
Wie Du hoffentlich siehst, bringt mich Dein Kommentar überhaupt nicht in Verlegenheiten ... aber Du hast etwas Salz in die Diskussions-Suppe getan - danke!
elbwolf
PS: ich sehe drei weitere Unzulänglichkeiten der Programmierung: das Bild lässt sich rechts nicht von Text umfließen! Nach der Markierung des Gesamttextes lässt sich der Kursur nicht einblenden. Die doppelte Leerzeile lässt sich wegen des blöden Kastenmodells nicht wegbringen - was wohl alles noch auf uns zukommt!

Federstrich
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Federstrich -


Halt, mein lieber Elbwolf, wir sind noch nicht fertig. ;-)

Ich habe mich nämlich in schlafloser Nacht gefragt, wie denn dann eigentlich die geradezu gigantischen, überlebensgroßen weißen Handtücher zu deiner "prächtigen Erklärung" passen und erhoffe mir Antwort. ;-)

Mir fällt jedenfalls auf, dass noch niemand auf sie eingegangen ist, obwohl sie als zentrales Gestaltungselement sofort ins Auge fallen, wie  bei Lillii die beiden Menschen. Deinem Ansatz könnten sie die weiße Farbe der Unschuld leihen. In @gittimax (ens) eher heutiger Lesart stünden sie auch ob ihrer schieren Größe für die (noch) weißen Laken einer Erstbegegnung von Liebenden.
Überraschen würde es nicht, meinte Inshaw doch auf die Frage, was denn, um im Bild zu bleiben, das Bindeglied zwischen seinen unterschiedlichen bildkompositorischen Elementen sei, verschmitzt: "der Sex". Es sei das Einzige, was zählt. Wenn man nur an seine sinnlichen Frauengestalten und die phallische Symbolik (z.B. im "Badmintonspiel") denkt, wirkt die Aussage stimmig.

Jo, meine lieben Damen, bei soviel Unzweideutigkeit des Meisters lässt es mich doch schmunzeln, wenn hier immer wieder von den "Rückenkurven" gesprochen wird, wo es doch eigentlich um seinen "Brasilianischen Po" geht, gell?

Lillii, meine momentane Erregungskurve lässt eigene Gedanken zu Elbwolfs Gedicht gerade nicht zu, aber deine Gedanken dazu würde (vermutlich nicht nur) ich gerne lesen.
Es grüßt der Federstrich, sehr frühmorgens
 

elbwolf
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elbwolf -

Nach meinem Empfinden hat mein Beitrag hier eine umfangreiche und tiefgründige Diskussion zu Gedicht und Bildschmuck ausgelöst, wie wir sie (in diesem Teil des ST/SP zumindest) nur selten gehabt haben. Dafür möchte ich allen Beteiligten meinen Dank sagen:

- @Federstrich: Du hast sofort die Verflechtung von Bild und Text thematisiert;
- @lillii: Du hast die Geschichte von Adam und Eva ins Spiel gebracht;
- @Clematis: Du hast das Bekanntwerden mit dem Werk des britischen Künstlers begrüßt;
- @gittimax: Du hast mehr auf die Bezüge zur Realität hingewiesen;
- @Roxanna: Du widersprichst - bedenke aber die dem Künstler zustehende Freiheit, mit uns ein wenig "Katz&Maus" zu spielen;
- @elbwolf: der sich nicht selber dankt (klaro), aber denkt, mit Umsicht "moderiert" zu haben.

Nun trage ich mich mit der Absicht, um euch das freimütig zu gestehen, sogar den Künstler in Kenntnis zu setzen, wie wir uns als Amateure/Laien zu seinem Werk und dessen Verwendung als Bildschmuck für ein Gedicht geäußert haben - er könnte es vielleicht interessant finden. Sollte ich mich das wirklich trauen und auch noch eine Antwort erhalten, so bekämt ihr die unverzüglich zur Kenntnis.
Noch einmal allen für dieses schöne "Mitmachen" herzlichen Dank!

elbwolf, am 12.09.2017 abends

Roxanna
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Roxanna -

Die Leidenschaft, die aus deinem Sonett spricht, Elbwolf, kann ich in dem Bild nicht erkennen. Der Gesichtsausdruck der Frau ist für mich eher skeptisch denn glücklich. Beide schauen jeweils in eine andere Richtung und ich frage mich, warum sie sich für etwas, das schön und leidenschaftlich werden soll, in einer Steinwüste treffen, die auf mich kalt und abweisend wirkt.

Roxanna

gittimax
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gittimax -

Das ist ja eine interressante Diskussion zu Bild und Sonett. Der Maler würde sicher staunen, was alles aus seinem Bild herauszulesen ist. Sogar Adam und Eva werden bemüht.
Dem möchte ich eigentlich meine ganz anderen Empfindungen entgegenstellen.
Für mich sind das zwei Menschen, die mit einem Rucksack voller Erwartungen aufeinander treffen. Vielleicht das erste Mal, vielleicht auch nach einer längeren Pause.
Als sie endlich einander berühren, fliegt der Rucksack unbeachtet in die Ecke, denn die Realität übertrifft alle Erwartungen.
Du, lieber Elbwolf hast das in dem  Sonetto d'amore wunderbar zum Ausdruck gebracht. 
Meint gittimax

lillii
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lillii -

weiter in der Bildbesprechung:

immer noch bei den beiden nicht nur ins Bild, nein schon fast ins Auge springenden Figuren.
Der Rucksack ist für mich nur Beiwerk.
Was mir noch auffällt, ist, dass das Bild eigentlich zweigeteilt ist, Mensch und Tier fein säuberlich getrennt. Die Möwen schauen alle in die eine Richtung, die beiden anderen Lebewesen, na ja, sie schauen noch aneinander vorbei.
Ich gebe Clematis recht, die Rückenkurven des Mannes haben schon etwas Besonderes.
Doch warum verhüllt er sein Gesicht, während sie doch frei schaut, vielleicht mit einem Seitenblick?
Ist es vielleicht so, dass Frauen im normalen Leben mutiger als Männer sind, dass eigentlich sie oft ihren Mann stehen müssen? (vielleicht nicht alle)
z. B. setzte Eva sich über das Verbot, nicht von einem  bestimmten Baum zu essen , hinweg, was wäre, wenn sie es nicht getan hätte?
Ob ein Paradies auf Dauer auch langweilig geworden wäre?

Hat der Künstler das so empfunden?
Das werden wir wohl nie erfahren.

Doch jetzt genug von der Bildbesprechung.

Wir sind in der Sparte Gedichte und so richtig abgedriftet durch den "Rucksack"

Dein Sonett wäre ebenfalls einer Besprechung wert.
Das Bild dazu hast Du zum Begriff Erwartung ausgesucht.
Für mich drückt das Sonett sehr starke Empfindungen aus.
Du hast diese wunderbar in Worte gefasst,
Jetzt hoffe ich für Dich, dass Deine Erwartungen nicht vergeblich sind,
Dem Federstrich hast Du ja damit schon tüchtig eingeheizt.

das war aber wohl auch mein letzter Beitrag zum Rucksack,der voller Erwartungen in der Ecke steht.

mit herzlichem Gruß

die lillii


 

elbwolf
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elbwolf -

Nun komme ich aber - wo ich das doch gar nicht mehr wollte - AUCH noch einmal auf den "Rucksack" zurück und bin mir mit Dir, @lillii, darin einig, dass man oft Nahe- und Nächstliegendes übersieht.
Dem Angelsachsen scheint aber von den 3 Bezeichnungsmöglichkeiten für "das Ding da in der Ecke" die rein deutsch und damit als Fremdwort klingende Version am geläufigsten zu sein. Wenn also "ein Sack, der auf dem Rücken zu tragen ist", dann auch gleich "der Rucksack".
Was man aus kunstgeschichtlicher Sicht dazu in der Funktion als "Unterscheidbarmacher" von ähnlichen Bildmotiven sagen könnte, hatte ich schon angemerkt: es war Künstler-Absicht!

Damit sind wir beim Hauptargumentationspunkt: den beiden fast nackigen Figuren in der Bildmitte, die einfach ins Bild springen (hast Du "süß" gesagt, @lillii).
Aber sie springen doch gar nicht, sie scheinen sogar ziemlich statisch dazustehen! Sein Gesicht erahnen wir nicht einmal, seine "Rückenkurven" schon, wie @clematis für sich eingeräumt hat. Wir können eigentlich nur noch über eines mutmaßen: über "sie", die ewige "Eva". Sie zeigt ihr Gesicht; sie ist sich der Gefahrensituation bewusst (das "Anstandsröckchen"); er schwimmt im Mainstream (wie die Möwen), sie entgegen.
Und damit wäre ich nun auch bei euch angelangt: es ist eine Adam-und-Eva-Situation, die uns der Künstler ganz ungewöhnlich und entgegen aller Tradition beschreibt ...

Aber wieso eigentlich "entgegen"?
Und nun kommt's: Der Rucksack - das ist die Schlange am Baum der Erkenntnis.
Und als Spitzbube sage ich dazu: Der Apfel ist ihr Röckchen. Das wird sie gleich "ihm" überlassen, wenn er die Augen aufmacht.
Was für eine prächtige "Erklärung", meint der elbwolf (etwas selbstgefällig, zugegeben).

lillii
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lillii -

um noch mal zu dem "Rucksack"  zu kommen.
Ich habe ihn relativ spät entdeckt, ich hatte meinen Kommentar schon längst geschrieben, den Rucksack im Bild aber anderswo gesucht und nicht so einfach am Rande rechts in der Ecke.

Ich habe mich gefragt, wie ich ihn übersehen konnte, der Titel des  Bildes ist-
gings nur mir so ?

The Rucksack

ich habe nach Größeren gesucht.. , könnte der Felsblock oder die Steine hinter dem Paar gemeint sein.

Nein , er steht rechts sichtbar, eigentlich nicht übersehbar, in der Ecke.

Ist es nicht häufig so, dass das Nächsliegende nicht in Augenschein  genommen, eben nicht wahrgenommen wird?

Anderes lenkt ab, so wie die beiden fast nackigen Figuren in der Bildmitte, sie springen einfach ins Bild.

So hat mich David Inshaw mit seinem Rucksack noch mal zum Über-ind Nachdenken gebracht.



Lieben Gruß lillii

 

elbwolf
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elbwolf -

Ja, ja - @clematis!
Dass Du noch einmal einkommen würdest, war mir schon klar. Und die Frage, ob einer von uns beiden die Rolle der beleidigten Leberwurst spielt, will ich mal süffisant unbeantwortet lassen.
Aber schließt Dein Beitrag nicht mit den Worten:
" Als Hobby-Kunstgeschichtlerin freue ich mich, dass Elbwolf auf diesen Maler aufmerksam gemacht hat. Vielen Dank!"
Auf den MALER also!

Und ich habe mich jetzt veranlasst gesehen, auf das GEDICHT aufmerksam zu machen!
Wegen solcher "kleinen" Unterschiede kommen wir beiden leider nie in einen richtigen Meinungsaustausch, das allerdings weiß ich aus meinen Erfahrungen mit Dir (diese Worte sind nach Dir zitiert) schon länger. Dass Du Dich zum Beitrag insgesamt (obwohl vor allem zum Bildschmuck) geäußert und dabei sogar persönliches Empfinden hast gucken lassen, das finde ich schon bemerkenswert, und dafür bedanke ich mich wiederum bei Dir.
elbwolf

Clematis
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Clematis -

@elbwolf
Das Bild von Inshaw hat mich fasziniert und ich hab meine Gedanken dazu geschrieben, hab mich auch artig bei Dir dafür bedankt. Das hat Du geflissentlich überlesen!

Was soll ich zu  perfekt gestalteten Gedichte von Dir auch sagen?

Der Umkehrschluss von Dir,entspricht nicht meinen Empfindungen. Du bist  beleidigt, wo ich keinerlei negativen Gedanken dabei hatte. SO fies kann ich gar nicht sein und es ärgert mich jetzt, dass ich mich überhaupt geäußert habe. Ich hätte es aber doch aus meinen Erfahrungen mit Dir wissen müssen.

Entschuldige bitte.

Clematis


 

elbwolf
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elbwolf -

Das hast Du "recht charmant" gesagt, @Clematis: du willst "auf das Gedicht von Elbwolf nicht eingehen, aber das Bild ist anziehend und spricht selbstverständlich …". Da kann man doch im Umkehrschluss nur meinen: Gott sei Dank! ist da auch noch dieses Bild, denn das Gedicht allein wäre doch weder anziehend noch spreche es selbstverständlich … kaum was aus.
So muss ich denn (leider) noch einmal selber etwas zum Gedicht sagen, denn sonst geht das lyrische Anliegen im Wust unter.
 
1.    Zur lyrischen Form des Gedichte als Sonett
Man könnte meinen, um die Liebe zu bedichten, sei jede lyrische Form gut. Wer aber ist schon so ein Genie und fängt einfach mal an: "Ich ging im Walde so für mich hin …"? Ich bin's nicht, und Du (anonym gemeint!) bist es auch nicht. Als Amateur sollte man sich einem anspruchsvollen Thema wie der Liebe m. E. mit Respekt nähern – und daher zum sog. Großgedicht greifen: Ode, Siziliane, Stanze, Kanzone, Sonett.
Ich halte das Sonett für das "einfachste", aber es hat einen Hammer: 14 Zeilen – und basta! Nichts von wegen erst ein Strophchen, dann ein Strophchen und dann immer noch eins … Und die 4 Sonett-Strophen (eigentlich sind es Absätze) in die 2 Quartette des Aufgesangs und die 2 Terzette des Abgesangs inhaltlich aufteilen (s. u.)!
Außerdem habe ich durchgängig 11-Silber verwendet, also jeden Vers unbetont geendet. Das ist aber gerade für das Italienische kennzeichnend, und deshalb habe ich dem Gedicht den italienisch klingenden Zusatz 'Sonetto' gegeben.
 
 
2.    Zur Strukturierung des Inhalts des Gedichtes
Kategorisch wird beim Sonett die inhaltliche Abgrenzung des Aufgesangs vom Abgesang verlangt.
Bei meinem Sonetto ist im Aufgesang von der Entstehung und Erfüllung der Geschlechterliebe die Rede und sonst eindeutig von nichts anderem.
Im Abgesang geht es um die Ausgestaltung der Beziehung im Zusammensein und ihrer Bewahrung auch beim Getrenntsein.
Ich wüsste nicht, was ich da weiter argumentieren sollte. Und wer das nicht anziehend fände und/oder sich davon nicht angesprochen fühlte, ja … hat der nicht vielleicht im Leben was verpasst?
 
Den Lyrikfreunden meinen Gruß - elbwolf
 

Clematis
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Clematis -

Ich will auf das Gedicht von Elbwolf nicht eingehen,
aber das Bild ist anziehend und spricht selbstverständlich einiges aus.

Ich bin auf der Gedanken-Linie von Lillii:
Es geht um Adam und Eva.

Sie haben vom Baum der Erkenntnis gegessen, sie wurden von Michael mit dem Feuerschwert auf die Erde gejagt. Allerdings mit dem Gnadenruf von ihm, dass sie irgendwann zurückgerufen werden würden.

Die Erde, öd und leer und muss nun von den beiden "Erkennenden" bearbeitet werden, denn - sie wissen jetzt wie es gemacht wird..
Die weißen Tücher sind noch Gaben aus dem Paradies, ebenso der Rucksack: Möglichkeiten die sie mitbekommen haben, ja und auch eine große Portion Neugier ist drinnen.

Das gelbe Röckchen der Eva sehe ich als liebenswerter Hinweis zum Noch-Mädele-Sein.
Während Adams Rückenkurven mich doch sehr ansprechen...

Ich hör jetzt auf, bevor es noch zur Donnerstags-Predigt wird.
Als Hobby-Kunstgeschichtlerin freue ich mich, dass Elbwolf auf diesen Maler aufmerksam gemacht hat.

Vielen Dank!
Clematis




 

Federstrich
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Federstrich -


Oh ha, da kommt man staubbedeckt und krummgezogen von Arbeit und sieht, dass man als Federstricher ;-) von dir zur Brust genommen wird. Da wäre mir eine Frau lieber gewesen. ggg

Über das Röckchen hatte ich mir auch schon Gedanken gemacht und es zunächst als ungewöhnlich empfunden. War sie damit gar im Wasser oder hat sie es sich als Erstes nach dem Schwimmen wieder übergestreift? Da sprang mir doch @lillii hilfreich zur Seite. Im Hinblick auf das verborgene Geschlecht und das Gesicht von ihm kann ich @lilliis Sichtweise folgen. Und so könnte ich auch deine Gedanken in Punkt (4) verstehen.

Der Maestro selbst meint ja zu seinem Œuvre, dass er mit seinen Bildern "einen mit persönlichen Erinnerungen und Assoziationen angereicherten Moment einfangen" und diesem eine "universellere und tiefere Bedeutung geben" wolle, indem er "eine Momentaufnahme aus vielen verschiedenen und nicht miteinander verbundenen Augenblicken zusammenfügt". Ein solcher Augenblick in seiner Ambivalenz von Schöpfung und menschlichem, aus der Triebkraft (@elbwolf) gespeisten, Miteinander könnte man hier erkennen. Das würde dann zu @lillis und deinem Ansatz passen.

Deshalb steht der "Sack" vielleicht auch so abseits,  als Wächter, wie der Maestro höchstselbst sagt, weil der "Sündenfall" so folgenreich (gewesen) ist, eben ein "Sack der Möglichkeiten" durch Reproduktion und Erkenntnis. Er kann aber auch das empirische Erbe des Menschen beinhalten und dem Sündenfall wegen seiner dezentralen Platzierung im Bild etwas von seiner ursprünglichen Brisanz nehmen. Die Blickrichtung der Möwen deutet dann auf die Entwicklung des Menschen seit der Schöpfung hin.

Elbwolf, dass du - als Form(en)fetischist - sage ich mal, nun aber aus der Fülle der Möglichkeiten das Sonett gewählt hast, wenn es um Erotik und Sexualität geht, finde ich sehr angemessen. War es doch der ole Willie himself , der diese Thematik in seinen Sonetten so meisterlich facettenreich bearbeitet hat. Auch deine Gedanken zu (2) teile ich. Es geht darum herauszuragen.
Herzliche Grüße, Federstrich
 

lillii
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lillii -

@ Elbwolf,
nun, da Du Dir ja nun zuerst den Federstrich zur Brust genommen hast, kann ich mich ja beruhigt bezüglich des Dich so tief bewegenden gelben Röckleins äüßern.
Ich bleibe mal bei meiner Annahme über den Schöpfungsakt und komme somit zu Adam und Eva.
Könnte es sein, dass die beiden den Baum der Erkenntnis schon gefunden und nicht widerstanden haben.??
Das würde das gelbe Röckchen erklären und auch die Verhüllung von Adams Gesicht.
... und sie erkannten, dass sie nackt waren.

und bezüglich des verlorenen Schießpulvers,da würde ich mir keine Sorgen machen,

wozu hat man Rucksäcke

meint  lillii

elbwolf
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elbwolf -

Ja, mein bester Federstrich, da agieren wir nun nicht mehr beide allein auf dieser offenen Bühne, denn ich befürchte, die @lillii hat uns mit ihren Ansichten ein gut Teil unseres Schießpulvers ruck-zuck aus der Hand genommen!
[Danke vielmals, @lillii, aber ich nehme mir jetzt erst Federstrichen weiter zur Brust ...]

(1) Zunächst zum Übersetzen, und da zum Russischen. Das ist tatsächlich die Sprache mit "den komischen Buchstaben" - etwas genauer heißen sie "kyrillisch". Aber sie hat in der Nachkriegszeit am beharrlichsten ausländisches und besonders westlich benanntes Kulturgut sowie neue gesellschaftliche Erscheinungen "einge-russischt"; anfangs haben den Trend die Franzosen eine Weile auch mitgemacht ; und die Deutschen waren sowieso überglücklich, als sie endlich ihr ewiges "o.k." daherplappern durften. Für mich ist die russische Entsprechung so gut wie Basis für eine Norm, von der aus ich dann ins Deutsche gehe. Was herauskommt, ist hier eben "Erwartung".

(2) Inshaw könnte uns allesamt auch am Näslein herumführen! In der Kunstgeschichte ist es viele Male passiert, dass ein Künstler einem Allerweltsthema ein besonderes Attribut beigefügt hat, um es aus der sonst unübersehbaren Masse herauszuheben. Beispiel? "Madonna mit dem Stieglitz" (Raffael) - und selbst das haben ihm andere noch nachgemacht. Wenn also Inshaw meinte, es gäbe viele Paare, die kurz davorstünden, einander zu erkennen, dann ist das gar nichts besonderes - dieses Paar aber ist das "mit dem Rucksack".

(3) Dass aber in dem Rucksack irgend etwas drinnen sein muss, kann auch Inshaw nicht beiseite lassen. Was also könnte im Rucksack sein? Etwas Materielles (ihr Röcklein?) oder etwas Ideelles - das überlässt Inshaw uns. Ein Behältnis aber ist es jedenfalls, wenn es Inshaw in eigener Beschreibung auch lateinisch benennt. In der "Büchse der Pandora" war etwas ... ja was eigentlich? Ein Mix aus allem Krankmachenden - materiell? ideel? Also etwas ist/war drin, das ist nur logisch.

(4) Und nun das, was mich am "tiefsten" bewegt: ihr gelbliches Röcklein! Hatte sie es schon/noch beim Schwimmen an? Weil ich das als unlogisch verstehen würde, muss ich annehmen, dass sie es soeben erst angezogen hat. Dann hätte sie aber weniger Erwartung gegenüber der möglchen "Entwicklung" gehegt, als er, denn er hat - wie es sich einem Mann in solcher Situation geziemte, kein Röcklein ... Du verstehst, federstrich? Die Frage heißt also: ist die Erwartung und damit die treibende Kraft zwischen den Geschlechtern (manchmal auchl) unterschiedlich verteilt!?

Das wars! Übrigens könntest Du, @lillii, gerne mitdiskutieren! Gruß an euch - elbwolf.

lillii
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lillii -

meine Gedanken zum Bild:
nach mehrmaliger Betrachtung

Adam und Eva
vor der Schöpfung,

Erwartung kommt meinen Gedanken sehr nahe,
Ich sehe eine erstarrte Welt, kein Leben,kein Paradies.

(die Welt war öd und leer)
was mir lebendig erscheint ist der Rucksack,


die beiden Menschen stehen nebeneinander, jeder für sich-
beide halten sich bedeckt, sie haben sich noch nicht erkannt.

Woher kommt nun das Fünkchen Leben?

Das ist die Frage, es steckt wohl im Rucksack, im Behältnis
und muss weitergegeben werden in ein anderes,
und die Beiden haben es gefunden, das andere...wie auch immer,vielleicht durch Zufall, wer weiß es mit Bestimmtheit?

und was daraus werden kann, das hast Du, @ Elbwolf, uns sehr eindrucksvoll in Deinem

Sonetto d'amore

geschildert

freundlchen  Gruß lillii

Federstrich
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Federstrich -

Das andere Wort habe ich frei bzw. freimütig mit "Behältnis" verdeutscht, und wer mir das nicht auf der Stelle abnehmen will, muss selbst auf Spurensuche gehen - und wird feststellen, dass ich eine glückliche Eingebung hatte: Du verstehst das doch bestens, Federstrich?!

Ich stelle mir so manches vor und tue, was ich kann, um bestens zu verstehen ;-) , lieber elbwolf, und wenn es nicht reicht, ringen wir gemeinsam um eine Lösung, auf die wir uns einigen können.
Da hier noch niemand anderes kommentiert hat und du der Blogersteller bist, fühle ich mich zu einem kleinen Nachtrag ermutigt. Joi, was du nicht alles bist, nun auch noch staatlich geprüfter Übersetzer. Das bin ich nicht und Russisch ist ein Böhmisches Dorf für mich (Ist das die mit den komischen Buchstaben?).

Wenn ich aber Übersetzer wäre, würde ich versuchen, mich in den (Maler und) Autor hineinzubewegen um zu ergründen, was er wohl beabsichtigt haben könnte. Denn nicht nur der Übersetzer hat eine Wahl, sondern vor allem der Autor.
Und so frage ich mich, wenn er denn diese Wahl hatte, warum Inshaw dann so explizit sein wollte und just das eine Wort gewählt hat, das eben keine Verhüllung zulässt. Er hätte ja auch schreiben können: "a sort of bag of possibilities" , entschied sich aber nicht dafür. Ergo wollte er im Bild des lendenstarken jungen Mannes bleiben und die erotische Schiene bedienen. Mit "Behältnis" warst du also euphemistischer als vielleicht nötig. Ich hätte mich vermutlich für "eine Art Sack/Beutel der Möglichkeiten" entschieden, um den gewollten  Bezug zu rucksack und scrotum etwas deutlicher herzustellen ohne freilich zu rustikal zu werden. Da bin ich ganz bei dir.

Herzliche Grüße von Federstrich
 

elbwolf
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elbwolf -

Danke, Federstrich, für Deinen herzerfrischenden Kommentar!
Du musst Dir aber vorstellen, dass ich alle verfügbaren on- und offline-Wörterbücher gewälzt habe, um mir sämtliche Schattierungen zu Anticipation (da gibts viele) und Scrotum (da gibts eigentlich nur eine) vorblättern zu lassen - immerhin bin ich im Zweitberuf Staatlich geprüfter Übersetzer, und da ist so etwas Routine.

Den Ausschlag für die Doch-Wahl von "Erwartung" ergab die Übersetzung von Inshaw's englischem Bildtitel ins akademisch-künstlerische Russisch: "oshidanje" - und das ist eindeutig auf Deutsch "Erwartung". Warum Russisch? Na weil alle Westlichen nur "Anticipation" nachplappern, die Russen aber wenigstens noch ÜBERSETZEN!

Das andere Wort habe ich frei bzw. freimütig mit "Behältnis" verdeutscht, und wer mir das nicht auf der Stelle abnehmen will, muss selbst auf Spurensuche gehen - und wird feststellen, dass ich eine glückliche Eingebung hatte: Du verstehst das doch bestens, Federstrich?!

Und einig bin ich mit Dir, dass Inshaw einfach eine Offenbarung ist - Mann! ein Pop-Künstler!
Herzliche Grüße zu Dir - elbwolf

Federstrich
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Federstrich -


Oh là là, lieber elbwolf, dein Sonett jagt ja selbst einem alten Zausel wie mir noch wohlige Schauer der Erwartung den Rücken hinunter. ggg
Die schamhafte Röte sieht man ja nur auf ihren Wangen. Immerhin ist er schon nackt, und sie hat auch nach dem Schwimmen noch ein Röckchen an. Es scheint nur noch eine Richtung zu geben, die sich vom Mann in Richtung Frau bis hin zu den Möwen als eine Linie zeigt. Vielleicht schauen die Möwen auch schamvoll weg, weil alle wissen, was jetzt folgt. ;-)

Eine erotische Konnotation wird verstärkt, indem Inshaw - typisch Englisch - mit  den Wortbedeutungen von rucksack und scrotum spielt. Letzteres steht bei dir als "Behältnis". Es gibt sicher zwei Synonyme zu rucksack, die du erwähnst, aber nur eine Bedeutung von "scrotum". Indem er dieses Wort zu rucksack in Beziehung setzt und den Bildtitel durch anticipation erweitert, erleichtert es das Bildverständnis bzw. die seiner Intention. Anticipation nüchtern mit Erwartung zu übersetzen, erscheint mir auch nicht ganz glücklich. Seine Bedeutungsschattierungen reichen von "Vorahnung", Vorgefühl", ja, bis hin zu einem Anflug von "Vorfreude".
Inshaw hat sich m.E. nach für "rucksack" entschieden, weil es im Bild ein old style Rucksack ist und keiner der high-tech backpacks von heute.
Schön, dass du mir Inshaw etwas nähergebracht hast.

Grüße, Federstrich