Es ist zum Mäusemelken


Irgendetwas muss doch in die Hose gehen!

Am 24. wollte der Möbelwagen um Achte da sein – die Männer kamen kurz vor Neune, na ja vor drei Wochen kamen sie mit den Umzugskartons auch mit etwas Verspätung an. Was soll’s – ich hatte meinen Umzugswunsch ins Internet gestellt, eine Firma in der Nähe von Freiburg/Brsg schrieb meinen Wunsch (was ich habe und brauche hatte ich aufgelistet) an seine angeschlossenen Spediteure aus, die dann ihre Preisangebote abgaben, die mir schließlich mitgeteilt wurden (das hatte ich zu Beginn des Jahres schon einmal getestet). Beim Test bekam ich 33 Angebote in der Preislage von 750 € bis 2450 €. Beim echten Lauf waren es weit weniger. Ich habe die beiden Bieter-Listen verglichen (da konnte ich anhand der ID feststellen, wer und wie die einzelnen Angebote zu bewerten waren, es gab auch Preiskorrekturen nach unten).
Ich bat um die mir am passensten erscheinenden Preisvorstellungen die Adressen der Bieter mitzuteilen. Die Firma informierte die Bieter, die sich dann bei mir telefonisch und/oder eMailig meldeten.

Ich hatte da ein Angebot bekommen, das aus der Nähe von Ingolstadt stammte. Ich überlegte nicht lange: wieviel Verspätung zum Eintreffen des Möbelwagens muss ich einrechnen. Das leuchtet dann wohl ein, dass ich die Ingolstadt nahe Firma deswegen auswählte. Aber auch das habe ich bei den Angeboten begutachtet: wo ist der Bieter stationiert, was sagt Google-Maps darüber.

Eine feste bajuwarisch klingende Dame meldete sich da aus dem Donau-Moos, gleich um die Ecke von Ingolstadt. Ich erfuhr einiges und behielt mir vor, diesen Bieter vorauszuwählen. Dann fuhr ich erst einmal wieder nach Berlin, meine Rückkehr nach Ingolstadt verzögerte sich: Lungenentzündung.

Aber dann hieß es ans Packen zu gehen. Da mein Spatz noch einmal für zehn Tage zum Abschied nehmen von Bayern aus Berlin herüber kam, war bei allen Abschiedstouren zu meinen Geschwistern noch soviel Zeit zum doofen Kellerräumen und –einpacken im Duett gegeben.

Dann kam schließlich der 23. Da war immer noch etwas einzupacken – ich war zu müde, ging um 22 Uhr in die Heia. Am 24. um 3:15 war ich wieder wach. Also letztes Frühstück in der mit zerlegten Möbeln und gestapelten Kartons, dann die Reste an Geschirr und Fourage kartonieren. Auch das Bettzeug eingebeutelt, und weil nun nur noch das Abwarten überstanden werden musste, noch mal zwei Stunden auf der nackten Matratze versucht zu schlafen, es war nur ein Dösen. Um sieben Uhr bimmelte das Handy – das andere (ISDN)-Telefon war bereits abgebaut und eingepackt – mein Spatz rief mich an „Guten Morgen!“.

Also, wo zugänglich, die Dübel-Löcher zugipsen. Müll runtertragen. Langweilig – warten.
Und dann kamen drei Mannen. Hauruck! Wo steht det Klavier?

Ich hatte alle Kartons mit vorbereiteten A6 großen Aufklebern ausgestattet (zwei je Karton, einer Stirnseite der andere Breitseite und Weingläser, wo nötig) Überschrift, in welchen Raum die Kiste hinkommen soll, sonst knapp, wa drin ist. Eine Kiste war noch offen und deklariert: „Obenauf“, gut erkennbar.

Drei Stunden zum Laden waren angesetzt – da war nur noch der Kleiderschrank zu zerlegen, Seitenwände, Deckel und Bodenplatte, die schaffte ich nicht alleine. Noch keine zwei Stunden haben die Jungs (übrigens alle aus den neuen Bundesländern, nun da in Bayern ansässig geworden) gebraucht, fröhlich und richtig vorsichtig und hauruck. Als sich das Verladen dem Ende zuneigte, fragte einer, der von Jüterbog rübergekommen war, also so nahe Berlins, wo denn ein Metzger wäre. Das war dann meine Stunde, ich „wetzte“ also los: eine Bratwurst mit Semmel und noch ein Hähnchen-Schenkel – wir futterten. Dann war der Kasten zu, die Hebebühne des Zwölftonners eingeklappt und „Bis nachher“.

Ich musste noch auf meinen Vermieter warten, der konnte erst um um 13 Uhr kommen, er war aber schon da, als ich dabei war die Bude besenrein zu bekommen. Also kam es früher als gedacht zum Verabschieden (Zählerwerte eintragen, Schlüssel übergeben – und weil der gute Mann mir den Besen abgenommen hatte, wurde der prompt vergessen – wenn das Alles ist?!)
Ich belud den Smart – es war nicht mehr viel, alles andere war im Lkw mitgenommen, aber, weil Schnee angesagt, habe ich mir Kissen und Wolldecken, Thermos-Kanne mit Kaffee und Stullen eingepackt, falls es irgendwo zwischen Frankenwald und Thüringen nicht mehr weiter gehen sollte.
Mein „Werner“, das Navi, wurde gestartet, noch ein Händedruck der Vermieter-Familie und ich rollte vom Hof.

Fünf bis sechs Stunden waren angesetzt. Auf die A9 und immer geradeaus. „Werner“ hatte eigentlich nichts zu tun, nur da und dort kamen kleine Hinweise. Ich war nicht müde, hielt mich munter beim Vorausblick und nach links und rechts – das bekomme ich so bald nicht wieder zu sehen, ich fahre doch „nach Hause“! Vorbei an Nürnberg und der Regen wich leichten Schneeflocken – also habe jetzt acht zu geben auf meine Fahrweise. Man fuhr immer noch 120 bis 140 km/h. Bergauf machte der Smart etwas weniger Speed – das Gepäck!

Raststätte „Fränkischer Wald“: erste Pause, Tanken. Meldung nach Berlin abgesetzt und „Werner“ seine Prognose durchgegeben: 17:21 Uhr. Der Schnee wurde mehr, aber die Autobahn war frei. Recht kurvenreich ging es den Frankenwald hinauf. Thüringen, die Bäume voller Pappschnee, herrlich, doch kann ich während der Fahrt kein Foto schießen – da fehlt mein Spatz. Es dämmerte, es schneite, Eintauchen ins Sachsenland. Man sieht, am Himmel voraus klare Sicht und Abendrot, kalt – Man hat Frost angesagt, man sieht’s.

Kurz vor’m Hermsdorfer Kreuz: Mein Möbelwagen! Ich blinke und hupe – ich habe sie ein- und überholt. Einer von den Boys war nicht mitgefahren – durfte nicht, weil nur zwei Sitzplätze (im Schlafabteil gibt es keine Sicherheitsgurte, das erfuhr ich später).

Kurz vor Leipzig: Aus! Autobahn in beiden Richtungen voll gesperrt. Also runter und wo lang? Keine Möglichkeit eine Karte zu studieren – die lag in der Tasche in Kofferraum, wer denkt denn schon an so was?! „Werner“ musste überzeugt werden, eine brauchbare Ersatzstrecke zu kalkulieren, die nicht gleich wieder auf die Autobahn zielte – Zeit genug zum Programmieren im „Stop and Go“. Und da meldet RadioSPR das Entschärfen einer Fliegerbombe. Ich lande in Leipzig. „Stop and Go“. Mir wurde das zu bunt da in Leipzig, ausgerechnet auch noch ein Spiel im Stadion – ich hätte am Liebsten das Auto abgestellt. Ich kehrte nach eineinhalb Stunden Trödelei um, kam spielend wieder zurück zur A9, konnte ohne Behinderung wieder auf alten Kurs gehen.

Kritisch beobachtete ich meine Tankanzeige, nur noch ein Tropfen (von fünf) wurde mit voll angezeigt. Wann kommt die nächste Tankstelle. Stau! Jetzt gab es kein Entrinnen mehr. Ein Lkw-Gespann wurde von der Böschung wieder hochgehievt. Weiter, aber nicht mehr mit Vollgas! Bis zur nächsten Tankstelle. Und Pause, nur kurz. Weiter! Kein Schnee, volles Rohr! (max 135 km/h).

Die Ziehleute meldeten, dass sie gleich ankommen würden. Also kurz den Spatz angerufen, könnte sich auf den Weg zur Wohnung machen. Zehn Minuten zu fahren.
Anruf vom Spatz: sie hat den provisorischen Wohnungsschlüssel verloren! Auflösung!!! Was kann ich hier vom Cockpit aus da machen?! Handy – links die Raser, rechts die Lkws. Mein Ton war dementsprechend.

Autobahn-Kreuz Potsdam! „Werner“ wollte über die Stadtautobahn lenken – ich fuhr in die A10 zum Schönefelder Kreuz. „Werner“ sah den Schwenk ohne Murren ein. Aber diverse Kilometer mehr musste er annehmen.

Da schleppen sich 37 km so dahin, die Autobahn zeigt, dass man mit Polen um die Wette fahren kann. Und endlich konnte ich nach Norden in Richtung Berlin bis Grenzallee „dreschen“. Stadtverkehr und Ampeln, der Süden Berlins forderte meine Aufmerksamkeit. Ein Schild grüßt „Plänterwald“, dann kam die Stelle mit dem dicken Baum, um den herum und noch Meter, ich stand jetzt vor dem Möbelwagen – der war bei Leipzig nicht von der Autobahn abgebogen, sondern hatte da das Theater abgewartet, so war er eine Stunde vor mir bereits da. Ich war um 20:30 endlich angekommen.

Spatz hatte schließlich von der Wohnungsgenossenschaft Hilfe und einen Ersatzschlüssel bekommen.
Und man schleppte alles in den ersten Stock, baute auch die Schrankteile zusammen – ich musste die Jungs bremsen, sie wollten den Schrank noch komplettieren (das war nicht in der Ausschreibung verabredet). Der Spatz hatte Bockwürste und Kartoffelsalat, wir aßen Abendbrot zusammen, die Thermos-Kanne wurde gefüllt. Um 23:00 Uhr verabschiedeten sich die Jungs und fuhren wieder (die Nacht durch) in Richtung Bayern.

Da waren die Kartons programmiert auf alle Räume verteilt. Aber Licht kam nur von einer Stehlampe. Wir schlossen die Wohnung ab und fuhren hinüber zu Spatzens Zuhause. Das war also ohne Blessuren überstanden.

Eigentlich war bei der Umzugsplanung ja gedacht, dass der 25. zum Ausladen des Gutes angesetzt war, die Jungs hatten das aber noch am selben Tag geschafft. Dankeschön. So konnte also der T-Com-Techniker den Schaltauftrag planmäßig ausführen. Diesen Termin hatte mit Vodafone in drei SMS mitgeteilt. Wer aber nicht kam, war der Techniker. Dafür kam eine SMS von Vodafone, dass der Techniker nicht schalten konnte, es müsse ein neuer Termin vereinbart werden.

Spatz nahm das Ganze nun über Festnetz in die Hand. Da stellte sich heraus, dass der T-Com-Techniker in Ingolstadt mich nicht antreffen konnte – Vodafone hatte mal wieder irgendwo Mist gebaut. Und ich dachte doch bei T-Com gäbe es nur solche „Schönen Wetterprognosen“. Nun hänge ich ohne Festnetz und DSL für über eine Woche in der Luft. Wartet ab, das gibt ein Nachspiel.

Also bleibt bei Spatz meine Anschlussmöglichkeit für den LapTop aufrecht erhalten.

Irgendetwas muss doch in die Hose gehen! Wenn’s weiter nix iss …

Hier gehört doch noch ein Foto dazu. Aber mein Knipser liegt in der neuen Wohnung mit den Umzugsfotos


ortwin

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Kommentare (3)

KarinIlona Hallo Ortwin, schön zu lesen, wie du alles beschreibst. Du bist so gut organisiert und sortiert, du findest dich überall zurecht und bist nie todtraurig, immer mit einem Fünkchen Humor. Am Ziel deiner Wünsche endlich zu Hause angelangt, wünsche ich dir traumhafte Stunden mit deinem Schatz!
Karilona
tilli † Lieber Ortwin!
Lange hat es gedauert, bis du endlich in deiner neuen Wohnung angekommen bist.
Ich wünsche dir, das du alles so erleben wirst, wie du dir es vorgestellt hast.
Jetzt wirst du glücklich sein und brauchst nicht so lange zu fahren ujm deine lieben Spatz zu sehen.
Ich wünsche dir besinnliche Tage
Tilli.
koala Wie Du selbst schon schreibst "Irgendetwas muss doch in die Hose gehen."
Aber zum Maeusemelken fand ich den Umzug nicht. Das ist auch gut so. Denn wo soll man einen so kleinen Melkeimer herbekommen?!?
Anita/Australien

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