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Ewigkeitsrufen

Zerfallende Mauern, welkes Gesträuch,
säumen nunmehr die
steilen Stufen,
vergangen ist längst
uns‘rer Freuden Rausch,
leis
e ahn‘ ich Ewigkeitsrufen.

Herbst wird es ringsum und einsam und leer,
Freunde sind schon voraus gegangen,
wie lange wohl, ach wie lang wohl ist’s her,
als wir fröhliche Lieder sangen
und uns im Tanz mit den Mädels drehten,
mit heißen Lippen Küsse tauschten,
offene Haare im Winde wehten
und Lebensziele uns berauschten.

Mit Jugendelan haben wir‘s gewagt,
Hand in Hand ins Leben zu wandern,
haben uns nie über Hürden beklagt,
stets geleitet von guten Geistern.
Vieles ist uns gemeinsam gelungen
bis hin zur Stunde der letzten Not,

dir haben Freunde ein Lied gesungen
zum Wechsel vom Leben in den Tod.

Zerfallende Mauern, welkes Gesträuch,
besäumen seither
steile Stufen,
verklungen ist längst uns‘rer
Liebe Rausch,
leis
e höhr‘ ich Ewigkeitsrufen.


© Syrdal 2019





 


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Kommentare (10)

Dnanidref

Lieber, guter Freund, viele von uns mussten schon von liebgewonnenen Mnschen Abschied nehmen, die viel zu früh von uns gegangen sind - doch die Erinnerungen an wunderschöne Zeiten bleiben uns für immer erhalten -  mir sind sie Trost, um meinen Sohn und meine Tochter, die mir schon vorausgegangen sind! ...

In mitfühlenden Gedanken, Dein Freund
Ferdinand

Syrdal

@Dnanidref

Lieber Ferdinand, dies alles – wir wissen ja vieles voneinander – verstehen wir gegenseitig ohne weitere Worte…
Danke und Grüße zum Sonntagmorgen...


...bis bald – Dein Freund
Syrdal
 

henryk

Freunde sind schon voraus gegangen,


Nein ..lieber Syrdal...Ich bin noch da!

XX181.JPGDanke......fuer ..wie immer wunderbares Gedicht..VG Henryk

Syrdal

@henryk

Ja, lieber Henryk, es sind von den einst so vielen noch einige Freunde da, etliche aber leben nur noch in guter Erinnerung. Wie kann es auch anders sein, wenn man selbst das 8. Dezennium fast erreicht hat. Schmerzhaft ist es immer, einen Freund zu verlieren, besonders aber schmerzt es, wenn man zeitig… viel zu zeitig seine innig verbundene Liebe, sein Ein-und-Alles, betrauern muss. Und, lieber Henryk, glaube es mir, das ist eine sich nie wieder schließende Wunde, die bei jedem kleinen Tag des Gedenkens erneut aufgerissen wird.
Man sagt, Zeit heilt Wunden. Das aber trifft hier nicht zu, ich weiß das seit 14 Jahren... Eines aber geschieht: Die einst heiteren und unbeschwerten Lebenssichten vertiefen sich und erreichen ungeahnte Ebenen, die mit keinem Bild und keinem Wort dieser Welt zu beschreiben sind, man kann sie nur „erfahren“.
Dir danke ich für deine Worte und für den „heiteren Balanceur“ auf dem straff gespannten Lebensseil, der mir durchaus ein mildes Lächeln brachte…

Danke... und liebe Grüße fliegen von guten Gedanken getragen nach Rybnik.
Dir und Elisabeth wünscht einen milden sonnigen Herbst
Syrdal
 

Tulpenbluete13

Wie recht Du doch hast lieber Syrdal......

aber gibt es etwas Schöneres als an vergangene Liebe zu denken.??..und dankbar zu sein, daß man sie erlebt hat....

wer so denkt wird niemals alt..sondern ist weise....schmunzel..

meint Dich zum Wochenende herzlich grüßend

Angelika😉

Syrdal

@Tulpenbluete13

Gewiss, liebe Angelika, sind Erinnerungen an die einstigen Zeiten liebevoller Gemeinsamkeit schöne Momente im Alter… und doch schwingt immer auch Wehmut mit, vor allem dann, wenn der eine Teil so sehr zeitig abberufen wurde. Und an jedem der jährlich wiederkehrenden Gedenktage wiegt alles zusammen stets ungemein schwer.

Doch die schönen gemeinsamen Zeiten  bewusst und dankbar erlebt zu haben – da hast du recht – ist ein lebenserhaltendes Elixier.

Auch dir herzliche Grüße zum Wochenende
Syrdal

Rosi65

Lieber Syrdal,

früher bekamen die "älteren Geburtstagskinder" immer eine große Topfpflanze mit weißer Kreppmanschette zu ihren runden Geburtstagen geschenkt. Als Kind schaute ich mir dann  immer ehrfürchtig den Einstecker mit der glänzenden Jubiläumszahl an. 
Dein Gedicht hat mich daran erinnert. Doch bevor mir ganz wehmütig ums Herz wird,  rechne ich jetzt lieber erst gar nicht nach.

 Viele Grüße
   Rosi65
 

Syrdal

@Rosi65  

Ja, liebe Rosi, an solche Topfpflanzen mit Kreppmanchette kann ich mich auch noch gut erinnern. Bei meinen Großeltern auf dem Land gab es das noch. Großvater hatte eine goldene 60 bekommen. Leider war es sein letzter „Runder“… – So ist das Leben und oft ist der letzte Abschied so sehr zeitig und von den Verbleibenden oft nur schwer zu tragen...

...weiß in besonderer Weise
Syrdal

Roxanna

Wehmut, lieber Syrdal hat mich erfasst beim Lesen deines Gedichtes. So schnell sind die Jahre verflogen, im Nu ist man alt. Als Junger Mensch denkt man doch, es liegen Ewigkeiten vor einem und geht oft so leichtsinnig mit der Zeit um. Und heute denke ich, wo ist nur die Zeit geblieben. Manchmal kann ich es kaum glauben, dass ich schon  so alt bin. Die Zeit lässt sich nicht festhalten.

Ich wünsche dir ein gutes Wochenende und schicke herzliche Grüße mit

Brigitte

Syrdal

@Roxanna

Liebe Brigitte, tiefliegende Wehmut ist der ganze Empfindungsgrund dieses Gedichtes und dazu der nie vergehende Schmerz des endgültigen Verlustes – bis hin zum Ewigkeitsahnen...

Danke für deine Worte und dir ebenfalls herzliche Wochenendgrüße
Syrdal


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