Exzerpt aus Musils 'Mann ohne Eigenschaften'


ulrich, der mann ohne eigenschaften, ist die hauptfigur des romans. walter ist ein jugendfreund ulrichs, ein künstler, der dabei ist, sich im bürgerlichen leben einzurichten. clarisse ist walters angetraute. ulrich besucht die beiden. es ist winter. sie gehen zu dritt spazieren. sie unterhalten sich über dies und jenes. man kann auch sagen, sie disputieren (jedenfalls ulrich und walter).

[...]

Walter fuhr leise fort: "Du hast recht, wenn du sagst, daß heute nichts mehr ernst, vernünftig oder auch nur durchschaubar ist; aber warum willst du nicht verstehen, daß gerade die steigende Vernünftigkeit, die das Ganze durchseucht, schuld daran ist. In alle Gehirne hat sich das Verlangen gelegt, immer vernünftiger zu werden, mehr denn je das Leben zu rationalisieren und zu spezialisieren, und zugleich das Unvermögen, sich denken zu können, was aus uns werden soll, wenn wir alles erkennen, zerteilen, typisieren, in Maschinen verwandeln und normen. Es kann nicht so weitergehn."

[...]

aus... Robert Musil: Gesammelte Werke I. Der Mann ohne Eigenschaften. Roman. Hg. von Adolf Frisé. Rowohlt, Reinbek bei Hamburg 1978 (zweite verbesserte Auflage 1981)
Erstes Buch Kapitel 1-80
54 Ulrich zeigt sich im Gespräch mit Walter und Clarisse reaktionär
S. 213-219, 218 f.

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Wolfgang

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