Frohgemut
 
Frohgemut, weil endlich auch all das an Klamotten aussortiert, von dem ich mich nur schwer trennen kann und weil eine plausible Entschuldigung fürs Drücken vor unangenehmeren Tätigkeiten gefunden, mache ich mich auf den Weg zu meiner speziellen Abgabestelle für abgelegte Klamotten: ein kleiner Stadtteilladen (kein Oxfam), die sich freuen, wenn ich komme und ich freue mich, dass ihre  Azubis die Schaufenster immer so geschmackvoll dekorieren und hier nur Leute mit geringem Einkommen einkaufen dürfen und er bei mir in der Nähe ist und ich da  noch am liebsten meine Klamotten abgebe. Ich bleibe frohgemut.

Weiter in Richtung EKZ - vielleicht eine dem Herbst und der noch nicht angeworfenen Heizung angemessene  Jogginghose kaufen? Als ich ankomme, fällt mir ein „Ist ja Wochenmarkt!“ und ich finde natürlich nicht mal eben einen Parkplatz. Egal!  Ich bleibe frohgemut.

Weiter zum Sozialkaufhaus „Stilbruch“ - bloß kucken, nichts kaufen! Versprochen! Obwohl …. Die haben manchmal ganz tolle Sachen… Nein, nein. Aber schau doch mal: dieser Korbsessel käme meinen Vorstellungen schon ein wenig entgegen… Dann entdecke ich aber Macken im Geflecht, was den Spottpreis von 15.- rechtfertigt. Gottlob, hätte eh nichtgewusst, wie ich das Teil nach Hause  hätte kriegen sollen. Ich bleibe frohgemut.
P1140213.JPG
 
Eine Wetterjacke von namhaftem Hersteller….? Ja, zu dem Preis! Kommt mit!
An der Bücherecke komme ich eh nie ungeschoren vorbei. Sei ´s drum! Eben ein paar Bücher mehr, die ich nicht gelesen kriege, weil mir die innere Ruhe dafür fehlt und ich eigentlich ja eh auf e-book umgestiegen bin.
Ich wähne mich glücklich ob meiner Standhaftigkeit, zumindest aber frohgemut.

Schmeiße zuhause als erstes die Wama an, um diese Jacke durchzuwaschen, packe gleich noch was in der gleichen Farbe dazu.
Während die Wama rumrödelt, koche ich Pastinaken-Möhren-Gemüse und pflücke mir was von meiner marokkanischen Minze für den Tee ab. Immer noch frohgemut.
 
Beim Wäsche rausholen denke ich noch „Ach, Wäschewaschen mach ich noch am liebsten von dem ganzen Haushaltskram“ – aber dann stehe ich erst mal neben mir: die dunkelblauen Sachen sind besprenkelt mit was Weißem, dass ich am ehesten noch mit Waschpulver assoziieren würde. Ich habe aber Flüssigwaschmittel benutzt. Ich gehe mit den Teilen nach draußen und schüttel sie so doll ich nur kann. Ergebnis: jetzt bin ich auch noch eingesprenkelt. F… Noch mal und noch mal schütteln… Nix. Ich lasse ab von dem Unterfangen und will erst mal wenigstens die Wama und das, was demnächst da noch drin rumwirbeln darf, retten, indem ich sie (das soll man ja sowieso alle paar Monate mal machen) auf 90 Grad leer laufen lasse, um ihr einen innerlichen Putzgang zu spendieren.

Mittagessen. Ja, schmeckt, ist genießbar, aber keine Haute Cuisine. (die kriege ich sowieso nicht hin, will ich auch gar nicht, bin eine Ungern-Köchin)
Widme ich mich erst mal dem PC und den Fotos auf der Speicherkarte.  Hä? Wieso nimmt der die Speicherkarte jetzt nicht an? Was soll das denn? Hat er doch immer gemacht… Ich befürchte, der Adapter für die Nanokarte ist verbeult, und ziehe die Winzkarte heraus und stecke sie in einen anderen Adapter. Na bitte, geht doch! Warum nicht gleich so??!!
 
Seltsam: irgendwie ist mir das "frohgemut" vom Tagesanfang etwas abhanden gekommen. Wirklich seltsam…
 
©ajs/tergea


P.S. weiß jetzt übrigens, was das für Sprenkel sind: die Taschen der Jacke  sind mit irgend so einem Gummizeugs beschichtet, das sich beim Waschen auflöste und hemmungslos streute.
Kann die Jacke wohl wegschmeissen…

 

Anzeige

Kommentare (1)

BerndMichaelGrosch

Stimmt - wirklich seltsam, bei all diesen 'Glücksfällen', die da zutage traten...Schöne Geschichte - hat mir ausnehmend gefallen.😌👍


Anzeige