Gab es um 1600 Basler Lebkuchen in Radeberg?


Gab es um 1600 Basler Lebkuchen in Radeberg?

In einer historischen Nachricht aus der Schweiz ist bekannt, dass der „Basler Lebkuchen“ nach 1592 auch als Handelsware in Radeberg und Pulsnitz auftauchte. Da es jedoch in Pulsnitz seit 1558 eine zünftige Lebkuchenproduktion gab, die den Verkauf andererorts hergestellten Lebkuchen verbot, wurde Radeberg vermutlich zum Ausweichort. Zumal es hier montags und freitags einen Naturalmarkt gab, der in seiner historischen Dimension bisher unterschätzt wurde. Das Auftauchen des Basler Lebkuchens dürfte mit dem Dreißigjährigen Krieg um 1630 eingegangen sein. Der damals gehandelte Basler Lebkuchen war einfachster Art, ein „trockener Kuchen“, der traditionell mit Butter und Quittenmarmelade bestrichen wurde. Basler Lebkuchen wurde nur in der Advents – und Weihnachtszeit vertrieben und hatte seinen Ursprung in der Basler Herbstmesse, die zu Martini (11. November) endete. Von hier zogen die Händler dann in alle Gegenden, wodurch auch der Name Radeberg auftaucht.

Der Basler Lebkuchen ist dann wieder unter der Herstellung in der Radeberger Pfefferküchlerei Nake am Ende des 19. Jahrhunderts zu finden. Er bot den Lebkuchen aber dann schon in Form des aufgekommenen Basler Läckerli an. Es ist anzunehmen, dass Nake auf den Begriff Lebkuchen zurückgriff, weil in der Vorweihnachtszeit der Begriff des Lebkuchens in unseren Breitengraden einfach bekannter ist, denn das Läckerli ist eigentlich ein Honigkuchen. Zu den Grundbestandteilen gehören im Verhältnis von 3 zu 2 Weizenmehl und Honig. Neben Orangeat und Zitronat werden allerhand Gewürze und in Kirschwasser oder Rum eingelegte Früchte verwendet. Der Verkauf dieser Ware in Radebergs Vorweihnachtszeit ist bis in die 1920er Jahre fassbar.

Bei meinen Forschungen stieß ich auf ein zweites Unikat vorweihnachtlicher Leckerei. Hierbei handelt es sich um den Begriff „Herrnhuter Gebäck“. Da in der einschlägigen Literatur nichts zu finden war, wandte ich mich an das Herrnhuter Heimatmuseum und erhielt kürzlich auch eine Antwort. Demnach setzt sich das Herrnhuter Gebäck aus vier Elementen zusammen. Zunächst sind es Herrnhuter Herzen. Dies ist ein mit Himbeermarmelade gefüllter Mürbeteig, der zuletzt mit einem Zuckerguss aus Puderzucker und Zitronensaft bestrichen wird und einen Mandelkern als Verzierung erhält.
Zum Begriff des Gebäcks gehören auch das Herrnhuter Schwarz-Weiß Gebäck, ein aus Weizenmehl, Butter, Zucker und Kakao hergestelltes Teegebäck. Die Gnadauer Brezeln, nach einer Ansiedlung der Herrnhuter Brüdergemeinde bei Barby benannt, ist ein weiterer Bestandteil der erwähnten Backwaren. Und letztlich gehören noch die Herrnhuter Schwesternküsse dazu. Dies ist zwar kein Gebäck im eigentlichen Sinn, da als Schmätzchen aus Baissermasse hergestellt, aber als Leckerei zu empfehlen. Die drei zuletzt genannten Produkte werden noch heute von der Bäckerei Paul in Herrnhut hergestellt. Das gesamte Herrnhuter Gebäck gehörte zwischen 1895 und etwa 1910 zum Advents- und Weihnachtsangebot des Cafes Messerschmidt in Radeberg. Zudem wurde es zu vorweihnachtlichen Feiern in Langebrücker Gaststätten und Cafes gereicht.

haweger, vor dem 1. Advent 2016

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