Gedanken zum Sonntag

Autor: Dnanidref
Hymne an „Mutterns Hände“

Hast uns Stullen jeschnitten
und Kaffe jekocht
un de Töppe rübajeschom –
un jewischt und jenäht
un jemacht und jedreht . . .
alles mit Deine Hände.

Hast de Milch zujedeckt,
uns Bonbons zujesteckt
un Zeitungen ausjetragen –
hast de Hemden jezählt
un Kartoffeln jeschält . . .
alles mit Deine Hände.

Hast uns manches Mal
Bei jrossem Schkandal
Auch ´n Katzenkopp jejeben,
hast uns hochjebracht.
Wir wahn Stickere acht,
sechse sind noch am Leben;
alles mit Deine Hände.

Heiß war ´n se un kalt.
Nu sind se alt.
Nu biste bald am Ende.
Da stehn wa nu hier,
und dann komm wa bei Dir
un streicheln Deine Hände.

Kurt Tucholsky


Anmerkung:
Auf der Rückfahrt von einem schönen Bade-Samstag mit Freunden habe ich sinnend im Zug gesessen,
mir gegenüber saß ein alters Mütterlein mit Händen voller Furchen – alleine und vergessen . . . ?

Ihr Gesicht fing an zu strahlen und Sie erzählte: „Ich fahre meine Tochter und Enkel besuchen,
wusste nicht was ich mitnehmen soll und so habe ich in der Tasche hier, nur einen selbstgebackenen Kuchen.
Ich kann sonst nichts schenken, weil alles teuer ist und ich nur eine kleine, bescheidene Rente habe,
das Fahrgeld das schickten sie mir vor ein paar Tagen zum Geburtstag, mit den Geschenken als kleine Zugabe.“

Ein kleines Gedicht am Sonntag, dass möglicherweise die einen oder anderen auf Gedanken und Ideen bringen könnte, wenn …..ja, wenn man noch eine Mutter hat!

Damit wünsche ich allen Mitgliedern und Besuchern einen schönen Muttertags-Sonntag heute!

Kommentare (8)

adrian
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Liebe Inge adrian -
Wunderbahr das Gedicht am Sonntag
Zsuzsannaliliom
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Hymne an „Mutterns Hände“ Zsuzsannaliliom -
Hallo Ferdinand!
Danke dir für dieses schöne Gedicht!

Gute Nacht!
von Zsuzsi
Dnanidref
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Danke, liebe Monioma, Dnanidref -
für diesen herzlichen Kommentar, aus dem viel Liebe, Dankbarkeit und gute Gefühle gegenüber der alt gewordenen Mutter sprechen. Es gibt nicht so sehr viele, die die Möglichkeiten hatten ihrer Mutter aber auch beiden Elternteilen über längeren Zeitraum etwas zurückeben zu können.

Auch mein Vater war ein herzensguter Mensch, der sich und seine Gesundheit für uns Kinder geopfert hat.

Dieses Gedicht verbunden mit meinen Gedanken und denen der Kommentare sollte auch Anregung für Jüngere sein, mal intensiver darüber nachzudenken. Darum habe ich diesen Beitrag auch in anderen Netzwerken gepostet.
Monioma
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Auch ich habe noch eine Mutter... Monioma -
...sie ist 95 und ich habe sie seit 10 Jahren bei mir! Ich hoffe, ich konnte und kann ihr in dieser Zeit ein wenig von dem zurück geben, was sie für mich getan hat! Es ist nicht immer leicht und manchmal muss ich auf einiges verzichten...
Aber wahrscheinlich musste auch sie in früherer Zeit meinetwegen auf vieles verzichten...
Morgen bringe ich sie für 10 Tage in ein schönes Heim, denn auch ich brauche manchmal eine Auszeit. Sie weiß und akzeptiert das, denn sie weiß auch, dass ich sie auf jeden Fall wieder da heraus hole...
Danke für das Gedicht, wenn es manchmal zu schwierig wird, sollte man an diese Zeilen denken...
Monioma
Dnanidref
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Herzlichen Dank, Dnanidref -
für die bisherigen nachdenklichen und sehr liebevollen Kommentare die auch Schiksale weiderspiegeln und Erinnerungen wecken und ein guter Anreiz sind für generationsübergreifende Anregungen.

Auch mein liebes Mütterchen ist nach sehr schwerem und langen Leidensweg vor zehn Jahren verstorben. Doch ich besuche sie öfter zur stummen Zwiesprache am Grabe und bekomme dadurch Gefühle vermittelt, dass ich danach die besten Ideen und Anregungen habe.
alusrulegov
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gedicht alusrulegov -
dieses Gedicht hat mich sehr berührt. Gerne würde ich die
Hände meiner Mutter streicheln aber leider ist sie schon
über 20 Jahre tod.
nnamttor44
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Danke Ferdinand, nnamttor44 -
dieses Gedicht sollten sich Alle gelegentlich verinnerlichen - und danach handeln. Oft wird es leider vergessen - wie die Mutter.
Ich wünsche Dir einen schönen Sonntag
Uschi
inge43
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gedicht inge43 -
danke ferdinand,dass du dich an das gedicht erinnert hast.
ich kannte es auch. ich hatte das glück, meiner mutter noch oft zu dankem,als sie meine hilfe brauchte.
oft vergessen es aber die kinder.
herzlichen gruß ingrid