Leider kann ich nicht reimen und nicht dichten,
möchte aber Eure Aufmerksamkeit
auf dieses Gedicht von Mascha Kaleko richten !


Ich bin sehr beeindruckt, dass sie, bedingt durch ihre schweren Lebensumstände
– voll Melancholie – dieses so viel Lebensfreude ausstrahlende Gedicht zu Papier brachte:


Sozusagen
grundlos vergnügt

Ich freu' mich,
dass am Himmel Wolken ziehen
und dass es regnet,
hagelt, friert und schneit.
Ich freu' mich auch zur grünen Jahreszeit,
wenn Heckenrosen und Holunder blühen.
Dass Amseln flöten
und dass Immen summen,
dass Mücken stechen
und dass Brummer brummen.
Dass rote Luftballons ins Blaue steigen.
Das Spatzen schwatzen.
Und dass Fische schweigen.

Ich freu mich,
dass der Mond am Himmel steht
und dass die Sonne täglich neu aufgeht.
Dass Herbst dem Sommer folgt
und Lenz dem Winter,
gefällt mir wohl. Da steckt ein Sinn dahinter,
wenn auch die Neunmalklugen ihn nicht sehn.
Mann kann nicht alles mit dem Kopf verstehn!
Ich freue mich.
Das ist des Lebens Sinn.
Ich freue mich vor allem,
dass ich bin.

In mir ist alles aufgeräumt und heiter:
Die Diele blitzt. Das Feuer ist geschürt.
An solchem Tag erklettert man die Leiter,
die von der Erde in den Himmel führt.

Gedicht von Mascha Kaleko

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Kommentare (2)

pelagia es ist auch schön, ein Gedicht, das man persönlich mag, mit anderen zu teilen. Ich liebe die Gedichte von Mascha Kaleko sehr und die Biographie, die immergrün Dir empfohlen hat, ist ausgezeichnet.
immergruen Wenn Du nicht dichten kannst, dann doch zumindest reimen, wie Deine Einleitung zeigt.
Die Kaleko ist eine wunderbare Lyrikerin mit einer Sprache voller Witz, Ironie,Verstand und auch ein wenig Frechheit im Sinn von jugendlicher Unbekümmertheit, die im Laufe ihres Lebens oft von dunklen Wolken verschattet wird.
"Man kann nicht alles mit dem Kopf verstehen" ,sagt sie. Ich sage, vieles versteht man am ehesten mit dem Herzen.
Es gibt eine wunderbare Biografie über Mascha Kaleko von Jutta Rosenkranz

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