Gehet hin?

 Hallo, alle die noch lesen möchten  …
Ich hab mir in aller Ruhe all die tollen Kommentare zu dem leidigen Thema »Missionierer« (von unserem Syrdal) durchgelesen. Im Wesentlichen wäre nichts mehr dazu zu sagen. Und doch - es juckt mir - wie man so schön sagt- in den Fingern, letztlich doch noch etwas zu bemerken.
        
       Jahrzehnte lang hatte ich (aus beruflichen Gründen) mit diesen missionierenden Menschen zu tun, die mich in ihr Himmelreich einladen wollten, ob ich es wollte oder nicht. Da kamen die Zeugen, die mir wunderbare Dinge erzählten, als ich sie dann mit Fakten und Gegendarstellungen konfrontierte, wurden sie zornig und ausfallend. (Nicht nur einmal!)
        Dann waren es Freunde aus der NAK (Neuapostolische Kirche), die ich aus familiären Anlässen näher kennenlernen musste! (Ich konnte ihren Lehren, die der »Stammapostel« vorstellt und lehrt, stets etwas Handfestes entgegensetzen - da wurde ich ausgeschlossen aus dem Kreis jener Verwandten!)
        Dann durfte ich jemand die Hand an der Haustür reichen, der mir gleich sagte: „Das Buch Mormon ist das richtigste aller Bücher auf Erden und der Schlussstein unserer Religion.“
(Zitat von Religionsstifter Joseph Smith)
Da jenes Buch also wichtiger war als die Bibel, war es mit meinem eigenen Glauben vollkommen divergent. Eine weitere Missionierung erschien ihnen dann doch aussichtslos.
        
       Ich bin danach noch vielen dieser Jesus-Freaks und Fundamentalisten begegnet, habe dabei nichts weiter Weltbewegendes erfahren als die Tatsache, dass jeder von ihnen so indoktriniert war, dass er durch Autosuggestion selbst das glaubte, was er »verkündete«!
        Da machen auch die evangelikalen Erweckungsbewegungen aus dem 19.Jh., wie es beispielsweise die Pfingstler sind, keine Ausnahme. Sie werden immer beliebter. Damit die Anhänger dann aber nicht in Scharen die alten Kirchen verlassen, werden sie teilweise in dieselben integriert!
Eigentlich sind sie aber nur ein Indikator für vielerlei religiöse Sehnsüchte! Hier haben vielleicht die Großkirchen versagt bzw. zu spät Notwendigkeiten gesehen.
           Ich selbst halte es immer noch so, wie Friedrich II. es einst sagte: »Jeder soll nach seiner Façon glücklich werden!«
Allerdings bitte ich mir aus, dass ich mich gegen jeden mir aufgezwungenen Glaubenssatz zur Wehr setzen kann! Die »Versüßlichung« des Christentums zur Beruhigungsreligion kann nicht das Ziel des Glaubens sein. Dann nämlich wären wir genau so weit wie in der vorreformatorischen Zeit - und dann wäre vielleicht schon wieder eine Reformation fällig?
 

 Zum  Schluss noch ein Wort von Jean-Jacques Rousseau (1712-1778):
Der Gott, den ich anbete, ist nicht ein Gott der Finsternis;
er hat mir den Verstand nicht gegeben  um mir den
Gebrauch desselben zu untersagen! Von mir verlangen,
meine Vernunft gefangen zu geben, heißt ihren Schöpfer beleidigen!


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Kommentare (2)

Syrdal


Lieber Pan,
das sind Erlebnisse, die auch ich – und sicher manch anderer hier – in solcher oder ähnlicher Weise erfahren hat, Erlebnisse, die mich innerlich frösteln lassen… vor allem deshalb, weil sie im freundlichen Gewand der Nächstenliebe und herztief besorgter Seelenfürsorge „verpackt“ daher kommen, im Grunde aber nichts anderes sind als hart gezielter Seelenfang für den Teufel in Form einer sogenannten Religions- oder Glaubensgemeinschaft, in der die unbedarften „Neulinge“ sehr schnell zum Sklaven der jeweiligen Ideologie gemacht werden und auch rasch in Begleitung eines „geistigen Vaters“ von Haus zu Haus oder in belebten Straßen auf Missionstour geschickt werden. – Und auch die hier im ST allmorgendlich eingestellten „Tagessprüche“ kann man gut und gerne solch einem unterschwellig gezielten Missionssystem zuordnen. Kein Wunder, dass ich dann sofort das innere Frösteln bekomme…

Nun will ich aber nicht verhehlen, dass auch unsere offiziellen „Großkirchen“ einer durchaus kritischen Betrachtung bedürfen. Auch wenn ich als evangelischer Christ meinen fest in mir verankerten Glauben lebe, gibt es etliches, was mir an den kirchlichen Istitutionen nicht gefallen kann, auch wenn das meinen Glauben nicht tangiert oder gar beeinflusst. Aber ein mitwirkendes Engagement verbietet sich für mich, wenn ich so manche Aussage des beleibten Katholenfürsten Marx oder des ach so hoch über aller Wahrheit stehenden Evangelen und ständig sichtlich falsch grinsenden Selbstdarstellers Bedford-Strohm höre. Doch halte ich mich von diesen zutiefst irdisch-düsteren Verderbtheiten fern und lausche lediglich der sonntäglichen Exegese, solange diese nicht auch noch auf aktuell-politische (schräge) Gleise gerät.

Damit will ich sagen, dass nirgends alles Gold ist, was glänzt. Also muss ein jeder s e i n e ganz eigene Form des Glaubens finden und so danach leben, dass sich die Seele zum Ende der Erdenwanderung ohne Scham und Reue ins Licht des Himmels begeben kann.

Lieber Pan, danke für deine Gedanken zum Thema sagt
Syrdal
 

HeCaro

Lieber Pan, 
mit großem Interesse habe ich Deinen Blog gelesen. In einer Zeit tiefer Zweifel habe ich mich intensiv mit dem Glauben der anderen Religionen beschäftigt,  mich in die Literatur eingelesen und  viele Gespräche geführt. Du wirst es nicht glauben aber mit den Mormonen und den Zeugen Jehovas habe ich die gleichen Erfahrungen gemacht wie Du. 
Ich habe sie als religiöse Eifererer erlebt,  die keine Argumente gelten lassen und nur um jeden Preis missionieren wollen. 

Danke für Deine klaren Worte.
Ich wünsche Dir noch eine schöne Weihnachtszeit.

Liebe Grüße, Carola  
 


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