Hallo Frau X, am 9. Mai ist Muttertag!



Diese freundlich gemeinte Werbe-Erinnerung für den kommenden Sonntag erhielt ich heute per E-Mail.

Spontan fand ich das – für mich – ein wenig gedankenlos! Aber woher sollen die Werbeleute meine besondere Situation kennen?

Ich werde diesen Sommer 77 Jahre (jung?), gehöre also schon zur betagten Generation, wie man heute sagt.

Meine Mutter starb 1951 mit 34 Jahren, meine Stiefmutter 2014 mit 90 Jahren und meine Schwiegermutter, die ich als solche auch nicht eines Geschenkes für würdig gehalten hätte, gibt es zum Glück seit 1988 nicht mehr. Was ich oft an Bosheiten von ihr erlebte, möchte ich hier nicht wiedergeben. Sicher, sie war psychisch krank. Doch als Mutter mochten weder ihre eigenen Kinder sie beschenken, sie sehen, noch ich. Der Blumenstrauß viele Jahre für sie war eher Heuchelei.

2013 kam mir eine recht spannende Idee in meinen Kopf: Jahrzehnte hatte meine Tochter auf eigene Kinder aufgrund ihrer Wirbelsäulenversteifung sowie durch Blutübertragungen bei der Operation mit 13 Jahren einen Diabetes Typ 1 bekommen, verzichten müssen. Es hieß immer, sie dürfe keine Kinder bekommen.

Aufgrund neuerer medizinischer Erkenntnisse änderte sich diese ärztliche Ansicht in den ersten 2000er Jahren. 2012 bekam sie ihren Sohn, so eben noch, bevor sie tatsächlich zu alt zum Kinderkriegen war. Der Junge ist unser aller Glück!! Sie konnte ihn per Kaiserschnitt in die Welt entlassen, er hat auch nicht ihren erblichen Diabetes Typ 1, den sie ja auch nicht geerbt, sondern durch nicht ausreichend getestetes Fremdblut bekommen hatte.

Dieser Junge ist mein einziges Enkelkind, leider wollte unser Sohn keine Kinder in die Welt setzen. Schon fast von Anfang an hab ich meiner Tochter "für ihr Mutter werden" jedes Jahr einen dicken Blumenstrauß zum Geburtstag ihres Sohnes sowie auch zum Muttertag geschenkt, denn es ist für mich eines der schönsten Geschenke meines Lebens, dass sie doch noch Mutter werden wollte – trotz vielfacher Schwierigkeiten, die sie dadurch für einige Monate akzeptieren musste.

Auch ihre eigenen Ängste, was würde passieren können, wenn sie wieder eine heftige Unterzuckerung während der Betreuung ihres Kindes bekäme, was, wenn sie mal wieder ins Zuckerkoma fallen würde, aus diesem nicht mehr erwachen würde, so lange der Junge noch Kind ist? Aber all das geschah nicht! Ihr Körper hat sie gelehrt, so gut mit ihrem Diabetes zu leben (oft gegen den Rat der Ärzte, die vielfach nur den Alters-Diabetes im Kopf hatten - ist nicht miteinander zu vergleichen!), dass sie auch nach über 35 Jahren noch ohne „Spätschäden“ lebt!

Ich bin einfach nur dankbar, dass sie – und ich mit ihr – diese Zeit erleben durfte, darf! Sie bekommt auch dieses Jahr zum Muttertag einen dicken Blumenstrauß. Das war 2020 und im Februar 2021 noch nicht möglich, aber nächste Woche!!!
 

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