...halt’ auch die and’re Wange hin


...halt’ auch die and’re Wange hin

*
Ein Wort der Bibel lässt mich grübeln;
- und in mir regt sich Widerspruch.
Man möge dies’ mir nicht verübeln,
auch wenn’s Kritik am Heilig’ Buch.
*
Da Gott mir hat Verstand gegeben,
zu denken meinen eig’nen Weg
und blind nicht nach der Schrift zu leben,
denk’ ich, es ist kein Sakrileg.
*
Nicht sind als Lämmer wir geboren,
zu dulden und zu leiden nur.
Zu And’rem war’n wir auserkoren,
statt nur zum Trieb oder zur Schur.
*
So sträubt sich denn in meinem Inner’n
alles, was machet meinen Sinn,
wenn ich mich muss der Wort’ erinnern:
`Halt’ auch die and’re Wange hin.
*
- Was geb’ ich damit zu verstehen,
wenn ich befolge diesen Rat ?
Der Gegner wird’s vielleicht so sehen:
`Fahr’ fort mit deiner Übeltat !
*
Was mag dies wohl für ihn nun heißen ?
- Wie Hohn es auf ihn wirken kann:
`Nicht kannst’ aus meiner Ruh’ mich reißen,
denn für mich bist kein ganzer Mann...
*
Wenn man nun Jemand so beschämet,
kann dies’ im christlich’ Sinne sein ?
Noch mehr der Gegner sich dann grämet,
da er sich fühlet allzu klein.
*
Ist’s Nächstenliebe, so zu handeln..?
Ist’s nicht vielmehr dasGegenteil?
Wird ein Aggressor sich denn wandeln,
wenn Schmähung so ihm wird zuteil...?
*
Dies wag’ ich doch zu bezweifeln nun;
- Die Gest’ verkehret ihren Sinn.
Darum : Will Jemand dirArges tun,
halt n i c h t die and’re Wange hin ...
*
BMG


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Kommentare (11)

Distel1fink7

Gottes Wort ist noch älter als 2000 Jahre. Eben !
Jesus sprach z.B in aramäisch zeitgleich. Er ist zig fach in
verschiedenen Sprachen übersetzt worden. Seine Gleichnisse
finde ich gut, man muss allerdings die damalige Zeit/Situation
berücksichtigen,. ich persönlich nehme alles nicht mehr so 
wörtlich gemessen an der heutigen Sprache.

Wird jemand in 2000 Jahren wissen, dass "geil" heutzutage auch
für gut verwendet wird. ? ect.

In meinem Herzen und mit meinem kleinen Verstand  übersetze ich
ihn den Menschensohn Jesus.

Gruß vom Distel1fink7

BerndMichaelGrosch

@Distel1fink7  Recht hast Du - wirklich wissen tun wir eigentlich nichts....

Ufera

Du sprichst mir aus der Seele.

BerndMichaelGrosch

@Ufera  das freut mich, doch viele Menschen sehen das auch anders - oder geben es zumindest vor. Gerade 'Christen' überziehen die Welt ja mit Kriegen und anderem Terror und halten höchstens die Hand auf, statt die andere Wange hin...

Veko

@BerndMichaelGrosch  
Da hast Du wohl Recht Bernd und wenn Christen dann auch noch einen „Kreuzzug“ gegen die „Achse des Bösen“ führen, (W. Busch) dann stößt es einem bitter auf. Vielleicht ist uns Menschen die Leichtfertigkeit anerzogen, uns kriegerisch anmaßend zu bewegen. Schließlich sorgte die Kirche einst dafür, dass uns unsere Sünden im Ablasshandel rasch vergeben wurden, vielleicht weil die Menschheit vielfach auch für kirchliche Interessen in den Krieg zog. Wenn die rechte Wange einen Streich einfängt, auch noch die linke darzureichen, das steht im krassen Widerspruch zur heute noch praktizierten Segnung von Kriegsgerät vor Kampfeinsätzen der Bundeswehr durch Militärpfarrer.
Kirche und christlich humanistischer Glaube ein Widerspruch?

Wenn sich die christliche Religion auf die oratio montana (Bergpredigt) als Basislehre begründet, so waren es doch in erster Linie die Kirchen als Institution, die dieser moralisch anspruchsvollen und hoch tragfähigen Lehre diametral gegenüber stand und noch steht und nicht irgendein Mythos. Wer eine Lehre im Namen Jesus verkündet, selbst aber in seinem Wirken über die gesamte Zeit des christlichen Glaubens zuwider handelt, erreicht gerade das, was wir derzeit erleben, ein sich Abwenden von der Institution, aber trotzdem ein Verharren im Glauben an diese Lehre. Denn nur darin sind die wahren christlich humanistische Ansichten tief verwurzelt. Wer sie aus Überzeugung als Maßstab für sein eigenes Handeln verinnerlicht, muss heute nicht mehr zwangsläufig einer oder der Kirche angehören. Da spielt es keine erhebliche Rolle, wie alt die Texte sind, die in den vergangenen Jahrhunderten immer wieder dem Zeitgeist angepasst wurden. Die Aussage ist schließlich maßgeblich. Aber ob ich auch die linke Wange hinhalte hat zum einen mit meinem Selbstwertgefühl zu tun, zum anderen sollte es mich vielleicht ermutigen, über mein eigenes Verschulden nachzudenken. War der Schlag gerechtfertigt, oder nicht?
In ihrer Geschichte hat gerade diese Institution eine breite Spur der Gewalt hinterlassen, angefangen von den Kreuzzügen, den brutalen Auswüchsen von Missionierungen, besonders in Lateinamerika in Zeiten spanischer Eroberungen, den exotistischen Teufelsaustreibungen, und dem sexuellen Missbrauch Schutzbefohlener. Das Letztere bezieht leider die reformierte Kirche mit ein.
Erinnert sei auch rückblickend an das Alhambra Edikt, das, am 31. März 1492 in der kastilischen Version von der katholischen Königin Isabella von Kastilien und Ferdinand II. von Aragon (Ferdinand V.) unterschrieben, die Vertreibung der Juden aus dem katholischen Spanien besiegelte. Wer den Pogromen auf der iberischen Halbinsel nicht zum Opfer fiel, wurde im Rahmen von Massenkonvertierungen gezwungen, dem christlichen Glauben beizutreten. Das war zeitgleich mit dem Beginn der „Heiligen Inquisition“.
Nachzulesen im Buch von David Nierenberg/Anti-Judaismus: Eine andere Geschichte des westlichen Denkens.
Die Kirche sollte also nicht moralisierend predigen, sondern erst einmal selbst bekennen und dazu reicht es bei Weitem nicht, wenn sich der jetzige Papst für die -Verbrechen im Namen Gottes- entschuldigt. Das ist eine versöhnliche Geste, mehr aber auch nicht.
Veronika

BerndMichaelGrosch

@Veko  Schön, dass Du auch über die spanische Geschichte informiert bist. Auch ich habe sie in einem Buch über den Islam erwähnt. Die Moslems erlaubten Juden und Christen in Frieden zu leben -. und werden heute ausgerechnet von uns als kriegerisch dargestellt...

Syrdal


Es geht hier um eine Aussage
im heiligen Buch der Bücher,
die wohl zumeist hinführt zur Frage,
wird‘s gut oder wird‘s nur ärger,
wenn ich des Wortes Sinn annehme
im Vertrauen, dass das Böse
zum Guten umkehrt und am Ende
sich in Wohlgefallen löse...


...überlegt nachsinnend
Syrdal

BerndMichaelGrosch

@Syrdal  ja, die unterschiedlichen Sichtweisen des Menschen - seien wir froh, dass es (noch) so ist...

Manfred36

Auge für Auge und Zahn für Zahn. Ich aber sage euch: Leistet dem, der euch etwas Böses antut, keinen gewaltsamen Widerstand, sondern wenn dich einer auf die rechte Wange schlägt, dann halt ihm auch die andere hin (Jesus in der Bergpredigt).

Jesus glaubte, dass sich seine Mitmenschen durch Liebe und Vergebung, aber auch durch aktiven Streit für Gerechtigkeit verändern können.

Der Mythos der erlösenden Gewalt andererseits ist, kurz gesagt, ein verabsolutierter Nationalismus …Der Gott dieses Mythos ist nicht der unparteiische Herrscher aller Nationen, sondern ein Stammesgott,“ Diesem Mythos stehen die Inhalte der Bergpredigt diametral entgegen.
Bis heute wird die Feindesliebe im gesellschaftlichen Dialog meistens als „naiv“ angesehen und wenn überhaupt nur auf das individuelle Verhalten des einzelnen Christen bezogen. „Die Alternative, das Böse in mir anzunehmen und Gott auch im Feind anzuerkennen, ist für viele Menschen einfach eine zu fremdartige Vorstellung.“
Bis vor einigen Jahrzehnten war es in Deutschland keine Gewalt, wenn Lehrerinnen und Lehrer als pädagogische Maßnahme geschlagen haben – heute undenkbar. Vergewaltigung in der Ehe war „legitim“ – unfassbar. Auf Homosexualität stand die Todesstrafe … Eine Transformation des Denkens und Handelns ist also möglich.

Wenn diese Aussagen Jesu ohne den historischen Hintergrund ausgelegt werden, kann dies letztlich nur in die Irre führen.
Einladung an Schlägertypen und gewalttätige Ehepartner, eine solche Passivität hat Jesus nie an den Tag gelegt.“ „Das erste Prinzip gewaltfreien Handelns besteht darin, jegliche Kooperation mit der Erniedrigung zu verweigern“, so Gandhi. Es ging Jesus darum, den Kampf gegen die ungerecht herrschenden Mächte und gegen Gewalt in dem beschriebenen umfassenden Sinne aufzunehmen, ohne sich selbst durch die falschen Mittel der Gewalt, in das zu verwandeln, was er verändern will. Den Gewalttätern wird zudem ein Ansatz geboten, ihr Gesicht zu wahren“, sie können Handelnde bleiben und müssen nicht zu weiterer Gewalt greifen.
Jesus setzt sich nicht für Gewaltfreiheit als bloße Technik zum Überlisten des Feindes ein, sondern sieht sie als gerechtes Mittel, sich dem Feind auf eine Weise zu widersetzen, die auch ihm die Möglichkeit offen hält, gerecht zu werden.



 

BerndMichaelGrosch

@Manfred36  Worte Jesu:

Denkt nicht, ich sei gekommen, um Frieden auf die Erde zu bringen. Ich bin nicht gekommen, um Frieden zu bringen, sondern das Schwert.
(Mat 10,34)

Manfred36

@BerndMichaelGrosch  
Denkt nicht, ich sei gekommen, um Frieden auf die Erde zu bringen.
Das Schwert als Symbol des Streites ist  nicht der Zweck, sondern eine unausweichliche Konsequenz Seines ersten Kommens.


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