Himmel mit und ohne Wolken


Himmel mit und ohne Wolken

 
Hast du schon einmal Wolkenformationen am Himmel betrachtet? Fantastische Bilder, nicht wahr?
Aber was sind schon Wolken? Gebilde aus Stickstoff und Sauerstoff, würde jetzt ein Physiker antworten. Wasser oder Eistropfen, die sich verdichten, um schließlich als lebenswichtiges Element in Form von Nebel, Regen oder Schnee die Erde zu benetzen.
      Ein Poet sieht das aus anderem Blickwinkel. Wolken sind für ihn der Vorhang, der vieles verbirgt, das zunächst unsichtbar bleibt oder vielleicht auch bleiben soll. Hinter einem Wolkenschleier erkennt man erst einmal nichts; später schiebt sich dann geruhsam das Bild in den Vordergrund, das eigentlich die Basis der Fantasie ist: der blaue Himmel. Oft besungen und mit unzähligen Gedichten bejubelt, bleibt der Himmel das unerreichbare Ziel aller Menschen.
      Der Himmel, unser blauer Himmel ist gewiss etwas Beständiges, ja sogar unerschütterliches. Wolken jedoch ziehen in ihrer Unbeständigkeit weiter und weiter, heute hier, morgen schon in unendlicher Ferne. Werden und Vergehen bilden diese Einheit, die das menschliche Dasein seit Jahrtausenden beherrscht und überhaupt erst möglich macht.
         So wie diese weißen bis dunkelgrauen Wolkenbilder ist auch das Leben der Menschen durch viele Zufälle und willkürliche Umständen wandelbar. Nichts bleibt konstant, alles ist ständig Veränderungen unterworfen. Wie eintönig und stumpfsinnig wäre doch ein Himmel ohne Wolken, wie geisttötend ein Leben, das stets berechenbar bleibt. Ich liebe die Wolken, die bizarren Gebilde, die sich ständig und unaufhörlich verändern. Aber ich mag auch das Blau des unendlichen Himmels, das zu jeder Tageszeit eine andere Farbnuance zeigt.
        Unser Leben scheint bisweilen solch ein Himmel mit eigenen Wolken zu sein! Ein eigener Himmel, aus der Ferne gesehen ist er wunderschön. Die Nähe erst zeigt die Wirklichkeit, den Alltag, das Leben im täglichen Kreislauf. Es ist dann wie ein Traum: Erwacht man daraus, ist man mitunter desillusioniert. Erst wenn diese menschlichen Ereigniswolken weitergezogen sind, hält auch die Realität wieder Einzug in das eigene Leben.
        Leben und Wolken, Dasein und Himmel, es sind scheinbar völlig andersartige Elemente. Trotzdem haben sie mehr gemeinsam, als man sich vorstellen kann. Beständigkeit verliert ohne ihren Gegenpol den Sinn, woran könnte man sie messen? Genauso ist es mit der Unbeständigkeit, sie gehört ohne Einschränkung in die Sphären der Wolkenschichten mit ihren turbulenten Auswirkungen. Es würde mir niemals in den Sinn kommen, einen Menschen danach zu beurteilen, welch aufwühlendes Leben er bisher durchstehen musste, ob nun gewollt oder auch unfreiwillig. Turbulenzen in einer Biografie sind die Wolken am Horizont des Lebens.               
        Wer wollte von sich selbst behaupten, sein Leben wäre stets in geraden Bahnen verlaufen? Ob nun ein heißer Samum in der Wüste oder ein kräftiger Nordweststurm an der Küste - die Ströme der Luftschichten über uns und ebenso die des Lebens sind selten eindeutig voraussehbar, wenn einmal wirklich eine Ahnung dessen sichtbar ist, dann wird das Resultat immer ein anderes sein, als wir es erwartet haben.
        Wolken am Himmel, bizarre Bilder, die in Sekundenschnelle wieder verschwinden. Wenn wir Menschen uns mit ihnen vergleichen würden, bliebe nichts übrig von allem, worüber wir uns ärgern oder was wir verachten.
Dann aber verblieben von all unserer Liebe im weiten Himmelsblau nur ein paar Wolkenfetzen.
Man darf die Wolken lieben, sollte aber dennoch mit den Beinen auf der Erde bleiben …


©2021by H.C.G.Lux

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Kommentare (3)

JuergenS

Die hängen auch in den Wolken oder dicht drüber

vio.jpg(Quelle wikipedia.de)

 

Syrdal


Wolken erscheinen in zeitlosen Formen am Firmament im ständigen Werden und Vergehen als zauberhafte Gebilde eines unsichtbaren Malers, der weder Pinsel noch Leinwand kennt, nur das Element Wasser, das er mal durchscheinend, mal dicht, mal gleißend weiß, mal drohend dunkel, mal flüchtig, mal ruhend, mal leicht, mal schwer, immer aber nach einem unfassbaren Willen über die Landschaften malt.

In der nordischen Mythologie gelten
Wolken als wesenhafte Dämonen oder Riesen. In der Edda, der alten heidnischen Weisheitslehre, sind Wolken aus dem Hirn des Urriesen Ymir erschaffene Gebilde. Dort heißt es im Grimnirlied (Vers 41): „Aber aus seinem Hirn sind alle hartgemuthen Wolken erschaffen worden.“ Und im gleichen Werk wird im Alwislied berichtet, wie der nordische Gott Thor den allwissenden Zwerg Alwis nach den Namen der Wolken befragt und umgehend eine Vielzahl verchiedener Namen erfährt.

In der jüdischen und christlichen Heilslehre spielen Wolken mehrfach eine gewichtige Rolle und Jesus ist – so wird in der Apostelgeschichte berichtet – in einer Wolke im Himmel aufgenommen worden. So ist dort zu lesen (Ag 1, V 9-11): Dann verhüllte ihn eine Wolke vor ihren Augen. Als sie nach seinem Verschwinden immer noch gespannt zum Himmel aufschauten, da standen auf einmal zwei Männer bei ihnen. Sie waren in leuchtendes Weiß gekleidet. "Ihr Männer von Galiläa", sagten sie, "was steht ihr hier und starrt in den Himmel? Dieser Jesus, der von euch weg in den Himmel aufgenommen wurde, wird genauso wiederkommen, wie ihr ihn habt in den Himmel gehen sehen."

Bei allen Völkern dieser Welt gibt es phantastische Geschichten um und mit den phänomenalen, aus Wolken bestehenden Himmelsbildern.

Heute haben die Meteorologen den hundertfachen Wolkenerscheinungen ganz spezifische Bezeichnungen zugeordnet und akribisch „jeden Wassertropfen am Himmel“ erforscht. Und doch ist auch uns noch immer das Wolkengeschehen ein zu bestaunendes Faszinosum ganz so, wie du es treffend beschreibst: ...“bizarre Bilder, die in Sekundenschnelle wieder verschwinden.“

Soweit ein kleiner Gedankenausflug zum Phänomen Wolken.
Mit strahlend blauem Himmel grüßt zum Maisonntag
Syrdal

 

ladybird

Lieber Horst,
Deine Betrachtung war spannend zu lesen, doch möchte ich mit einem Lächeln gestehen, dass es auf der  "Wolke 7 " doch recht
"abgehoben" und wohlig warm war....
lacht mit Gruß
ladybird-Renate

 


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