Ich zerhacke meine Kommode nicht



Ich zerhacke meine Kommode nicht

Von der Mitgift aus meiner Urgroßahn Händen
konnt' ich drei Stücke beiseite mir bringen.
Nicht nur Nostalgie, ich wollt sie verwenden
zu allen möglichen schönen Dingen.
Da war die Decker-Nähmaschine,
sie läuft noch heute, vier Generationen.
Sie ist so robust diese Arbeitsbiene,
man muss nicht wie die modernen sie schonen.
Sie hat ihren Platz, und wenn immer es geht,
find ich auch 'nen andern, wo sie dann steht.

Und da war die Truhe, ein Riesending;
Aussteuer in Massen hinein da ging.
Die habe ich auseindergenommen,
ihre zierigen Füllungen waren willkommen,
um Küchenschranktüren damit zu machen,
die passten zu anderen Eichensachen,
die damals schick und in Mode waren.
Reste davon sind hier noch nach Jahren
im Mooreichenschrank und Briefkasten zu sehn;
sie variieren die Eichenfarben so schön.

Da war die Kommode, aus Eiche geschreinert,
mit dem Stechbeitel zu Rosetten verfeinert
die Verzierungen, die das Auge bedienen,
es gab ja dafür noch keine Maschinen.
Die Kommode steht heute einsam im Keller.
Heute sind Möbel freundlicher, heller.
In ihre Schubladen ist das gekommen,
was auch ein Regal hätte aufgenommen.
Weggestellt, doch ich zerhack sie nicht;
denn damit verlöre ich mein Gesicht.



 


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Kommentare (4)

Willy
Willy
Mitglied

Na ja; ich denke, dass es ein älteres Gedicht von dir ist, dass du lediglich mit neuer Überschrift und veränderten Schlussvers versehen hast. Eine humorige Antwort auf das Gedicht vom "Elbwolf" ....?

Letzeres ungeachtes; ein Bekannter von mir, restauriert alte Möbel .....
W.

Manfred36
Manfred36
Mitglied


Ich habe früher keine „Gedichte“ gemacht. Aber alte Möbel restauriert. Bei meinen Kindern stehen noch welche, die in modernes Ambiente gut reinpassen.
 

elbwolf
elbwolf
Mitglied

Mon cher,
Du willst 21 ganze Minuten nach mir schon diese Epistel fertiggestellt und hochgeladen haben?
Hatte ich Dir nicht schon einmal von Schnellschüssen abgeraten? 

Und außerdem: ich sprach von "ihrer" Kommode, nicht von Deiner! Und ich stellte auch nicht in Abrede, dass der Kommoden-Zerhacker grundsätzlich sein Gesicht verlöre, griffe er zum Hackebeilchen.

Und dann hast Du das Postskriptum bei mir übersehen - darüber könntest Du Dir auch mal Gedanken machen - statt hier lediglich opportunistisch loszusprudeln und Deine Privat-Antiquitäten zu hätscheln.

Ansonsten, hoffe ich, gehts Dir gut!
elbwolf
 

Manfred36
Manfred36
Mitglied


Du hast völlig Recht, lieber Wolfgang,
wie fast immer. Ich mache jetzt mit der Stichworteritis aus dem ST Schluss, und mit den blöden Erinnerungen und Privat-Antiquitäten auch (die ich nach Willy nur aufzumotzen brauche). Ich nehme jetzt einen Rüttelbecher voller Begriffe und würfele einfach. Dann fällt mein angeborener Opportunismus nicht so auf. Also: Angepasst, chamäleonartig, prinzipienlos, wetterwendisch, konformistisch, gesinnungslos.
Ja, ich hoffe, mir geht’s ansonsten noch gut.
Hoffe auch dir
Manfred





 


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