Ist ein Lachen jetzt schon unmoralisch?


Ist ein Lachen jetzt schon unmoralisch?

Es ist wirklich eine nicht unbedingt angenehme Sache, den Kanzlerkandidaten Armin Laschet verteidigen zu müssen. Zu viele Fettnäpfchen sind es, in die ein Politiker hineintreten kann und es auch getan hat. Aber darum geht es eigentlich auch gar nicht.
        Es geht darum, dass Menschen hier Noten verteilen, die selbst ihre Tage damit zubringen, zu Hause auf der Couch zu sitzen und per Smartphone diese Noten ins Internet zu tippen. Sie mahnen gleichzeitig zu moralisch korrektem verhalten in einer Katastrophe, in der Tausende Hab und Gut verloren haben und über hundert Mitbürger ihr Leben verloren haben.
Wer weiß denn schon genau, in welchem Zusammenhang solch ein »fotogenes Lachen« entstand! Ist es denn so unmöglich, dass man auch einmal im Unglück lachen kann?
        Doch statt selbst anzupacken und den Hilfskräften vor Ort Hilfe anzubieten, spulen diese Typen stundenlang Videos zurück, um unbedingt festzustellen, dass der Betroffene nun tatsächlich: »Entschuldigung« gesagt hat. Sie wittern nur überall nur »männliche Toxine« und merken überhaupt nicht, dass es gar nicht darum geht; sondern dass im Gegenteil gerade jetzt die Jungs von Feuerwehr, Technischer Nothilfe und Bundeswehr den Karren aus dem Dreck ziehen. Im wahrsten Sinne des Wortes!
              Format muss man nicht nur als Kanzler haben, Format ist etwas, das auch dauertwitternden Berufsempörten gut anstehen würde. So lange immer noch Menschen ihr Zuhause oder gar ihr Leben verlieren, Menschen verzweifelt nach vermissten Angehörigen suchen und die nächste Flutwelle im Süden Deutschlands gerade Fahrt aufnimmt, wäre ein wenig Zurückhaltung über Stilfragen hilfreich - auch wenn es schwerfällt.
        Irgendwo wird immer ein Zipfel der Unzufriedenheit herausschauen, wer will das bezweifeln? Wenn sich jemand beschwert, dass am zweiten Tag nach der Katastrophe noch keine Listen vorliegen, (wie es ja geschehen ist), dann ist das doch ein Zeichen, dass der nichts verstanden hat von dem ganzen Unheil, dass über das ganze Land hereingebrochen ist!
        Kann man dann zur gleichen Zeit große Partys und Feten feiern, während die Nachbarn im anderen Bundesland ihre Toten beklagen?
Wenn das kein Stilbruch - oder wie man es anders nennen will - ist, dann kenne ich mich nicht mehr aus mit der Menschheit ...


©hcglux


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Kommentare (5)

werderanerin

Ja, lieber Horst...ich denke, dass ist durchaus ein zwiespältiges Thema - zum einen hätte ich wirklich sehr viel mehr Feingefühl von einem Kanzlerkandidaten samt "Gefolge" einfach mal vorausgesetzt aber man wurde eines besseren belehrt.
Leider...wahre "Charaktere" zeigen sich eben oft erst bei Krisen.

Aber offensichtlich ist auch bei Betroffenen oder auch anderen einfach mal das nötige Feingefühl abhanden gekommen oder war garnicht erst vorhanden - wer weiß das schon und auch wir hier kennen all die Menschen nicht und ahnen garnicht, was in ihnen vorgeht.

Das alles sollte man (wir) bei aller impulsiven Wortgefechten nicht vergessen.

Niemand ist vollkommen !


Kristine

Pan

Hallo Kristine,
Niemand ist vollkommen !
Treffend gesagt,  aber wird auch danach gehandelt? Erst einmal draufschlagen, wird schon den Richtigen treffen! DAS ist doch heute der Wahlspruch. Aber wehe, der Richtige ist der Schläger selbst. Dann hilft nur "Weh und Ach" klagen.
Ich denke, Nachdenken wäre angebracht - aber Vorher,
meint
Horst

werderanerin

...Vorher nachdenken, war schon immer hilfreich...

😉

Rosenbusch

@werderanerin  ich wollte allgemein auf den Blog antworten, geht aber seltsamerweise nicht, deshalb geht mein Kommentar als Antwort an Dich, aber egal.

Ich denke schon, dass ein Kanzlerkanditat sich anders verhalten muss, wie ein Mensch, der nicht den Anspruch darauf hat ein Land regieren zu wollen.

Ohne dass ich "Merkelianerin" bin, aber solche Entgleisungen gab es bei ihr nicht und für mich ist das Lachen von Laschent angesichts des Elends in den überschwemmnten Gebieten eben schon eine
.
Erinnert mich etwas an AKK, deren Fehler nahmen auch überhand, sie konnte sich in der Ebene der Bundesplitik mit entsprechender Bühne einfach nicht bewegen.

Herzlichst Rosenbusch

Juttchen

Hallo lieber Pan,
ich mußte auch schlucken, als ich den Mann im TV gesehen und gehört habe, wie er sich darüber empört hat, dass noch keine Listen mit den Vermissten vorhanden sind. Ich habe auch gedacht, warum ist der Typ so negativ, er sollte mal lieber die vielen Freiwilligen, die Feuerwehr, das Technische Hilfswerk und alle anderen Beteiligten loben und sich darüber freuen, dass schnelle Hilfe geleistet wird. Alle Helfenden haben nur zwei Hände und zwei Beine, können nur an einem Ort helfen und nicht überall tätig werden, und können sich nicht teilen.
Ich denke, allen Helfenden ist ein ganz besonderer Dank auszusprechen.
Einen sorgenlosen Nachmittag wünscht
Jutta


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