Kleine Ursache - Große Wirkung



Kleine Ursache – große Wirkung

Schon unsere Vorfahren kannten kaum mehr Angst vor einem mächtigen Mammut, als wir heute auch nicht gerade vor einem Elefanten davon laufen, wenn er hinter einem breiten Wassergraben im städtischen Zoo sein herrliches Leben fristet.
Aber im Verlauf der Evolution haben es sich noch diverse andere Tierchen auf unserem Planeten Erde bequem gemacht.

Warum auch nicht? Platz ist ja bekanntlich in der kleinsten Hütte.

Elefanten, wie schon oben erwähnt, lassen sich relativ gut und rechtzeitig mit unseren Adleraugen ausmachen, wenn diese Dickhäuter irgendwo an einer Ecke oder genau vor dem Eingang eines Supermarktes stehen. Dann heißt es schnellstens einen breiten Wassergraben um sie herum schaufeln oder eine Woche Heilfasten dank unaufgefülltem heimischen Kühlschrank. Da aber solche Erscheinungen, wie ein Elefant vor dem Supermarkt in unseren Breiten sehr, sehr selten vorkommen, liest man über diese auch kaum etwas in der morgendlichen Tagespresse.
Also lassen wir die wenigen Dickhäuter dieser Erde da wo sie gerade sind und kommen wir mal gleich zu anderen Lebewesen, welche im Gegensatz zu „Naddel“ und anderen „Promis“ auch niemals auf der Titelseite der „Bild am Sonntag“ ihre Erwähnung finden.

Die Rede (das Geschriebene) ist von den Kleinsten der Kleinen, welche im Einzelstück anwesend glatt und sehr mutig von uns übersehen werden. Treten sie aber in einer Masse von mehr als drei Exemplaren in unserer Umgebung auf, so erzeugen diese Tierchen doch schon mal allgemeine Hektik, diverse Schweißausbrüche und gelegentlich die blanke Todesangst bei uns ausgewachsenen Menschen. Ich spreche hier mit der Angst im Genick von Ameisen, Käfern, Mücken und Ein- bis Zweitagsfliegen.

Aber auch eine einzelne winzige bis metergroße Fangnetz webende Spinne (!) kann durch ihre meist ungewollte und plötzliche Anwesenheit bei den meisten männlichen und weiblichen Mitmenschen schon mal glatt den ersten leichten bis mittleren Herzinfarkt zum Vorschein bringen.
Es ist nun mal irgendwie seltsam, dass wir ausgewachsenen Menschen Pferde und manchmal sogar Hauskatzen liebevoll und ohne merkliche Furcht übers Fell streichen, aber wer hat das einmal bei einer Spinne oder gar Mücke fertig gebracht?

Doch nur ganz wenige Auserwählte, oder nicht?

Meine beste aller Lebensgefährtinnen ist da besonders allergisch, wenn es um diese, kaum sichtbaren Lebewesen geht. Wahrscheinlich liegt da, wie bei den meisten von uns ein nicht reparabler Genfehler vor und sie kann somit überhaupt nichts dagegen machen.

Der Anblick von Spinnentiere jeglicher Größe und auch noch in sicherer Entfernung oben an der Zimmerdecke lassen meine Lady sofort um drei bis fünf Jährchen schlagartig älter werden.
„Klaus! Schnell komm her!“ ,hört man dann ihren Todesschrei über fünf Häuserblocks hinweg und einige an wohnende Kläuse setzen sich ziel unsicher in ihren Wohnungen in Bewegung.

Aber ich allein bin ja gemeint und ich muss dann immer meinen ganzen bescheidenen Mut zusammenkratzen und ihr ritterlich aus der Zwangslage helfen.
„Ich komme, mein Hase! Ich komme schon!“ ,tönt es dann durch unser kleines Häuschen (nicht was Sie denken!).

Ich komme also, sehe und siege meistens.
Meine vor Angst leicht gelähmte beste Lebensgefährtin sitzt dann noch einige Stunden wie von einem Blitz getroffen im Sessel vor dem überfülltem Aschenbecher, ehe sie sich wieder dem ganz normalen Alltag widmen kann.

So weit, so gut zu unserer ganz persönlichen und sehr privaten Stellung im Bezug zu diesen Kleinstlebewesen in allen Ritzen unserer menschlichen Behausungen.
Wenn meine holde Angebetete aber etwas in ihrem Leben über alles liebt, dann bin nicht etwa ich dieses etwas, sondern alles was draußen vor unserem Fenster und noch ein bisschen weiter so grünt und stellenweise auch manchmal blüht.

Erfreulicherweise hat man hinter unserem angemieteten kleinen Reihenhäuschen zufällig vergessen ein Stück Mutter Erde zu asphaltieren bzw. als Landebahn für Jumbos zu nutzen. Somit herrscht dort die blanke Natur, Mutterboden und alles was darin wachsen kann.
So zum Beispiel verschiedene Blumensorten, einige an Stangen geknebelte Tomatenpflanzen, vereinzelte Erdbeeren und weitere, in verschiedenen Beeten verteilte andere diverse, lebenswichtige Gemüsesorten und die es noch werden wollen. Aber natürlich haben solche grünen Oasen in der Großstadt auch ihre winzigen Schattenseiten. So fressen alljährlich Hunderte bis zehn diverse Schnecken einen immensen Teil unseres herrlichen Blattsalates ratzeputz weg.

Andere Völker verspeisen solche schleimigen Tierchen ja in den verschiedensten Varianten nach Herzenslust, aber ich würde eher eine ausgewachsene Kuh lebendig und im Stück herunterwürgen, als solche Weichtiere zwischen meine zweiten bis dritten Zähne zu nehmen. (Kotz!)
Aber nun sollte eines schönen warmen Junitages im vergangenen Jahr etwas zwischen mir und meiner allerbesten Lebensgefährtin kommen und da viel mir sofort das weltbekannte chinesische Sprichwort –hui tzu peng, su tei ring- oder so ähnlich, ein, was frei übersetzt so viel heißt, wie –Kleine Ursache, große Wirkung.

Also ich glaube, es war an einem Sonntagmorgen, was sich leicht an der Anwesenheit aller drei Familienmitglieder am Frühstückstisch zuordnen lässt, als ich nach dem Morgenkaffee mir im Grünen und an der herrlich frischen Luft im Gärtchen hinter unserem Haus eine Selbst gestopfte in meine leicht geteerte Lunge ziehen wollte.

Plötzlich hörte ich dicht neben mir eine ganz, ganz leise Stimme: “He! Verrate mich nicht, sonst ist es gleich aus mit mir. Deine Gartenfee vernichtetet sonst sofort mit irgendwelchen Sprays oder Pülverchen.“

Ich hatte es ganz deutlich gehört oder war ich schon reif für die Insel, welche ich mir immer schon einmal bei einem möglichen Lottogewinn leisten wollte?
Ich sollte doch endlich mal Lotto spielen.
„He du. Hier unten bin ich, aber verrate mich bitte nicht.“
„Wo unten? Ich sehe nichts.“
„Hier unter dem oberen Rosenblatt, du blindes Huhn (Hahn). Genau vor dir.“
Ich hob das in Frage kommende Blatt etwas hoch, natürlich ganz vorsichtig, denn ich wollte ja niemanden wehtun.

Dann sah ich in zwei liebevolle, leicht gerötete Äuglein. Diese befanden sich ganz oben an oder besser gesagt in einer winzigen grünen Blattlaus.
„Bist du allein?“ ,fragte ich ganz oder zu mindestens leicht verstört .
„Natürlich bin ich allein oder siehst du hier noch jemanden?“
„Nein.“
„Also verrätst du mich nicht?“

Da schaute auch schon meine Gartenzauberin zum Fenster in die Morgensonne heraus.
„Klaus, was machst du denn da an den Rosen?“
„Nichts, nichts, mein Hase. Ich erfreue mich nur an deinen schönen Rosen und – aua- ,jetzt habe ich mich gestochen.“
„Klaus sind da Blattläuse dran?“
Ein leichter Blick nach links ließ mich wieder in die immer noch leicht geröteten Augen unter dem Rosenblatt sehen und ich log, dass sich die Balken unter unserem Dach schon sichtbar am biegen waren.

Zu mindestens habe ich so ein knarrendes Geräusch von ganz oben gehört.
„Nein, Hase. Hier sind keine Blattläuse dran. Alles schön sauber und gepflegt. Du machst das doch alles immer so gewissenhaft mit den Blumen und den Tomaten mein Hase. Alles o.k.“
„Gut dann komm wieder rein, dein Kaffee wird kalt.“
Ich verabschiedete mich noch ganz vorsichtig und leise von der einsamen Blattlaus und trank dann voller Genuss meinen kalten Sonntagskaffee.

Zwei, drei Tage lang hatte ich immer wieder in Gedanken mit diesem seltsamen Erlebnis zu tun. Mal glaubte ich dran, mal überlegte ich zu einem Seelenklempner zu stiefeln.

Als ich dann am Mittwoch nach dem seltsamen Erlebnis von meiner Arbeit nach kam, sagte mein ansonsten recht friedlicher (Oster)Hase irgendwie das Kriegsbeil ausgrabend:
„Du Blödjahn!“ und dann noch irgendwelche ähnliche Wörter zu mir, welche mir aber nach all den Jahren mittlerweile total entfallen sind.

Seitdem lasse ich mich von keinerlei kleinem Getier in unserem Garten mehr irgendwie bequatschen.
Von wegen allein – diese Mistblattlaus!

Vielleicht gerade unter diesem einen Blatt. Hätte ich mal unter die anderen Rosenblätter geschaut.
Die ganze bucklige Verwandtschaft von dem grünen Ungeheuer hat dort gehockt und alle Rosenblätter innerhalb der drei Tage total verunstaltet.

Das sollte auch all den anderen leichtgläubigen Menschen zu denken geben.
 

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Kommentare (9)

Rastlos

Ja ja, Insekten. Besonders die mit den acht Beinen. 
Wir haben nur einen ganz, ganz kleinen Garten, aber selbst da passen noch unglaublich viele von diesen Tieren rein.
Aber der Höhepunkt war, als unser Sohn seine erste eigene Wohnung bezog und sich - aus welchem Grund auch immer- ein Terrarium zulegte. In diesem wohnte, ich übertreibe nicht, eine etwa Handteller große, wunderbar hellblau und grau gestreifte - Vogelspinne!
Beim Besichtigungstermin mit den Eltern, also meiner Frau und mir, blankes Entsetzen bei seiner Mutter und die Worte: " Ich werde niemals deine Bude sauber machen!!"

Zweck erfüllt. Mama kommt nicht ungebeten. 

Ironie ist bei mir nicht unbedingt auszuschließen.

Ich werde weiter in deinen Beiträgen blättern, macht richtig Spaß, deine Art Humor gefällt mir.

Rudi 

Humorus

@Rastlos  
Hallo Rudi, erst einmal danke für Deine Worte und es freut mich wenn mein verkorkster Humor Dir gefällt. Deine kleine Geschichte hat nun aber auch die Ironie in sich selbst und manchmal wissen sich auch unsere Kinder sich zu helfen. Lieben Gruß auch an Deine liebe Frau.

Lieben Gruß aus Karlsruhe

Willy

Humor mit ernsten Hintergrund, wie immer locker serviert. Da hat dir ja Freundin Tilly auf FB ein Riesenlob gespendet. Wer Tilly gut kennt, weiß, dass sie mit Lob keineswegs freigiebig umgeht, um so mehr  ist in deinem Fall wert. 
LG
Sweder
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Humorus

@Willy  
Hallo Willy, danke erst einmal für Deine Worte und ich darf gerne erwähnen, dass mir Deine ehrlichen Kommentare aus langer Freundschaft ebenso viel bedeuten. Manche meiner Geschichten sind leider etwas länger (es ist halt so gesprudelt) und da ist es nicht immer leicht sie hier ein zu stellen. Viele haben leider nicht so viel Zeit zum lesen. Aber ich versuche es immer mal wieder. Nochmals Danke und Dir vor allem Gesundheit, denn wir werden alle nicht jünger.

Ganz lieben Gruß aus Karlsruhe

Humorus

An dieser Stelle danke für die Herzchen unter dieser Geschichte an alle Leser meiner Hobbyschreiberei. Ich hoffe das ich noch vielen Mitgliedern in diesem Seniorenprotal ein Lachen und Schmunzeln vermitteln kann, denn gerade in unserem Alter ist Lachen eine bessere Medizin als alle Pillen der Welt, welche wir oftmals schlucken müssen.

Ganz lieben Gruß in die Runde aus Karlsruhe

ahle-koelsche-jung

Eine tolle Geschichte die man sich besser bildlich vorstellt um das Schmunzeln zum Lachen zu bringen.
In deiner Einleitung mit der Spinne musste ich an meinen Freund denken, der auch wie versteinert auf der Couch liegt oder am Liebsten auf den nächsten Stuhl springt sobald er eine Spinne erspäht. Ich muss dann auch immer zwecks "Entsorgung" antreten.

Tja man kann nicht umsichtig genug sein wenn man sich auf die Suche nach Ungeziefer macht.  Kenne das von unseren Balkonblumen die auch immer wieder auf Ungeziefer untersucht werden, mal mit mehr, mal mit weniger Erfolg.

Jedenfalls ist dir, lieber Klaus, wieder ein tolels Werk gelungen.
Mit schönen Sonntagabendgrüßen aus Köln, Wolfgang

Humorus

@ahle-koelsche-jung  
Danke Wolfgang für Deine klaren Worte. Du hast meinen verkorksten Humor vollkommen verstanden. Jeder hat nun mal so seine Art zu schreiben und ich muss gestehen, meine Geschichten sprudeln einfach heraus und nur die Rechtschreibprüfung ändert danach noch den Text. Ich wünsche Dir und Deinen Angehörigen noch alles Gute.

Lieben Gruß Klaus

omaria

K(l)eine Laus - große Wirkung 😅

Humorus

@omaria  

Liebe Maria, ich freue mich, dass ich Dich wieder einmal hier "verführen" konnte und Dein Kommi ist kurz und schmerzlos. Danke für ihn und dem Herzchen, es gibt mir Kraft für Euch weiter da sein zu können.

Lieben Gruß Klaus


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