Kleines Fischchen im Wiesenbach





Kleines Fischchen im Wiesenbach

Du kleines Fischchen im Wiesenbach,
hab keine Angst vor meinem Schatten,
er macht dir bestimmt kein Weh und Ach,
lass uns übereinander freuen,
du im Wasser zwischen den Steinen,
die dir des nachts ein Versteck bieten,
ich hier auf altersschwachen Beinen,
die kaum noch fähig sind zu Schritten.

Wie oft ich dich noch besuchen kann,
ist nun schon meine bange Frage,
doch was fange ich dann künftig an,
möcht‘ dich doch sehen alle Tage
und erfahren, ob es dir gut geht
dort unten im kühlen Wiesenbach,
der seine Mäanderschleifen dreht,
und ob du stets heiter bist und wach.

Ach kleines Fischchen im Wiesenbach,
bald wird kein Schritt mich zu dir lenken,
mein Herz, du Liebes, es ist schon schwach,
sehr oft werde ich an dich denken,
wenn ich dann nur noch von dir träume
in sommersüßer Erinnerung,
bitte, wir bleiben ewig Freunde,
das, liebes Fischchen, ist meine Hoffnung.

Und kommt mein Schatten nicht mehr zu dir,
kleines Fischchen, denk immer daran,
so gern stand ich auf der Brücke hier,
schaute mir deine Schwimmkünste an,
bewunderte dein feines Wesen,
diese geschmeidige Eleganz –
ach könnte ich wieder genesen,
ich zeigte dir meinen Freudentanz.

© Syrdal 2020


 


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Kommentare (19)

Anabell23

Dein sehr schönes Gedicht hat mich zutiefst berührt und
beeindruckt; aber noch mehr Deine Stimme, die voller Wehmut;
aber auch Hoffnung und an manchen Stellen fast ein bisschen
kraftlos, diesen herrlichen Text zitierte. Ich habe ihn mir ein paar
Mal angehört und ganz in mich aufgenommen. 

Ja, in einem bestimmten und fortgeschrittenen Alter denkt man
schon daran, daß es jeden Augenblick sein könnte, nicht mehr auf
dieser herrlichen Erde verweilen zu dürfen. Es geht mir ebenso.
Da helfen auch gutgemeinte Ratschläge nur wenig.

Zum Glück aber wissen wir nicht genau, wann, wo und wie wir die
Schwelle ins Jenseits übertreten;  aber, daß es passiert, das wissen
wir sicher.

Da müßte man ja fast das Fischchen im Bach beneiden, da es nicht
imstande ist, darüber nachzudenken. Es wird sich weiterhin glücklich
und zufrieden im Wasser tummeln.

Dankeschön für Dein vielsagendes Gedicht lieber Syrdal, es hat mich
wieder sehr nachdenklich gemacht.

Liebe Grüße
Uscha

Syrdal

@Anabell23
 
Liebe Uscha, es bleibt ja nicht aus, dass im Nachdenken über die Endlichkeit der Lebenszeit auch Wehmut aufkommt. Aber das darf durchaus sein, denn dies zeigt ja auch die tiefe Verbindung zum Leben und zu allem, was uns lieb und wert geworden ist – auch Zufriedenheit und Demut vor dem Unvermeidlichen. Und so ist es gut, sich auch damit zu befassen und es nicht mutlos „wegzuschieben“. Sich in guten Zeiten vorzubereiten heißt bewusst leben…

Deine Gedanken zu diesem Thema sind mir sehr wichtig.
Danke sagt mit lieben Grüßen
Syrdal
 

Winterrose

Ein liebevolles, rührendes Gedicht, lieber Syrdal !
Ähnliche Gedanken wie dir beim Anblick des kleinen Fischchens im Bach, gehen mir durch den Kopf, wenn ich die vielen Vögelchen, Schmetterlinge und Insekten hier im Garten beobachte. Mir ist allerdings aufgefallen, dass sich von Jahr zu Jahr weniger Bienen, Schmetterlinge und Libellen im Garten tummeln. Das stimmt mich schon sehr traurig.

Es ist wahrscheinlich ein Trost zu wissen, dass die Natur nach den Menschen noch vorhanden sein wird, wenn auch in keinem besonders guten Zustand. Doch sie wird sich erholen und dem Planeten neues Leben schenken. Die Menschen hatten gute und weniger gute Zeiten auf der Erde. Leider haben sie den Wert dessen, was die Natur ihnen geboten hat, nicht zu schätzen gewusst, sondern sie haben sie rücksichtslos ausgebeutet. Ich denke, irgendwann wird die Menschheit den Preis dafür zahlen müssen.
Aber das werden wir alle nicht mehr erleben müssen.
Liebe Grüße von
Laura, hinter deren Garten sogar ein kleines Bächlein vorbei plätschert – leider ohne Fischchen.

Syrdal

@Winterrose

 
Lieber Laura, besonders in den vergangenen fünfzehn Jahren ist die Artenvielfalt deutlich dezimiert worden. Es hat fast alle getroffen, Insekten wie Schmetterlinge, Bienen, Hummeln und Wespen, sogar die Fliegen und Mücken… Ebenso gibt es weniger Vögel, manche sind völlig verschwunden und auch viele andere Tiere verlieren ihren Lebensraum. Die maßlose, durch die Gier nach Profit getriebene Industrialisierung der gesamten Wirtschaft, auch der Landwirtschaft, dazu die unyselige übertriebene Globalisierung, all das hat das Gleichgewicht der Natur völlig zerstört.
Als Kind haben ich noch erlebt, wie sorgsam man früher mit den vorhandenen Ressourcen umgegangen ist. Mein Großvater hat als Landwirt peinlich darauf geachtet, wieviel Dünger (alles immer nur Naturdünger!) aufs Feld aufgebracht wurde. Und es gab überall Wegraine mit vielen Bütenpflanzen und Heckenstreifen, damit der Wind das Land nicht so schnell ausgetrocknet hat. Heute muss alles großflächig sein, es gibt kaum noch Wegraine, keine Hecken als Brutplätze für Vögel, Großmaschinen zermähen Rehkitze, Hamster, Hasen und sogar in den Hausgärten zerschreddern heute kleine selbstfahrende Mähcomputer Igel und anderes Kleingetier. Nicht eine Blume bleibt im Rasen stehen, alles wird glattgemacht… „englischer Rasen!“ Und auf die Rabatten werden Kies und Holzspäne geschüttet, damit ja kein „Unkraut“ wachsen kann. Was gehen uns die Insekten an!
Man könnte lange darüber schreiben…
Aber dein „Irgendwann“ ist bereits da. Wir zahlen j e t z t den Preis für den Raubbau und werden es alle sehr bald schmerzlich erfahren!

Erfreue dich an dem Bächlein hinterm Garten, auch wenn es da keine Fische drin gibt. Wenigstens ist das Wasser noch „lebendig“.

Für deine Gedanken zum Thema dankt
Syrdal
 

Winterrose

@Syrdal  

Etwas verspätet, aber das wollte ich gerne noch zu deinem Fischchen im Bach-  bzw. zu diesem Thema sagen, lieber Syrdal. Zunächst aber vielen Dank für deine ausführliche Antwort.
Ich hatte die Hoffnung, dass die Menschheit die Kurve noch kriegt, bisher nicht ganz aufgeben. Nach deiner Darstellung und deiner Befürchtung, dass wir bereits jetzt den Preis für unseren Raubbau bezahlen, bin ich nun sehr skeptisch geworden. Auch die Tatsache, dass sich Menschen, trotz der Pandemie, ohne Mundschutz dicht gedrängt in mehreren Städten versammeln, um gegen Rassismus zu demonstrieren, lässt mich nun stark daran zweifeln. Ginge es nur um das Einschränken des Konsums und um finanzielle Einbußen, die evtl. noch zu verkraften wären – wobei die Ärmsten leider mal wieder am stärksten betroffen wären -, könnte es uns und der Umwelt nicht schaden, wenn wir unseren Konsum drastisch zu reduzieren. Wir, damit meine ich die Menschen in den westlichen Industrieländern. Wir leben eh im Überfluss.
Andererseits befinden wir uns in einem Teufelskreis. Weniger Konsum, weniger Beschäftigung, also mehr Arbeitslose und noch mehr Armut. Den Reichen und Superreichen kann das egal sein. Die haben alle ihr Schäfchen im Trocknen.
Ich hatte eigentlich mehr an die Naturkatastrophen gedacht, wie die durch die zunehmende Dürre oder Extrem-Unwetter, entstehenden Waldbrände, Ernteausfälle oder eben Überflutungen, Meeresspiegelanstieg, Gletscher- Permafrost- und die Schmelze der Polkappen, die Zumüllung der Meere mit Plastik usw.  Ich hatte gehofft, dass uns mehr Zeit bleiben würde, zur Vernunft zu kommen und umzudenken. Wenn ich jetzt allerdings wieder die Bilder dieser Demonstrationen sehe, muss ich dir wohl zustimmen, die Menschen lernen nichts – das Wasser muss ihnen wohl erst bis zum Hals stehen.

Einen entspannten Abend wünscht mit lieben Grüßen Laura, die hofft, deine Zeit nicht zu sehr in Anspruch zu nehmen.
PS: Noch plätschert es fröhlich vor sich - das kleine Bächlein, was mich jeden Tag erfreut.
Danke !

Rosi65

Ach, Syrdal,

Dein Werk ist mit Abstand das Schönste, aber auch gleichzeitig das Traurigste, was ich über die Vergänglichkeit und den Abschied an das Leben gehört (und gelesen) habe.

Rosi65

Syrdal

@Rosi65
 
Liebe Rosi, das kleine Gedicht mit der "Ansprache zum kleinen Fischchen im Wiesenbach" ist in seiner ganzen Prägung und Gestaltung – so, wie du es ja auch empfindest – der schmerzlich-wehmütige Ausdruck des endgültigen Abschiedes, den wir alle früher oder später erfahren. - Im vorgerückten Alter bleiben solche Gedanken nun mal nicht aus.
Tröstlich aber darf
bei allem sein, dass wir wissen, das Leben auf der Erde geht weiter, frisch und munter und unbeschwert wie bei dem kleinen Fischchen im Wiesenbach...

...und darüber freut sich in aller Stille
Syrdal
 

ladybird

Lieber Syrdal,
irgendwie kam beim Lesen Deines so wundervollen Gedichtes die Assoziation zum Bächlein bei Schloss Eisenbach, als wir auf der Steinbrücke standen, hinunter schauten und dann den Pfau auf dem Fensterbrett entdeckten.....
Deinem "Fischlein " kann man abgewinen, wie wohl man sich im Wasser fühlt.....er macht es vor...
lacht mit Gruß
Renate

Syrdal

@ladybird  

Ist doch wunderbar, liebe Renate, dass sich mit einem so einfachen kleinen Gedicht solche schönen Erinnerungen an gemeinsam Erlebtes auftun. Das ist ja auch eine großartige Beigabe zur Poesie, dass sie Gedanken, Vorstellungen, Bilder und Fantasien auf jegliche Weise durch Raum und Zeit tragen kann… Ganz so wie jetzt, hin zu dem schönen Blick von der Mauer dort auf Schloss Eisenbach. – Das macht den Sonntag gleich viel heller…

...empfindet mit herzlichen Grüßen zu dir
Syrdal
 

Monalie

hallo Syrdal  das war ein edler Genuss,dein Gedicht und dazu deine Stimme so voller Liebe,Sehnsucht und Wehmut  zu hören,damöchte ich auch gern ein Fischlein sein,Danke sagt Mona🌹

Syrdal

@Monalie
 
Meinen Dank für Deine so angenehmen Worte verbinde ich gerne mit der Freude, dir den Sonntagmorgen ein klein wenig „verschönt“ zu haben.
Ja, auch ich würde mich gerne wie solch ein kleines Fischchen im Wiesenbach fühlen – heiter und unbeschwert und ganz ohne Sorgen…


...doch grüße ich mit frohem Herzen
Syrdal
 

Muscari


Ja, lieber Syrdal,

ein solch kleiner Wiesenbach hat einen ganz besonderen Reiz, noch dazu wenn Du ihm und dem Fischlein dieses Gedicht widmest.
Es war ein Genuss, Deine Stimme zu hören, begleitet vom leisen Geplätscher des Bächleins.
Ich danke Dir.

Syrdal

@Muscari

Liebe Muscari, aus deinen Worten entnehme ich, dass du sehr feinfühlig mitschwingst mit dem Gedicht, der Stimme und dem „symbolischen Bild“… Und so soll es ja auch sein, wenn man sich der Poesie mit allen Sinnen widmet.

Danke sagt mit lieben Grüßen zum Sonntag
Syrdal
 

Manfred36

Auch ich stand so gern am klaren, naturgeschützten Eselsbach. So heißt er hier, im tiefen Tal nicht weit von Agleh-Helgas Haus, wo früher die Mönche die Fastennahrung züchteten. Für die Fischchen war noch ein kleiner Co-Beobachter bei mir und ist immer noch da: Der Eisvogel.

Manfred

Syrdal

@Manfred36
 

Solch ein kleiner Wiesenbach – für mich ein erster Erlebnisraum meiner frühen Kindheit – hat eine ganz besondere Anziehung. Ihm – seinen unbeschwert dahinfließenden Wasserwellen – kann man alles anvertrauen. Er nimmt es und spült es mit Heiterkeit in die weite Welt… auch Gedanken. Du wirst das von deinem Eselsbach ganz sicher kennen. Mein Bach hier heißt Felda…

Hab einen schönen Sonntag!
Liebe Grüße
Syrdal


 

Tulpenbluete13

Lieber Syrdal,

wie wäre es (als Ersatz) mit einem Goldfisch oder einem Aquarium?..
Nein, das sollte nur ein Spass sein..

Wunderschön Dein Gedichtchen an und über das kleine Fischlein im Bach, das irgendwann einmal Deinen Schatten nicht mehr spüren wird......

hat mich berührt weil ich mir gut vorstellen kann daß es mir (und uns allen) einmal genauso gehen wird....

Dann bleibt halt doch wieder nur die Erinnerung.......

Aber noch ist es nicht so weit...Am besten Du trainierst und besuchst Dein Fischlein jeden Tag..dann bleibst Du fit....(Du kannst ja auch langsam laufen..)
Angenehm auch Deine Lesung und das Gluckern des Baches...  aber traurig.....

Das meint mit den besten frühlingsnassen lieben Grüßen zum Sonntag

Angelika

 

Syrdal

@Tulpenbluete13  

Ach, liebe Angelika….
Der diesem Gedicht inneliegenden Melancholie wäre ein Goldfisch einfach zu „schön“ und vor allem auch zu gekünstelt. – Nein, gerade der kleine namenlose Fisch im ewig leise dahinplätschernden Wiesenbach ist ganz bewusst als „das Lebendige“ angesprochen, denn – du hast das sinnlich erfasst – es geht hier um „Endzeitgedanken“ eines sich neigenden Lebens. Und da ist „Training“ bei weitem nicht mehr angesagt…

Das Wiesenbächlein plätschert weiter vor sich hin und in ihm schwimmt das muntere Fischlein, aber meinen Schatten wird es dort bald nicht mehr geben… vielleicht nur noch Erinnerungen!

Liebe Grüße zum stillen Sonntag
Syrdal
 

Dnanidref


Ein wunderschönes Gedicht liebevoller Betrachtungen, guter Freund, dass uns in den Passagen, freudige, besinnliche und traurige Eindrücke, in Anbetracht schwindender Kräfte vermitteln. Vermutlich steckt sicher auch eine Ermahnung dahinter, verbleibende Zeit noch sinnvoll mit Freunden zu nutzen.

Ich habe es gerne und dankbar gehört und gelesen und freue mich auf die nächsten freundschaftlichen Treffen!

Und verbleibe bis dahin mit lieben Grüßen aus meiner130a.JPG Wahlheimat Burghaun
Ferdinand
 

Syrdal

@Dnanidref

Ja, lieber Ferdinand, du weißt dieses Gedicht wohl am besten einzuordnen. – Eine durchaus etwas hintergründige Ansprache an ein kleines stummes Fischchen, das sich so lebensfroh im Wiesenbach tummelt und mit seinen eleganten Schwimmbewegungen derart fasziniert, dass man stundenlang zuschauen könnte. Doch wie lange wird es noch möglich sein, solche Naturbilder zu bewundern? Man weiß es nicht… Was man aber spürt, ist die ach so rasch verrinnende Zeit. Und die Schritte werden schwerer und schwerer…

Danke, mein Freund… bis demnächst irgendwo in unser beider Wahlheimat.

Bleib gesund und fröhlich und sei mit Freude gegrüßt von
Syrdal
 


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