Kurzer rheumatologischer Kaufrausch


Meine Rheumatologin hat sich schon längst in den Ruhestand verabschiedet. Ging es die erste Zeit auch ohne sie, so bin ich jetzt am Limit angekommen und brauche einen Arzt vom Fach. Ich suche mir einen ausm www und stelle dabei fest, dass die Weltstadt HH mit Rheumatologen nicht eben gepflastert ist. Bei der telefonischen Terminabsprache bin ich von der pampigen Sprechstundenhilfe (oder wie heißen die heutzutage?) schon mal bedient. Egal. Viel Auswahl habe ich nun mal nicht.

In der Praxis gilt es dann erst mal, ordentlich viel Papier auszufüllen. Ich füge dem meine Unterlagen der letzten Untersuchungen bei, um Doppelttests zu vermeiden. Dann ruft der sympathisch wirkende (na ja, was man halt so sieht trotz Maske) junge Arzt mich herein.
Himmel, hat der wohl schon Abitur? Ich hoffe doch...

Der Mann scheint ein Glücksgriff zu sein: Die Kommunikation zwischen uns klappt bestens, die Chemie stimmt schon mal (so was hat oft nichts mit Altersunterschieden zu tun). Er sieht sich meine Unterlagen an, er untersucht die Gelenke, er hört zu, er fragt nach.  Bzgl. CBD-Öl: wäre einen Versuch wert, aber: „Sie brauchen z.Z. weder einen Rheumatologen noch einen Orthopäden; Sie brauchen einen Schmerzmediziner!“ und schreibt mir auch zwei Empfehlungen auf. Ich hätte ihn hemmungslos knutschen können, hatte ich doch befürchtet, es käme die übliche Empfehlung zur  Rheumamedikation, die ich schon seit Jahren erfolgreich umsegele.
Weitere Empfehlung: 3. Corona-Impfung wie auch Grippeschutzimpfung diesen Herbst wahrnehmen, Gürtelrosenimpfung kann warten bis nächstes Jahr.  Grippeschutz könne er mir gleich verpassen, habe genug davon da. Nee, ich warte lieber bis Ende Oktober; hab ich länger was davon.
 
Wo ich schon mal so beschwingt bin, gehe ich rüber ins EKZ, löse das Rezept für Schmerzmittelnachschub ein und fröne einem kurzen (nur 1 Laden), aber heftigen Kaufrausch. Und das, obwohl ich Shopping hasse, wie jedem ein Blick in meinen Kleiderschrank offenbart: ich trage meine (wie ich finde: zeitlosen) Klamotten bis ich aus ihnen herausgewachsen bin oder sie von selbst zerfallen. In den letzten Jahren ist meist ersteres der Fall :-(

Ausbeute: ein Pulli für Enkel (der braucht dringend Ersatz für seinen ausgefranzten Lieblingspulli, an dem die andere Oma auch schon ihre Reparaturkünste erprobt hat und der nach dem Mexiko-Semester nun aber garantiert weg muss) – Anruf bei seiner Liebsten „Welche Größe hat das Kind?“  - ein Rolli aus Cashmere und Seide für mich (sehr stark reduziert, in der Herrenabteilung gefunden) und ein kurzer, sehr leichter Steppmantel (auf Daunenfüllung verzichte ich ganz gezielt, seit ich weiß, wie die Tiere dafür gequält werden und zahle dafür dann eben mal mehr).
Bevor die Wirkung meines Dopings nachlässt, begebe ich mich auf den Heimweg. Bin dankbar für mein Auto, denn jetzt noch mit öffentlichen Verkehrsmitteln (S-Bahn und Bus) nach Hause zu kommen, würde ich nur unter Anstrengung schaffen. Und zahle so dann auch die Parkgebühr in Höhe von 3,00 € (Straßenräuber!!).

(c) ajs/tergea
 


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Kommentare (2)

Juttchen

Liebe Tergea,
Hamburg hat doch aber einen sehr guten und bekannten Rheumatologen, ich komme nur nicht auf seinen Namen. 😆 Aber vielleicht komme ich noch drauf und schreibe es Dir.
Warum nimmst Du denn keine speziellen Rheumamedikamente? Ich habe seit über 10 Jahren Rheuma und wenn Du möchtest, können wir uns darüber austauschen. Schreib mir einfach eine persönliche Nachricht.
Einen positiven Verlauf wünscht Dir
Jutta

tergea


PN unterwegs.


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