Leseprobe aus meinem Buch "Die Schaukel am Meer"

Autor: ehemaliges Mitglied

Die Köchin Tina ist gerade dabei in der Küche auf einem großen blank gescheuerten Tisch einen Teig zu kneten. Dieser Tisch steht genau unter dem Fenster das zum Hof geht und sie ihren kleinen Schützling beim Schaukeln beobachten kann. Das ist auch ratsam, denn das fünfjährige Mädchen schaukelt meistens so wild, dass sie das Meer, trotz der hohen Mauer, sehen kann.
Als die Köchin durchs Fenster schaut, sieht sie, wie Marisol so hoch schaukelt, dass sie immer wieder aus ihrem Blickwinkel verschwindet. Eilig wischt sich die Köchin die vom Teig klebrigen Hände an einem Tuch ab und geht so schnell sie kann in den Hof. Aber das Kind ist inzwischen verschwunden. Weit entfernt kann es ja nicht sein, da es vor kurzem noch wild geschaukelt hat.
„Marisol, wo bist du? Herrgott im Himmel, wo steckt bloß wieder dieses Kind.“
Die dicke Tina, oder Titi, oder Toti, Tati, Teti, so wurde sie manchmal von Marisol genannt, je nachdem was dem kleinen Mädchen gerade einfiel, watschelt mit ihren kurzen dicken Beinen, nachdem sie noch einmal einen Blick auf die hin und her schwankende leere Schaukel geworfen hat, durch den Hof bis zu der Türe in der Mauer die zum Meer führt. Sie muss ihre ganze Kraft einsetzen um die Türe zu öffnen, denn das verrostete Schloss klemmt von jeher. Mit einem quietschenden Geräusch gibt diese endlich nach. Tina (ihr wirklicher Name ist Josefina - aber kein Mensch nennt sie so) geht die drei verwitterten Stufen die zu den flachen Felsen führen hinunter. Dabei ruft sie verzweifelt den Namen des kleinen Mädchens, ohne jedoch eine Antwort zu bekommen.

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