Leuchtende Blütenkolben








Leuchtende Blütenkolben
 
Sie haben es gern ein wenig feucht,
die Stauden mit schmalen Blütenkolben,
auf schlankem Stengel streben sie leicht
zum hohen Himmel und zu den Wolken,
 
erfreuen sich der Bienen Summen,
ernähren des Feuerfalters Raupen*,
und auch das laute Hummelbrummen
sie gerne dem Summselvolk erlauben.
 
Man kennt die wild wachsende Pflanze
als Krebswurz, Schlangenwurzel, Natterkraut,
in mancher Gegend Lämmerzunge,
sie meist als Wiesenknöterich erfreut.
 
Die Blüten stehen im hohen Sommer
in leuchtendem Rosa mit feinem Duft,
heilsame Kraft stillt oft den Kummer,
den manch quälende Krankheit hervorruft.
 
„Die Wurzel treybet Schweyss und Gifte,
heilt Wunden, wirkt wider die rote Ruhr“*
dies schreibt schon Woyt* in alter Schrifte
und lobt den Absud auch als Würmerkur.
 
Selbst Darmerkrankungen und Durchfall
werden vom Wiesenknöterich geheilt,
der Sud ist außerdem sehr wertvoll,
wenn Entzündungen das Zahnfleisch ereilt.
 
Die Blätter der noch jungen Pflanze
sind gerne auch Grundlage für Salat,
der ist gesund aus gutem Grunde,
weil er Vitamin C im Blattgrün hat.
 
Die starken Rhizome enthalten
Gerbstoff, Kohlenhydrate und Eiweiß –
man brät aus ihnen Frikadellen,
genießt diese genüsslich frisch und heiß.
 
In früheren Zeiten glaubte man,
Wiesenknöterich sei ein Hexenkraut,
das Schwangerschaften verhüten kann,
wenn man aus ihm einen Geistertrunk braut.
 
Ob sich denn dieses bestätigt hat,
ist in den Büchern nirgends beschrieben,
doch von Heilwirkungen – in der Tat –
wird von alters her Kunde gegeben.
 
© Syrdal 2019
 
....................................
Erklärungen:
*Feuerfalters Raupen =  der europaweit geschützte Blauschiller-Feuerfalter nutzt vor allem den Schlangenknöterich (Wiesenknöterich) als Futterpflanze für seine Raupen
*rote Ruhr = bei Menschen eine - bis Ende des 19. Jahrhunderts verbreitete - meist epidemisch durch den Dysenteriebazillus auftretende Infektionskrankheit, die sich besonders in einer Entzündung der Dickdarmschleimhaut äußert
*Woyt (Johann Jakob) = Deutscher Arzt und Heilkundiger (*1671;
1709),Verfasser des enzyklopischen Werkes   „Schatz-Kammer“, eines der bekanntesten und populärsten medizinischen Lexika, deren  Beiträge zwar kurz gehalten waren,  aber über eine bloße Begriffserklärung oft deutlich hinausgingen


 


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Kommentare (9)

Syrdal



Mein Dank für das feine   
Herz 
geht an
Willy
Christine 62
Tessie
mit freundlichen Grüßen von
Syrdal

Tulpenbluete13

Lieber Syrdal,

das scheint ja auch wieder so ein "Allerwelts-"Kraut zu sein..das für ales gut oder auch weniger gut war (z. B. angef.evtl. Schwangerwerden.. ob man sich darauf verlassen hat??)
Du hast recht- ich sehe ihn auf feuchtem Untergrund..
Die Blüten sehen aus wie Pfeifenreiniger...
Da hst Du Dir ja wieder viel Mühe gemacht- sehr informativ und interessant.
Ich lerne immer wieder dazu, fragt sich nur was daei im Kopf blebt... lach..

Dankeschön fürs Wissenlassen
lieben Gruß Angelika

Humorus

Lieber Syrdal die Natur um uns herum ist so vielschichtig und die meisten kennen nur das wenigste. Du hast mit Deinem Text sie wieder etwas näher an uns gebracht. Ich habe meinen kleinen Horizont wieder erweitern können und deshalb Dank für Deine Mühe und Deine Schreibkunst.

Lieber Gruß Klaus

Rosi65

http://www.historisch-kochen.de/tag/wiesenknoeterich/

Lieber Syrdal,
auf diesem Link gibt es Wiesenknöterich-Rezepte...

Gruß
Rosi65
 

Syrdal


Danke, liebe Rosi, habe mir die Seite angesehen und gleich gespeichert, auch wegen der vielen anderen Rezepturen.
...alles sehr interessant.

Darüber freut sich mit herzlichem Dank
Syrdal

Willy

86573c2e576657cd1fe5c5958ffdc873.gifLG
Willy

Syrdal


Hallo Willy, wenn sich der freundliche Winke-Daumen ermüdet entzünden sollte, hilft die Heilkraft der Wurzel des Wiesenknöterichs auf folgende Weise: Ein Wurzelstück vorsichtig ausgraben, säubern, zerkleinern, mit ein wenig Bienenhonig mischen, den frischen Brei auf die Entzündungsstelle streichen, mit einem Leinenläppchen umbinden und den Daumen dann möglichst ruhig halten... Das hilft mit etwas Geduld und Vertrauen ganz bestimmt,
...weiß
Syrdal

Manfred36

Sie umgeben uns alle deine Pflanzen, die du beschreibst, aber so über sie nachdenken, sie zu würdigen wie du, das tut kaum einer. Sie sind halt da und man weiß aus Kindestagen, von der Mutter oder der kochverliebten Frau vielleicht was über sie.

Syrdal

Ja, lieber Manfred, all diese Pflanzen „sind halt da“, aber sie werden kaum noch beachtet, geschweige gewürdigt und das Wissen um ihren hohen Wert für Mensch und Tier und für die Natur überhaupt gerät mehr und mehr in Vergessenheit... leider,
bedauert
Syrdal


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