Liebe Mutter, wie soll ich es sagen,
werde immer dich auf Händen tragen.
Werde nie vergessen deine Müh.
Dein bereit sein, morgens in der Früh.
Dein Verständnis über Tag und Jahr,
wenn etwas nicht in Ordnung war.
Immer, immer warst du  stets zugegen.
Werd dich bis ins hohe Alter pflegen.

Liebe Mutter, du wirst mich verstehen,
das Leben, es muss weitergehen.
Ich hab eine Familie, Mann und Kind,
die mir heut das Allerliebste sind.
Da bleibt mir, tut mir wirklich Leid,
für dich am Ende nur sehr wenig Zeit.

Verstänisvoll die Mutter spricht,
mein liebes Kind, verzage nicht.
ich geh ins Altenheim, es ist wohl Zeit.
Ich bitte dich, vergiss mich nicht,
im Wartesaal zur Ewigkeit.

@Wirius 


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Kommentare (14)

Wirius

Ich sage Dank an alle die ihr Interesse an diesem Gedicht bekundet haben.
Danke für die ausführlichen Kommentare und die Herzchen!
Ich habe mich sehr darüber gefreut.

Gruß Wirius

2.Rosmarie

Lieber Wirius,

als ich die erste Strophe deines Gedichts las, dachte ich so etwas Ähnliches wie: "Ah ja, Worte, Absichtserklärungen!" Ich war regelrecht erleichtert, als deine Gedanken eine ganz andere Richtung nahmen. Ich war erleichtert, nicht weil dies wünschenswert ist, sondern weil es realistisch ist.
Meinen Erfahrungen nach schwören viele gern solch edle Absichten, wie du sie anfangs  darstellst, ihren Eltern, viel mehr aber wohl noch sich selbst. Wenn man viel kriegt und nimmt, denkt man sich, dass man später einmal auch viel geben wird. Wer möchte nicht gern ein dankbarer, edler Mensch sein? Aber gerade diejenigen, die stets verwöhnt wurden, sind auch später nicht fähig, sich derartig hintenan zu stellen, wie sie das als pflegender Mensch tun müssten.
Wie viele andere hier habe ich selbst auch die Haltung, dass ich meinen ganz nahen, lieben Menschen nicht meine Pflege zumuten möchte.
Die richtig gute Betreuung eines schweren Pflegefalls ist eine Rundumaufgabe, die u.U. fast die Selbstaufgabe des jüngeren Menschen fordert. Falls die Ursache der Pflegebedürftigkeit eine schwere Krankheit ist, die in absehbarer Zeit zum Tode führen wird, so mag die Pflege durch die Familie noch zu leisten und in meinen Augen ihr auch zuzumuten sein. Aber wenn es um langwierige, chronische Erkrankungen und Altersabbau geht, dann fände ich es fairer, wenn man seinen Lieben diese nicht zumutet und in ein Heim geht.

Dein Gedicht, Wirius, hat einen Schluss, der mich berührt hat: Diese Mutter ist die, die sich immer für ihre Kinder opfert. Selbst das schlechte Gewissen nimmt sie ihnen noch.
Das sind dann die vergessenen Mütter, die einsam im Heim sterben. Schließlich sind die Kinder damit beschäftigt, sich um das Erbe zu kümmern... 

nnamttor44

Ich habe erlebt, wie die Geschwister meiner Mutter von ihren Kindern umsorgt, aber nicht gepflegt wurden. Es war bei allen sehr liebevoll! Für die Pflege wurde seitens Pflegepersonal, das ins Haus kam, falls nötig, gesorgt, weil die Mütter es so wollten. Die Kinder kamen abwechselnd, um zu sehen, ob Hilfe notwendig war.

Wir haben seinerzeit meinem Schwiegervater ermöglicht, in seiner Wohnung, abwechselnd von seinen Kindern und Schwiegerkindern, teils mit Hilfe von Fachkräften, gepflegt zu werden.

So wird es auch werden, wenn ich doch einmal Pflege brauchen werde. Umsorgt werden werde ich von meiner Tochterfamilie, das möchte sie nicht in fremde Hände geben. Sollte ganztägige Betreuung einmal erforderlich sein, gibt es eine Kleinwohnung direkt neben meiner Wohnung, wo eine Hilfe ganztägig für mich da sein kann ...  und ich habe sie jeden Tag eine Weile um mich, kann mit Freude an ihrem Leben teilhaben, mich in ihre Runde gesellen, wenn sie Freunde zu Besuch haben.

Doch noch schaffe ich das meiste selber und ich wünsche mir, dass das noch lange so bleiben kann. Zurzeit wird alles dafür ausgerichtet.

 

Juttchen

Das ist ein ganz schwieriges Thema. Klar möchte niemand seinen Kindern eine Pflege zumuten. Aber mit der Vorstellung in ein Pflegeheim zu gehen, dort regen Kontakt zu pflegen, vielleicht Freundschaften zu schließen und über Probleme sprechen zu können, von diesem Wunsch sollte man sich verabschieden. Im Pflegeheim wird nicht mehr diskutiert und gesprochen. Dort wird geschwiegen, leider. Die Menschen dort sind nur noch ganz schwer dazu zu bringen, aktiv am Geschehenen teilzunehmen.

Monioma

@Juttchen  
Genau so ist es! Hatte meine Mutter 4 Jahre in einem Heim (von ihrem 96. bis knapp vor dem 100. Lebensjahr)! Obwohl ich jeden zweiten Tag bei ihr war, mache ich mir heute, ein Jahr nach ihrem Tod, noch Vorwürfe, dass ich ihr das zugemutet habe!
Monioma

Juttchen

@Monioma
Hallo liebe Moni,
nein, Vorwürfe solltest Du Dir nicht machen. Und wenn Du Deine Mutter regelmäßig besucht hast, schon mal gar nicht.
Vielen Menschen ist es nicht möglich ihre Eltern zu pflegen, aus den verschiedensten Gründen. Respektiere ich auch alle.
Und es gibt auch viele, gute Pflegeheime.
Und bis in den Tod hinein, könnte ich auch niemanden pflegen, da käme ich an meine Grenzen und würde mir auch professionelle Hilfe holen.

Christine62laechel


Ich fühlte mich vor etwa 30 Jahren einfach betroffen, als mir mein Vater, um 80, sagte, er will in ein Altenheim, sollte er mal nicht mehr selbständig werden. Er hatte es mir so erklärt: Ich und meine Geschwister stehen (damals) mitten im Berufsleben, und unsere Mutter - die konnte sich ja um ihre Kinder nicht gut kümmern... Ich habe nachgedacht. Ja, mein Vater hatte Recht.

Und nun habe ich schon vor einigen Jahren meinem Sohn dasselbe gesagt. Natürlich kann mir niemand garantieren, dass ich da gute Freunde finde. Dort wird es aber für mich medizinische Versorgung rund um die Uhr geben, und Menschen, mit denen ich, wenn in guter Form, werde ich über gemeinsame Probleme, Beschwerden, Erinnerungen, sprechen können. Natürlich ist eine jeden Veränderung für die älteren Menschen nicht leicht; wahrscheinlich werde ich mich da anfangs verlaufen fühlen. Doch hoffentlich besser, als in einer leeren Wohnung, in Erwartung, bis mein Sohn am Nachmittag kommt, müde nach der Arbeit, und vielleicht auch noch Kinder, die ja nicht die ganz Zeit schweigen können... Beschlossen. :)

Mit Grüßen
Christine

werderanerin

Das beeindruckt mich, liebe Christine...weil ich immer denke, so etwas schiebt man sehr gerne weit weg. Verständlich, finde ich wiederum, man möchte das alles ja gar nicht so recht wahrhaben, dass es einen selbst "erwischen" könnte.

Auch ich habe da Erfahrungen mit unserem Vater. Er hatte Demenz, lebte aber noch allein in seiner Wohnung aber wir merkten, dass das immer schwieriger werden würde. In den Ende 90igern aber war die Medizin mit derartigen Diagnosen und  Behandlungen noch nicht soweit fortgeschritten und deshalb blieb uns damals leider kein anderer Weg als ihn in ein Krankenhaus zu geben. Er kam auf die Psychatrie..., heute gar kein Thema aber damals eben schon...er starb dort und etwas blieb in uns...hätten wir damals irgendetwas anders machen können, auf die Schnelle...Heimplätze gab es keine und wir standen Beide im Arbeitsleben..., haben uns gekümmert, so gut es ging...Manchmal gibt uns das Leben schwierige Aufgaben und vor allem Entscheidungen, die zu treffen sind...Richtig/Falsch...

Was damals tröstete...unser Papa wusste nicht mehr viel aber kamen seine Mädels, spürte es dies genau...ein zartes Händedrücken war Dankbarkeit genug und für uns war es wichtig.

Heute hat man ganz andere Möglichkeiten (denke ich...), ob man selbst dann eine Lebensform findet, die einem auch gut tut...wer weiß...

Kristine


 

Christine62laechel

@werderanerin  

Liebe Kristine

früher war es anders, auch in den Sachen. Es musste wirklich nicht leicht gewesen sein, sich für so etwas zu entschliessen - sonst könnte aber deine Familie einfach nicht mehr funktionieren können. Manchmal muss man so handeln, wo es anders nicht geht...

Ich glaube, es wird langsam üblich, dass ältere Menschen da leben werden, wo sie sicher sein können, nicht lange Stunden allein, von ihren Familienmitgliedern so oft besucht, wie es für die beiden Seiten auch nötig wäre.

Was, übrigens, auch üblich werden sollte, wäre ein Recht auf Betäubung, wenn es für jemanden einfach soweit wird. Vielleicht ist es in Deutschland jetzt schon so? Bei einem Beinbruch, bei einer OP, bei einer Geburt, kann man betäubt werden - und beim Übergang in eine andere Dimension nicht?

Mit Grüßen
Christine

ladybird

@Christine62laechel  

Ja,liebe Christine,
so habe ich es auch mit meinen Kindern abgesprochen. die Kinder behalten ihre Nerven und alle zusammen erhalten auf diese Art auch die Liebe. Die nicht vom Streess der Überforderung eventuell verloren geht.Meine Mutter hat mir das vorgelebt und wir hatten noch eine gute Zeit bei den Besuchen und sie bei Ausflügen seitens des Heimes...
Lieben Gruß
Renate

Christine62laechel

@ladybird  

Herzlichen Gruß, liebe Renate. Kinderliebe muss wirklich nicht verschwunden sein, wenn die älteren Eltern woanders sind, gut versorgt, und unter guten Bekannten. :)

Mit besten Grüßen
Christine

werderanerin

Das geht auch mir zu Herzen...schwieriges Thema ... aber ich kann all deine Zeilen verstehen.

Wenn man selbst Mama ist, möchte man den Kindern nie auf die Nerven gehen und schon gar nicht gepflegt werden...,  da ergeht es mir ähnlich...ich möchte nie in eine Heim, mal sehen, was da noch bleibt...

Kristine

Monalie

oh man und  mir laufen die Tränen über die Wangen,so ist das wahre Leben.ich hoffe nur das ich noch lange  im Gange bleibe,denn es hat keiner Zeit.Ich möchte auch nicht,das meine Kinder mich pflegen müssen,denn eine Mutter hat für alles Verständnis.lieben Gruß Mona

ladybird

Welcher Mutter geht bei Deinen Zeilen nicht das Herz auf?
lieber Wirius,
genauso habe ich es bereits verabredet mit meinen Kindern...
ich will niemals von ihnen "gepflegt" werden.....
mit Gruß
ladybird


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