Man müsste Klavier spielen können ...


Man müsste Klavier spielen können ...

Vater war ein überaus musikalischer Mensch. Er sang, spielte Klavier und Geige. Wenn er die Schallplatte mit dem Kaiserwalzer auflegte, wiegte er sich hin und her, und beim Radetzkymarsch zuckte sein Kopf im Takt, dass seine Haare auf- und ab wippten. Bilder, die sich in meiner Erinnerung tief eingegraben haben.
Später, als er aus dem Krieg nicht mehr zurückkehrte und Mutter eine Arbeitsstelle gefunden hatte, war ich viel alleine und versank in meine Gedankenwelt voller Fantasien. In dieser einsamen Stille glaubte ich manchmal, leises Klavierspiel aus dem Nebenhaus zu hören. Mit dem Ohr an der Wand überlegte ich, wer das wohl sein mochte.
Schließlich trieb mich die Neugier an die Haustür vom Nebenhaus. Auf dem kleinen Schild an der Tür las ich: „Helma Löhrer, Klavierlehrerin“.
Am Abend fragte ich Mutter, ob ich wohl bei Frau Löhrer mal nachfragen solle, ob sie mir Klavierunterricht geben könne.
„Das schlage dir ja aus dem Kopf, dafür habe ich überhaupt kein Geld“, war Mutters barsche Antwort.
Das war das Ende des Unterrichts, noch bevor er begonnen hatte.
Jahre später, im Pensionat, schwänzte ich regelmäßig den verhassten Mathe-Unterricht. Stattdessen floh ich in die Aula, wo der Flügel auf mich eine magische Anziehungskraft ausübte.
Mit einiger Mühe brachte ich mir dort die schönsten Dreiklänge bei und schaffte sogar die ersten Takte aus der Träumerei von Schumann. Ich genoss die Akustik des großen Raumes und gab mich irgendwelchen vagen Träumen hin. Nur das Läuten zur nächsten Unterrichtsstunde durfte ich nicht verpassen.
Weitere Jahre später arbeitete ich als au-pair in London in einem Wohnheim für Studentinnen. Die Mädchen kamen aus verschiedenen Nationen, so wie Judith aus Neuseeland. Judith studierte Musik und war an den Vormittagen oft zu Hause. Sie übte auf ihrem Klavier Tonleitern, Etüden, ganze Werke, stundenlang.
In ihrem Zimmer lagen sie, die Bachs, Mozarts, Schumanns und Chopins, nebeneinander, übereinander, auf dem Tisch, auf der Fensterbank, ihre Musik verborgen in schwarzen Strichen und Punkten auf dem Papier.
„Nie werden meine Hände lernen, Musik aus ihnen hervorzulocken“,
flüsterte ich traurig vor mich hin und sank vor Judiths Tür auf die oberste Treppenstufe. Meine Tätigkeit in diesem Haus, die Unmöglichkeit, daran etwas zu ändern, fiel mir wie ein schwerer Stein auf die Seele. Ich beneidete Judith aus tiefstem Herzen.
Traurig blieb ich eine Weile auf der Treppe sitzen und lauschte dem Klavier dort hinter der Tür …
Heute, nach vielen Jahren, begnüge ich mich mit dem Hören von Klaviermusik im Radio oder CD. Dabei erinnere ich mich vor allem an unseren Sohn, der hochbegabt war, das absolute Gehör besaß, Musik studierte und schließlich ein großartiger Pianist und Klavierpädagoge wurde. Irgendwie habe ich wohl meine Träume an ihn weiter gegeben.
Leider verstarb er nach schwerer Krankheit im Alter von nur 50 Jahren.


 


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Kommentare (21)

nnamttor44

Liebe Andrea!
Für mich war es immer die schlimmste Vorstellung für eine Mutter, ihr Kind - egal in welchem Alter - vorzeitig zu verlieren. Zu wissen, dass meine Großmutter (wurde 88) ihre älteste Tochter (mit 36) weit vor ihrem eigenen Tod verlieren musste, fand ich immer schrecklich und wünschte mir sehnlichst, so etwas nie erleben zu müssen. Bislang ging es diesbezüglich gut!!!!

Auch was das Instrumentespielen angeht, gibt es eigenes "umfangreiches" Erleben. Wir Mädchen mussten alle drei ab dem 6. Lebensjahr Klavier spielen lernen. Schließlich stand das Klavier meines Vaters immer im Wohnzimmer und jeden Dienstag kam der Organist unserer Pfarrkirche zu uns und es gab Hauskonzert: der Organist spielte Klavier und unser Vater begleitete ihn auf seiner Geige.

Vater nahm mich (die anderen beiden wollten das nicht) schon im Alter von 6 Jahren mit ins münstersche Theater, wo er einerseits nach dem Krieg für die Engländer als Visagist und Friseur, andererseits auch als Geigensolist arbeitete.037-sw.jpg
Er brachte sich autodidaktisch bis zur Konzertreife das Geigenspiel ab seinem 14 Lebensjahr (neben seiner Friseurlehre) bei.

Selbst in den Krieg nahm er seine Geige mit (er war Sanitäter) und es fanden sich doch gelegentlich ein paar weitere Soldaten aus seiner Kompanie, die mit ihm 1941 den Anderen ein kleines Konzert in einer Einsatzpause boten.und Zuschauer beim Soldaten-Konzert 1941.jpg
Er weinte bitterlich, als er im Alter wegen seines Parkinsons nicht mehr Klavier und noch weniger Geige spielen konnte ... Sein Klavier nahm unser Adoptivbruder mit, wir Mädchen konnten nicht überzeugen, dass eine von uns dieses Instrument hätte erben dürfen. Dabei spielt meine jüngere Schwester heute auf öffentlichen Konzerten mit ihrem inzwischen guten Freund und Musikprofessor  ...

Als ich im Internat aufgrund starker psychischer Belastung Klavierverbot bekam, hat mich das total heruntergerissen! Es war doch meine Verbindung zu meinem Zuhause!

Irgendwann in meiner Ehe schenkte mir mein Mann ein elektrisches Klavier, das auch so eingestellt werden konnte, als spielte ich Klavier. Doch es fehlten im oberen und unteren Bereich je eine dreiviertel Oktav Tasten. Dann kann man so manches Stück nicht mehr "richtig" spielen. Und er erlaubte nur in der Advents- und Weihnachtszeit, dass ich entsprechende Lieder spielte. Klassische Stücke wollte er nicht hören! Seine Mutter hatte ihm, dem Schlagzeuger, mit ihrer Ukulele plus ihrem Gesang jedwede Freude an klassischer Musik vergällt.

Wenn ich nun nächste Woche umziehe, habe ich schon einen Extraplatz für mein Klavier entsprechend ausgewählt - und dort kann ich endlich wieder "üben", so oft es mir Freude macht - tagsüber ist niemand zuhause und es gibt keine Nachbarn, die meine Übungen hören müssen!! Aber mir wird es Freude machen. Man kann auch so manches nach Gehör spielen, sollte meine Sehkraft weiter nachlassen (ist derzeit leider so).

Übrigens hat meine Tochter die musische Ader meines Vaters auch geerbt. In jungen Jahren spielte sie in ihrer Band die Hammondorgel und sang dazu, aber auch die Gitarre lernte sie autodidaktisch nach Gehör. Heute hat sie leider als Selbstständige im Grafikgewerbe keine Zeit mehr dazu.

Ist schon spannend, aber auch sehr schön, wie solche Talente weitergegeben werden ...

💕lichen Gruß von Uschi

Muscari

@nnamttor44  

Liebe Uschi,
bevor ich noch weiter schreibe, danke ich Dir zunächst für Deinen ausführlichen und berührenden Kommentar. Einen ganz besonderen Eindruck hinterlässt bei mir das Foto Deines Vaters mit der Geige vor den Soldaten. Dabei seufze ich tief auf...

Gerade in den momentan isolierten Zeiten gehen auch meine Gedanken immer wieder in die Vergangenheit zurück.
Kürzlich hatte ich allerdings ein wunderschönes Erlebnis, denn mein Enkel, Sohn des verstorbenen Sohnes, spielte mir eine Passage aus Claude Debussys Bergamasque vor, wobei mir die Tränen kamen. Einerseits aus Erinnerung, andererseits aus Freude, dass er nun auch soweit ist, dies spielen zu können. Obwohl seine Berufspläne nicht in Richtung Musik gehen.

Schön finde ich nun, dass Du planst, nach Deinem Umzug einen Platz für Dein Klavier zu reservieren, um wieder zu üben. Herrlich finde ich das. Auch nach Gehör geht sooo vieles.
Ich wünsche Dir, gerade in Deiner aktuellen Situation, dass Dir das Klavierspielen viel Freude bereitet und natürlich für Deine Gesundheit alles Gute.
Andrea



 

nnamttor44

@Muscari  
Liebe Andrea!
Ich vermute, Dein Enkel wird die Musik als Hobby gewählt haben. Ein oder mehrere Instrumente zu beherrschen legt man nicht einfach an die Seite. Es ist eine Erfahrung fürs Leben, die jedem, der das kennengelernt hat, immer wieder viel Freude und Frieden schenkt. Das gilt für alle musischen Talente, die schönen Seiten des Lebens!

Es freut mich, dass auch Du so empfindest, das zeigen auch Deine Zeichnungen.

💖lichen Gruß

Uschi

Tulpenbluete13

Liebe Andrea,

erst heute habe ich Deine Klavier-Geschichte entdeckt... Sehr traurig aber nachvollziehbar...
Bei mir war es gerade umgekehrt. Ich hatte Klavierunterrricht aber ich hatte keine Lust zum Üben... lach..
Früher war es üblich daß man - wenn ein Klavier im Hause war- auch Unterricht hatte...
Huete habe ich das Klavier immer noch kann aber nicht mehr spielen wegen der Arthrose in meien Fngern. Aber zu großer Berühmtheit habe ich es eh nicht gebracht..lach..
Schön daß sich die Talente Deines Vaters über Dich an Deinen Sohn vererbt haben...
Leider hattest Du nur eine kurze Zeit mit ihm..Es ist immer schlimm ein "Kind" zu verlieren auch wenn es schon erwachsen ist....
Aber Du hast eine "musikalische Erinnerung " und das ist doch auch schön...

Viel Freude beim Anhören von Klavier"-Tönen" aus der Konserve".. Was wären wir arm dran ohne die Musik....meint

Dich lieb grüßend
Angelika
 

Muscari

@Tulpenbluete13  

Auch Dir sage ich meinen herzlichen Dank für Deinen lieben Kommentar.
Stimmt, man muss zunächst die Lust haben zu lernen und vor allem ständig zu üben. Wenn die Begabung da ist, folgt möglicherweise alles andere von alleine.

Wenn Du schreibst, "kann aber nicht mehr spielen wegen der Arthrose in meinen Fingern", war dies auch mit ein Grund, weshalb mein Sohn in die Krise geriet. Er hatte von früh an Rheuma, das immer schlimmer wurde, er die Finger nicht mehr bewegen konnte, sich aber vehement weigerte, eine Behandlung anzunehmen.
Im Gegenteil nahm er übermäßig viele Schmerzmittel in Verbindung mit Alkohol, was schließlich zu multiplem Organversagen führte.
Tja, das war das traurige Ende. Sein Tod liegt nun schon 7 Jahre zurück.
Wie schon erwähnt, habe ich das inzwischen einigermaßen verkraftet, und wie Du sicher weißt, habe ich seit 2 Jahren noch einiges mehr zu verkraften ...
Nochmal ganz lieben Dank, auch für das Herzchen, und herzliche Grüße von
Andrea

 

ahle-koelsche-jung

Liebe Andrea, eine traurige Geschichte, aber so ist das Leben leider hin und wieder. 
Man muss dann mit seinen Träumen lernen zu leben und das Beste draus machen.

Sehr schade das du den Klängen deines Sohnes nicht mehr lauschen kannst. Auf so ein Talent kann man dann auch stolz sein.

HG Wolfgang

Muscari

@ahle-koelsche-jung  

Danke, lieber Wolfgang
für Deine freundlichen Zeilen.

Was die Klänge unseres Sohnes betrifft, existieren noch eine Menge Tonaufnahmen seiner eigenen sowie seiner Schülerkonzerte.
Irgendwann werde ich sie einmal durchschauen und vielleicht auch hören, habe aber leider noch nicht die Zeit gefunden.

Es grüßt Dich herzlich, auch mit Dank für das Herzchen,
Andrea

Muscari


Last but not least sage ich nochmals allen, die kommentiert haben, herzlichen Dank.
Aber nicht zuletzt auch den freundlichen Herzensspendern.
In der Hoffnung, bald wieder etwas Humorvolles beitragen zu können, grüße ich alle von ganzem Herzen.
Andrea
Herzxx.jpg

 

Syrdal

Vor allem wir „Kinder der Zeit des Nachkriegsmangels“ haben oft schmerzlich erfahren, dass viele wunderbare Vorstellungen im Reich der unerfüllbaren Wünsche verbleiben mussten. Die stets vordergründigen Aufgaben des Lebens haben uns gelehrt, damit umzugehen… Umso mehr dürfen wir uns nunmehr die Seele und Herz erhebende Freude gönnen, im Werden unserer Kinder so manch eigenen Wunsch in Erfüllung zu sehen. Und der Fortschritt der Technik gewährt uns zudem den Genuss von vielen Dingen, die wir gerne selbst mitgestaltet hätten. Dies alles dankbar anzunehmen – auch in Anbetracht erlittener Schicksalsereignisse – ist letztlich freudige Erfüllung des sich im Frieden des Alters abrundenden Lebenskreises.

Mit Dank für deine sehr persönliche Geschichte um den Klang der (Klavier-)Musik grüßt
Syrdal

Muscari

@Syrdal  

Lieber Syrdal,
herzlichen Dank für Deine verständnisvolle Begleitung in meine Vergangenheit.
Gerade in der momentan schwierigen Zeit, in Verbindung mit dem Winterblues, tauchen immer wieder Erinnerungen an vergangene Zeiten auf.
Mal mehr, mal weniger schmerzlich.
Es grüßt Dich lieb
Andrea

 

WurzelFluegel

Habe deine Geschichte schon vor ein paar Stunden gelesen. 
Dass du deinen Sohn verloren hast, hat mich so bewegt, dass ich nicht gleich etwas schreiben konnte/wollte. 

Auch ich wollte nichts lieber als Klavierspielen lernen, aber Vater hat es verboten (es war einfach nicht genug Platz vorhanden), so kann ich es gut mitfühlen mit dir. Aber was ist das schon, gegen den Verlust eines Kindes. 

Schicke dir deshalb ganz stille Grüße

Weiße Rose, Rose, Weisse Rosen
herzlichen Gruß
WurzelFluegel
 

Muscari

@WurzelFluegel

Liebe Wurzelflügel,
Deine mitfühlenden Worte tun gut.
Ja, es ist schade, wenn man dies und das gerne getan hätte, es aber auch irgendwelchen Gründen nicht möglich war.

Mein Sohn ist nun schon 7 Jahre tot, aber gerade in der momentan schwierigen Zeit in Verbindung mit dem Winterblues wandern die Gedanken immer wieder in die Vergangenheit.
Mal mehr mal weniger schmerzlich.
Ich danke Dir sehr und grüße Dich herzlich.
Andrea

protes

liebe Andrea,
 ich mag deine gschichten
kann auch nachempfinden
wie es ist
etwas so sehr zu wollen
und es aus geldmangel nicht zu können.

gut ist, dass du trotzdem die musik
in dir behalten hast
und die freude daran

lieben gruß
hade

Muscari

@protes  

Lieber Hade,
hab herzlichen Dank für Deine lieben Zeilen und Dein Nachempfinden.
Andrea

Rosi65


Ich kann mir gut vorstellen, wie sehr Du Dich über viele Jahre hinaus nach Deinem Herzenswunsch gesehnt hast, liebe Andrea. Gerade in der Jugend hat man doch so viele unerfüllte Wünsche und Sehnsüchte.
Doch ein Klavier benötigt viel Platz in der Wohnung, und seine Anschaffung ist sicher sehr kostspielig. Deshalb, Entschuldigung, meine etwas laienhafte Frage dazu: "Konntest Du nicht wenigstens auf ein kleineres Musikinstrument umsteigen, und Dich so vielleicht auf  eine Art Kompromiss einlassen?" Dann hättest Du doch wenigstens etwas musizieren können, oder?

Bitte nicht böse sein, liebe Andrea, denn es war nur meine Überlegung dazu.

Der Schicksalsschlag mit Deinem Sohn hat mich allerdings doch sehr betroffen gemacht.
Das tut mir aufrichtig leid, denn Kinder sollten niemals vor ihren Eltern gehen müssen.

Herzliche Grüße
   Rosi65

Muscari

@Rosi65

Tja, liebe Rosi,
als ich damals Frau Löhrer von nebenan spielen hörte, war ich gerade mal 10 Jahre alt. Da kam mir natürlich nicht der Gedanke an die Anschaffung eines Klaviers und was dies bedeuten würde.
Aber es muss an meinem Vater gelegen haben, dass ich nur immer das Klavier im Kopf hatte, ohne Gedanken an ein anderes Instrument.
Als unser Sohn später mit 5 Jahren seinen ersten Klavierunterricht erhielt, habe ich ein knappes Jahr mitgemacht, aber dann aus Zeitgründen aufgeben müssen.
Naja, und heute erfreue ich mich an alten Tonaufnahmen unseres Sohnes sowie an Musik im Radio und von Schallplatten.
Ich danke Dir und grüße Dich herzlich.
Andrea

ladybird

Liebe Andrea,
Deine musikalische Geschichte war wieder gut zu lesen.Der letzte Satz ging mir allerdings sehr nahe. Vielleicht half Dir ein wenig bei Deiner Trauer,die  Hoffnung, Deinem Sohn Deine Träume wirklich "vererbt" zu haben?
Mit Dank für Deine "Klavierstunden" ein musikalischer Gruß aus Colonia
herzlichst Renate

Manfred36

Etwas lieben und etwas "können" sind zweierlei Dinge. Ich habe leidlich Klaviersspielen gelernt und hinter mir steht das Piano meiner Frau, die vor 4 Jahren gestorben ist. Ich habe seither nicht mehr gespielt. Das Klavier hatte mein Sohn mitgenommen. Aber ich höre trotzdem gerne Klaviermusik.

Muscari

@Manfred36
 
Herzlichen Dank, lieber Manfred, für Deinen Kommentar.

Eigentlich schade, dass Dein Sohn das Klavier entführt hat, denn vielleicht hätte Dich doch noch irgendwann die Lust gepackt, ein paar Takte zu spielen.
Du hast recht, wenn Du sagst, dass "lieben" und "können" zweierlei Dinge sind, doch meine ich, dass zum Klavierspielen "lieben" die Voraussetzung ist, um es später zu lernen und dann zu "können".
Das scheint wohl auch für andere Dinge zu gelten.

Mit herzlichem Gruß,
Andrea

Winterrose

Das kann ich so gut nachfühlen, liebe Muscari. Etwas gerne tun zu wollen und nicht in die Tat umsetzen zu können, bleibt eigentlich auf alle Zeit ein Wunschtraum.
Mir ging das ähnlich, allerdings nicht mit einem Instrument, sondern mit meiner Ballettschule. Meine Eltern, die nach dem Krieg – wie viele andere Menschen auch, mit dem Verdienst meines Vaters gerade mal so über die Runden kamen, erlaubten mir dennoch Ballettunterricht zu nehmen. Die Ballettschule unter der Leitung von Marie-Trude Schellens, befand sich damals im Düsseldorfer Malkasten, einem Künstlerverein, der für mich nur nach einer fast einstündigen Fahrt mit der Straßenbahn zu erreichen war. Ich war das glücklichste Kind auf Erden und mit voller Begeisterung bei der Sache. Sogar bei einem kleinen Fernsehauftritt mit dem Kinderballett anlässlich der Funk-und Fernsehausstellung in Frankfurt/Main, durfte ich dabei sein. Auch heute noch liebe ich das Tanzen. Nur damals bekam ich nach ein paar Jahren Unterricht Herzprobleme und der Arzt riet meinen Eltern von einem weiterem Ballettunterricht ab. Für mich brach eine Welt zusammen. Tagelang vergoss ich nicht enden wollende Tränen. Und immer wieder bin ich zum Unterricht gefahren und habe den anderen mit Tränen in den Augen beim Tanzen zugesehen.

Du hast Erinnerungen an eine schöne Zeit, aber auch traurige Zeit meiner Kindheit geweckt. Und so tröste auch ich mich manchmal noch mit Ballettaufführungen im Fernsehen, die leider relativ selten stattfinden.

Ein schönes Wochenende wünscht dir mit lieben Grüßen
Laura, die nun wieder in Erinnerungen schwelgt :o)).
 

Muscari

@Winterrose

Liebe Laura,

Deine Geschichte hat mich sehr berührt.
Wie ich lese, hast auch Du Deinen Traum nicht weiter träumen können. Und dies sogar aus Gesundheitsgründen. Wie bitter.
Ich glaube, wir sind damit nicht die Einzigen auf der Welt.

Gerade in diesen schwierigen Tagen, in denen man in seiner Freiheit eingeschränkt ist und das Wetter genauso trübe ist - jedenfalls bei uns - tauchen immer wieder die Erinnerungen an alte Zeiten auf, wobei ich froh bin, sie ab und zu aufschreiben zu können.
Na, und dass ich damit auch Dich in Deine Erinnerungen zurück versetzen konnte.
Und so danke ich Dir, dass Du auf so ausführliche Weise auf meine Geschichte eingegangen bist und grüße Dich herzlich.
Andrea

 


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