Mausenot

Wohl die Ältesten erinnern sich
an die Zeit, als alle Mäuse
in Nöten waren, gar betrüblich,
denn ihr warmes Nestgehäuse
umschlich auf samtig leisen Sohlen
eine riesengroße Katze,
um kleine Mäuslein sich zu holen
mit der flinken Krallentatze.

Wie könnten sie das wohl abwenden,
war Thema nun im Mäuserat,
Wir müssen die Gefahr beenden,
wer hat eine Idee parat?“
Es senkten sich die Mauseköpfe,
nicht eine hatte guten Rat,
doch ein junges der Mausgeschöpfe
nasweis vor das Gremium trat:

Wir sollten eine Glocke kaufen,
sie dem Katzenviech umbinden,
so hören wir es herum laufen,
können dann ganz schnell verschwinden!“
Ja klar, das ist ein guter Vorschlag“,
rief gleich der alte Oberrat
und gab der Kämmermaus den Auftrag
zum Glockenkauf am nächsten Tag.

Zunächst muss jede Maus bezahlen,
dann soll der Kauf vonstatten gehen,
sie löhnten alle unter Qualen,
das Geschäft kann nun geschehen,
jedoch wer würde sich bequemen –
darob kamen sie bald in Streit –
der Katz die Glocke umzuhängen,
es fand sich keine Maus bereit.

Das schöne Glöckchen lag jahrelang
am einstens abgestellten Ort,
bis eines Sonnentages dann
ein Wiesenzwerg vorbeikam dort
und staunend die feine Glocke sah,
diese sogleich kaufen wollte,
der Mauseoberrat rief „O ja,
gern gewähren wir die Bitte.“

Seither hängt hoch am grünen Stängel
vor jedem Wiesenzwergenhaus
ein Glöckchen – doch der Katzenbengel
greift sich noch immer jede Maus.

© Syrdal 2020
 


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Kommentare (3)

Anabell23

Das ist eine sehr schöne Geschichte mit den dazu passenden Bildern. Außerdem gekonnt und hervorragend vorgetragen. Ich habe sie mit Vergnügen gelesen und gelauscht.

Trotzdem ekele ich mich unglaublich vor Mäusen, bis hin zur Hysterie. Würde eine im Zimmer sein, würde ich auf den Tisch klettern. Selbst vor Bildern, habe ich noch einen Ekel.
Ich bin da in meiner frühesten Kindheit einmal sehr erschreckt worden, von einer recht boshaften Person, die mir eine tote Maus samt Mausefalle ins Gesicht hielt.
Wahrscheinlich ist das der Grund meines Ekels auch heute noch.

Sorry, das gehört hier alles nicht hin.
Gute Nacht und liebe Grüße
Uscha

Syrdal

@Anabell23

Oh ja, liebe Uscha, deine Aversion hinsichtlich der Mäuse ist sehr wohl zu verstehen, vor allem nach deiner Schilderung des unschönen Erschreckens in der frühen Kindheit. Umso mehr freue ich mich, dass du die kleine Video-Geschichte dennoch angeschaut und zudem gewürdigt hast. Vielleicht konnte sie ja ein wenig dazu beitragen, das einstige Erschrecken zu „vergessen“ und heute in einem anderen Lichte zu sehen.
Danke jedenfalls für deine Einlassung auf das Thema „Mausenot“.
Liebe Grüße
Syrdal
 

Silentia

Wunderschöne Ballade mit aussagekräftigen Fotos und deren Gekonnter Zusammenstellung untermalt. Thema aus dem richtigen Leben, Respekt und Anerkennung von
Silentia


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