Ich war gerade 10 Jahre alt, als mich mein großer Bruder zum ersten (und vorletzten) Mal ins Kino gebracht hatte. Es war die Zeit, wo das sogenannte Bigbeat echt populär wurde. Der Film war einer der ersten Musikfilme für junge Leute, und im Hintergrund hat er, der Andreas Z., mit seiner Gruppe zusammen, gespielt und gesungen. Er war – 26 Jahre alt.

Ich war fertig… Natürlich war es keine Liebe im üblichen Sinne des Wortes. Er wurde für mich die ganze Welt einfach, in meiner Phantasie nur, wie sonst. Viele Kinder haben solche „Freunde“: Figuren aus den Büchern, ein Echo hinter dem Haus, das die Stimme einer solchen Person sein soll, oder sogar das eigene Spiegelbild, das man nicht zu erkennen scheint.
 
   Damals konnte ich ihn nur selten mal im Radio hören, oder im TV sehen, es gab ja kein Internet noch. Und wenn, bekam ich Stoff für die nächsten Wochen meiner Träumerei: wie wir uns unterhalten würden, was gemeinsam unternehmen… Nie habe ich an sowas wie einen Kuss gedacht, später übrigens auch nicht. Er war eigentlich kein Mann in meinen Gedanken; er war – der Andreas.
 
   Als ich 13 Jahre alt war, entstand eines von ihren bekanntesten Liedern, dasjenige über eine wunderschöne Cellistin. Es hatte mir natürlich auch sehr gut gefallen, und ich machte mir keine Gedanken darüber, dass im Video davon wirklich eine sehr hübsche junge Dame das Instrument spielte. Dann hatte es aber eine andere Fernsehsendung gegeben: Die Gruppe stand auf der Eisplatte, und vor ihnen – tanzte eine Schlittschuhläuferin, in meinem Alter! Ich wurde einfach krank. Das sollte ja ich gewesen sein! Ich fühlte mich im Vergleich so hässlich, und Schlittschuh laufen konnte ich kaum…
 
   Jahre vergingen; ich hatte mehrere Freunde, Partner, dann auch einen Ehemann – doch der Andreas war für mich immer irgendwie wichtig. Oder eher – meine Vorstellung von ihm. Er hatte übrigens auch eine Dame geheiratet, und es war wieder ein Stich für mich, wirklich. :) Seine Lieder wurden dann nicht mehr sooo gut, sehr hübsch war er so gut wie nie, ich blieb ihm aber irgendwie – treu…
 
   Neulich habe ich erfahren, dass er in einem Autounfall verletzt wurde, und im Krankenhaus verweilt. Ich habe mir gedacht: Vielleicht schreibe ich ihm eine E-Mail? Wer weiß, vielleicht würde er sich freuen, eine so treue Verehrerin zu haben? Würde meine Nachricht sogar beantworten? Würde mich - bemerken?

   Im Internet wollte ich die Kontaktadresse finden, und da habe ich folgendes gelesen: 2017 hatte der Andeas Z. zum zweiten Mal geheiratet.

Na sowas! Die kleine Schlittschuhläuferin konnte ich ihm vergeben, die mehreren Lieder, die er im Duett mit welch hübschen jungen Damen gesungen hatte, na die eine Ehefrau auch noch. Aber eine zweite? Es wurde mir einfach zu bunt. Nun mache ich also Schluss!

:)
 
 
 
 


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Kommentare (9)

HeCaro

Hallo Christine,
ein Jugendschwarm hat für immer einen Platz in unserem Herzen und jedesmal wenn man an "ihn" denkt,  lächelt man in der Erinnerung. Meine heimliche Liebe waren Peter Kraus und Elvis Presley und noch heute drehe ich das Radio lauter,  wenn einer von Beiden singt. 

Einen Schwarm sieht man immer verklärt und deshalb kann er der Realität nicht standhalten. 

Liebe Grüße, Carola 
 

Christine62laechel

@HeCaro  

Liebe Carola,

das können sie wirklich nicht. Deswegen kann ich mich nur freuen, dass ich den "meinen" Andreas nicht persönlich kannte. Ich habe ihn paar Mal im Fernsehen oder im Radio sprechen können. Also, er sang besser, als er reden konnte (wahrscheinlich deswegen, weil es nicht seine eigenen Texte waren). 😋

Mit lieben Grüßen
Christine

Syrdal


Einer meiner Lieblingsphilosophen schreibt in einem seiner Werke u.a. den bedeutungsvollen Satz: „Hüte dich vor deinen Wünschen!“ Das will man vielleicht zunächst nicht annehmen und doch… denn werden manche Wünsche wahr, zeigt sich möglicherweise eine Realität, die man nie und nimmer so gewollt, geschweige ersehnt hat.

Unter dieser Sicht könnte ein wirkliches Kennenlernen des „Lieblingssängers“ eine bittere Enttäuschung sein…

...meint mit abendlichen Grüßen
Syrdal
 

Christine62laechel

@Syrdal  

Oh ja, lieber Syrdal, den Satz habe ich vor Jahren in der englischsprachigen Version kennengelernt. Es hieß also: Watch what you wish, wenn ich mich nicht irre.

   Was aber natürlich nicht bedeuten soll, man müsse an das Träumen ganz verzichten, oder sich gar keine Hoffnungen machen, dass da ein Wunsch genau so in Erfüllung geht, wie man das gerade wollte. Das wäre ja der kürzeste Weg zur Erbitterung. :)

Mit Grüßen
Christine

rosalia

Aus Irland :

Nimm dir Zeit zu träumen,
das ist der Weg zu den Sternen.


Aus England :

Tagträumen ist nicht verlorene Zeit,
sondern Auftanken der Seele.


Wer nicht träumt, versäumt.........Träumen gehört zum Leben, ohne Das hätte unser Leben sehr viel weniger Qualität.....träumen wir immer noch ein Bißchen weiter......

in diesem Sinne....liebe Grüße Christine.....Linda 👍🌷🌹



 

Christine62laechel

@rosalia  

Liebe Linda,

ohne Träume könnte ich mir mein Leben kaum vorstellen, sowohl früher, als auch jetzt. Ohne leichtsinnig oder unvernünftig zu werden, es ist so schön, wenn man sich einfach einen "Film" vor den Augen vorführen kann; in eigener Regie. :)


Mit lieben Grüßen
Christine

rosalia

....ja Christine, 'hat was Wunderbares, wenn es gelingt (ab und zu schon🐞) Gewünschtes feeling in Eigenregie zu erleben......

Einen gemütlichen Freitagabend wünsche ich.....Linda🌺

Roxanna

Recht hast du, liebe Christine. Das hat er nun davon. Seine treueste Verehrerin über so viele Jahre hat er nun verloren. Es wäre doch mal interessant herauszufinden, was genau es eigentlich ist, das einen so stark zu einem ganz bestimmten Menschen hinzieht, dass man ihn, wenn realer Kontakt nicht möglich ist, fast immer in Gedanken bei sich hat. 
Ich denke, liebe Christine, es war nur so schön, weil du ihn nie wirklich kennengelernt hast. Hättest du, wäre der Traum vielleicht gleich zu Ende gewesen. Entschuldige bitte, dass ich dir nun die Illusionen geraubt habe 😉.

Ich kann dich so gut verstehen, hoffe, dass du nun nicht allzu traurig bist und grüße dich sehr herzlich

Brigitte

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Christine62laechel

@Roxanna  

Liebe Brigitte,

na ja, ich konnte die stille Anwesenheit des netten Mannes lange Jahre genießen... Meine "als ob" Gespräche mit ihm haben mir vielmals einfach gut getan; ich fühlte mich nicht allein.

   Und nun - schaffe ich mir wahrscheinlich eine neue Illusion an. 😂 Leben mitten im grauen Alltag nur? Kommt nicht in Frage. ;)

Mit herzlichen Grüßen
Christine


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