Mein Münsterland - wie es ißt und trinkt (Teil 1)


Eine Esskultur zwischen Tradition und Zweckmäßigkeit.....

..... Rezepte sind in einschlägigen Kochbüchern zu finden. Ich möchte Euch zeigen, wann was gegessen wurde und welche Spezialitäten in dieser Region zuhause sind.

Die typische Landschaft des Münsterlandes sind weite Felder, hier und da ein Waldstück , Wiesen mit grasenden Kühen und immer mal wieder ein Bauernhof. Sie vermittelt ein Gefühl der Ruhe und Beschaulichkeit. Auch in den kleinen Ortschaften, deren Kirchturm oftmals schon weit sichtbar ist, scheint die Welt noch in Ordnung zu sein.

Handel, Handwerk und besonders die Landwirtschaft waren und sind hier noch wichtige Erwerbsquellen. Entgegen der heutigen intensiven Bewirtschaftung war jeder Bauer ein "Selbstversorger". Auch in den Ortschaften hatten viele Bürger einen eigenen Garten und sogar einen kleinen Stall, in dem Schweine und/oder Hühner gehalten wurden. Somit konnten sie sich und ihre Angehörigen mit Fleisch, Gemüse und Eiern versorgen. Deshalb beinhaltet die Küche des Münsterlandes auch heute noch die deftigen und schlichten Gerichte der Bauern und Bürger.

Den Auftakt bildet wie immer die Suppe.......

Es ist auch heute noch Tradition, zu Beginn eines guten Essens eine kräftige Brühe zu reichen. Meistens gibt es diese sogenannte Vorsuppe sonntags, an Feiertagen und zu Familienfesten.

Im Münsterland wird die Suppe aus einem Suppenhuhn oder Rindfleisch gekocht. Gemüse, Nudeln, Eierstich und Grieß- oder Markklößchen bilden dazu die Einlage.

Das Rindfleisch wird dabei nach dem Kochen aus der Brühe genommen und mit einer Zwiebelsoße als Zwischengericht direkt nach der Suppe auf dem noch warmen Suppenteller serviert.

Um die Jahrhundertwende waren Milchsuppen im Münsterland die Frühspeise schlechthin. Sie wurden von den Bauern mit einem Holzlöffel aus Schalen gegessen, bevor sie ihre Arbeit in der Frühe begannen. Oftmals gab es am Abend noch einmal eine Milchsuppe, danach Pfannkuchen oder belegte Brote sowie den Gemüserest vom Mittagessen.....

übrigens, die Holzlöffel und Schalen wurden in früheren Zeiten bei dem "Kiepenkerl" gekauft, der mit seiner Kiepe auf dem Rücken übers Land zog.


Das Gemüse

Zu den beliebtesten Gemüsesorten gehört im Münsterland Stielmus, Schnibbelbohnen und im Winter der Grünkohl.

Stielmus wird nicht nur hier gern gegessen, sondern ist auch über die Landesgrenzen hinaus bekannt. Es wird im Frühjahr gegessen, weil dann die zarten Stiele der Mairüben genommen werden.

Schnibbelbohnen wurden früher besonders gerne gegessen. Daher wurden sie in großen Steintöpfen mit Salz eingestampft und somit für den Winter haltbar gemacht. In manchen Ortschaften nannte man sie auch "Fiezebohnen".

Dicke Bohnen mit Speck ist ein deftiges Gericht. Die dicken Bohnen sind auch als "Pferdebohnen" oder "Saubohnen" bekannt.

"Graue Erbsen mit Hering" ist ein traditionelles Essen zu Aschermittwoch und nur für robuste Mägen geeignet.

Das Wintergemüse schlechthin ist der Grünkohl, mancherorts auch "Braunkohl" genannt. Da es früher das einzige frische Gemüse im Winter war, stand es neben Schnibbelbohnen und Sauerkraut aus dem Faß fast täglich auf dem Speiseplan. Deshalb reicht man Grünkohl auch oft bei offiziellen Anlässen. In Norddeutschland gehört Braunkohl mit Pinkelwurst zu jedem Festessen in der kalten Jahreszeit. Im Münsterland gibt es Mettendchen, Rippchen oder Bratwurst zum Grünkohl. Er schmeckt erst dann richtig gut, wenn der erste Frost ihn berührt hat. Der Frost verwandelt nämlich die Bitterstoffe des Kohls in eine zarte Süße.

Die Kartoffel ist auch heute noch ein wichtiger Bestandteil in der hiesigen Küche.

Was in der jetzigen Zeit Maschinen bei der Kartoffelernte erledigen, wurde früher von Hand gemacht. Besonders die Kinder halfen mit beim Auflesen der Kartoffeln. Da dieses in den Herbstferien geschah, wurde die schulfreie Zeit auch "Kartoffelferien" genannt. Stolz waren die Kinder dann auf ihr selbstverdientes Geld, denn neben Kaffee, Kuchen und Butterbroten gab es als Lohn auch Geld.

.....und wer kennt nicht die leckeren Reibeplätzchen, die auf keinem Jahrmarkt fehlen dürfen? Früher wurden Reibeplätzchen bevorzugt freitags gegessen, da die katholische Bevölkerung des Münsterlandes freitags keine Fleischgerichte aß. In den städtischen Haushalten wurden sie dann mittags, auf den Bauernhöfen abends gegessen. Bleiben Reibeplätzchen übrig, so schmecken sie sehr gut kalt oder aufgewärmt auf Brot.
Aus gekochten Kartoffeln, Speckwürfeln, Eiern, Zwiebeln, Kräutern und Gewürzen wird das hier bekannte "Bauernfrühstück" hergestellt. In früheren Jahren gab es dieses Gericht in vielen Bauernfamilien als 2. Frühstück. Die schwer arbeitenden Bauern brauchten diese kräftige Zwischenmahlzeit, da sie vor Beginn ihrer Arbeit am frühen Morgen nur eine Milchsuppe aßen.

Wer mehr wissen möchten, kann den 2. Teil anklicken.

carla_federkiel

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Kommentare (2)

Linta †

Hallo Carla,
einst häufig unterwegs im Münsterland (per Rad die Pädgestouren oder meinen
Mann zu Sitzungen begleitend) schaute ich mir viel der Münsterländer Küche
ab.
Lustig fand ich immer "Pannekoken met Pillewörmern" (Regenwürmern), na, und
den "Münsterländer Rosenkranz" und vieles andere mehr.

Abends zuweilen auch mal die "Käseverwürfelung" beim Pinkus. Eine dicke
Scheibe Käse, in deren Mitte eine Salzstange steckte. Wer eine SECHS würfelte
durfte ein Stück des Käses abschneiden wobei man aufpassen musste, dass die
Salzstange sich nicht bewegte oder gar umkippte, das kostete jedesmal eine
Runde.

Dieses Würfelspielchen spielen wir alle Jubeljahre immer mal wieder.

Gruß
Linta
koala sagte man uns, wir leben in der rheinischen Tiefebene und die mussten es ja wissen. Wenn ich Deine muensterlaender Gerichte lese, muss ich feststellen,sie schwappten weit ueber die Grenzen bis hin zu uns. Und es stimmt, dass der Gruenkohl erst seinen richtigen Geschmack bekommt, wenn er den ersten Frost mitbekommen hat.
Heute lebe ich in Australien. Wenn ich ihn hier in Queensland zu kaufen bekomme, er kommt dann aus dem kalten Sueden, lege ich ihn kurz in den Gefrierschrank. Er schmeckt dann fast so gut wie in Deutschland!

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