Es gibt eine Brille fürs Fernsehen – die Fernsichtbrille, logischerweise.
Dann eine Brille fürs Lesen im Bett, das ist so eine hübsche mit rotbuntem Gestell, so schick schmal zum Balancieren auf der Nasenspitze. Ohne diese Brille sehe ich auch nicht viel schlechter bei nächtlicher Lektüre, also lass ich sie meistens unbenutzt, da sie beim übergangslosen Einschlafen stört. Die Werte stimmen wahrscheinlich auch nicht mehr so richtig.
Im Haus laufe ich sowieso ohne rum, schließlich kenn ich mich bei mir ziemlich gut aus und will auch nicht immer alles sehen, denn sonst müsste ich den ganzen lieben Tag lang putzen und aufräumen – dafür ist mir die Zeit zu kostbar.
Doch sobald ich das Haus verlasse, brauche ich einen geschärften Blick, allein schon, um die Nachbarn erkennend und freundlich zu grüßen, um in die richtigen Geschäfte zu finden, um die Uhr am Bahnhof lesen zu können und wegen unzähliger sonstiger Wichtigkeiten.
 
Als ich noch eitler als jetzt war, bediente ich mich der ach-so praktischen Kontaktlinsen. Ein bisschen Gefummel, bis sie an Ort und Stelle waren – und der Tag war klar wie die liebe Sonne. Dann jedoch kam die sogenannte Alterssichtigkeit hinzu und eine „halbe“ Lesebrille ergänzte die Kontaktlinsen. Irgendwann wurde mir das lästig: Wenn ich trotz Linsen zusätzlich noch eine Brille brauche, die ich zudem andauernd verlege (trotz Bändsel dran), kann ich auch gleich wieder zur Brille zurückfinden. Also denn: eine Gleitsichtbrille wurde angepasst und erstanden und ich stolperte mit ihr die Treppen und den Bordstein runter und fand diese Sehhilfe alles andere als hilfreich, sondern eher gefährlich. Der Optiker hatte zwar prophezeit, man gewöhne sich mit der Zeit an diese Brille, aber ich fiel weiter und legte die Brille ad acta, fand zurück zur guten alten Fernsichtbrille.
 
Ein paar Jahre später wollte ich mein Glück erneut mit einer Gleitsichthilfe versuchen. Herrje, es war aber auch wirklich zu lästig, beim Einkaufen dieses dauernde Auf und Ab mit der Brille, um Preise und Etiketten entziffern zu können, die ohnehin schon kundenfeindlich klein gedruckt sind. Ich wechselte den Optiker, dem ich mein altes Gleitsichtmodell als abschreckendes Beispiel mitbrachte: „So nicht!“ Nee, meinte er, es sei ja auch kein Wunder, dass ich damit nicht klar gekommen sei, die sei ja völlig unpassend  eingestellt gewesen. Ach, sieh einer an!
Mit der neuen Gleitsichtbrille kam ich gut klar. Ja, natürlich, die Eingewöhnungsschwierigkeiten, aber dieses Mal gaben die sich tatsächlich bald – außer beim Autofahren! Und zwar besonders beim Rückwärtseinparken, welches ich eigentlich recht gut beherrsche, erwischte ich immer den falschen Brillenausschnitt, nämlich den fürs Nahsehen, wo ich doch den für die Ferne brauchte.
Sapperlot, also noch eine Autofahrbrille, mit nur einer Stärke, die auch immer im Auto bleibt.
Nun, ich hab mich arrangiert. Mittlerweile kann ich sogar auch gleitsichbebrillt rückwärts einparken!
 
Mein Brillenarsenal ist also beachtlich und man sollte meinen auch ausreichend, besonders wenn man bedenkt, dass es –außer fürs Fernsehen – alle Brillen auch nochmals in Sonnenschutzversion gibt. Doch seit ein paar Tagen kann ich partout meine liebe Fernsehbrille nicht finden und sie fehlt mir ganz entsetzlich!
© ajs
25.03.2006
 
 


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Kommentare (1)

Manfred36

Realitätsnah !😁


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