Mensch – Maschine – Monologe* (1 – Schritte)


Mensch – Maschine – Monologe* (1 – Schritte)
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El Lissitzky (1890-1941) – russischer Avantgardist, Hauptvertreter des Konstruktivismus.
links: Studio per Proun** G7 (1922/23);
rechts: ‘Neuer’ (Der neue/erneuerte Mensch, 1923);
Quelle. via wikimedia.commons; Liz.: gemeinfrei.


Maschine im Menschen
 
Ich bin dein Schrittmacher, jetzt und hinfort,
du nur mein Mitmacher, an jedem Ort.
Ich bin Veranlasser, dass du was wagst,
wie auch der Aufpasser, falls du versagst.
Ich bin ein Wortloser, der nie verschnauft,
wenn sich ein Ruhloser die Haare rauft.
Nimm's als Bekräftigung und nicht als Last,
sieh die Vergünstigung, die du nun hast.

 
 
Mensch mit Maschine
 
Ich bin auf Ehrenwort – ein Mitmacher,
und du bist immerfort – der Schrittmacher;
bei dem, was schon gesagt – der Abwäger;
wie sehr es auch gewagt – kein Ankläger;
du bist kein Zuchtmeister – bist niemals schroff;
bist mein Gewährleister – auf den ich hoff;
statt Beifallsäußerung – brauch unbesehn
ich stets Ermunterung – bleib ja nicht stehn!

 
© Wolfgang H. (elbwolf, 2.5.2018)
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* Monologe (und nicht Dialoge), weil man nicht miteinander redet, sondern übereinander!
** Monografie von Katrin Simons, Insel TB 1376: El Lissitzky – Proun 23 N oder
'Der Umstieg von der Malerei zur Gestaltung als Thema der Moderne'.

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Kommentare (12)

Manfred36
Manfred36
Mitglied


Dein wie immer wohlformuliertes Gedicht über die Maschine im Menschen leitet bei oberflächlichem Lesen den Blick auch auf die Maschine mit dem Menschen, oh Graus, der Mensch 4.0. Du hast dich mit deinem Blog ihrer bedenkenlos bedient, mit Sicherheit nicht gleichzeitig überlegend, was für ein gewaltiges System drin und dahinter steckt. Ich grüble, wie dein Dialog aussehen wird, wenn du auch diese und so viele Andere einbeziehst, die unser Leben schon bestimmen.
Gruß Manfred
 

elbwolf
elbwolf
Mitglied

Du sprichst, lieber Manfred, von der Maschine, der sich ein Mensch freiwillig oder unfreiwillig ausgeliefert hätte. Von meinem Anliegen her könnte man auch DAS ins Auge fassen, müsste es aber nicht. Auch einer, der sich dem C2H5OH /Tiefstellen der Ziffern scheint auch nicht zu gehen/ ergibt, gerät in einen Teufelskreis - und eine Maschine wäre nicht einmal dabei.

Es gibt m. E. immer noch ein allerletztes Mittel, um uns vor dem Schlimmsten zu bewahren: unseren eigenen, gesunden Menschenverstand.
Neulich las ich in großer Zeitung, dass man gegen 2050 des Sitzen (auf Stühlen!) aufgeben würde, weil man nur noch stehen oder liegen würde. Und woanders, dass man dereinst eine besondere Erlaubnis einholen müsste, wollte man selber mal seinen Fuß auf ein Autopedal setzen. Und noch woanders, dass der erste Mensch, der 1000 Jahre alt würde, heute schon geboren sei.
Die Allerweltsregel, denke ich, wird schon weitergelten, dass umkommt, wer sich in Gefahr begibt. Die Gefahren muss man besser einschätzen lernen!
Gruß - Wolfgang

 

Tulpenbluete13
Tulpenbluete13
Mitglied

Lieber Elbwolf/Wolfgang

in dem geschilderten Fall ist die Maschine ein Segen. Das Thema hat mich vor ein paar Jahren auch sehr beschäftigt, als es um die Erwägung ging meinem parkinsonkranken Mann einen "Schrittmacher" einzusetzen.
Und ich kenne einige in meinem Bekanntenkreis die einen Herzschrittmacher haben und sehr gut damit zurecht kommen.
Aber es gibt auch Entwicklungen Mensch/Maschine, die sehr negativ "belastet" sind- ich mag mir das gar nicht im Einzelnen vorstellen.
Du hast ein sehr wichtiges und sehrinteressantes Thema angesprochen und das finde ich gut.
Es grüßt
Angelika
 

elbwolf
elbwolf
Mitglied

Du hast gewiss recht, Angelika, dass mein Thema in einen ziemlichen Fächer von Richtungen zu entwickeln ginge - ich will mir sie auch gar nicht alle vornehmen und um manche sogar bewusst einen Bogen machen.
Was sich bei Dir widerspiegelt: dass man in jedem Fall, in dem man selber betroffen wäre, sich ernsthaft mit einem ganzen Fragenkreis auseinandersetzen muss, vor allem, inwieweit man sich als selbständiges menschliches Wesen einer Maschine überantworten würde ...

Da ich zu gern immer auch einen bildhaften Ansatz zum Thema bringe, war ich hier von den beiden konstruktivistischen Bildern richtig begeistert, die zueinander passten, wie die "Faust aufs Auge". Aber zum kommenden Thema "Zeit" habe ich ein nicht minder eindrucksvolles Bild schon ins Auge gefasst - bleib dran, obwohl es ein wenig dauern wird!
Viele Grüße - Wolfgang/elbwolf
 

gittimax
gittimax
Mitglied


Vertrau dem Schrittmacher!
Sei nicht nur Mitmacher!
Genieß das Leben,
und all dein Streben
kann neu beginnen.
Mit frischen Sinnen.

In deinem Fall, lieber Elbwolf, ist das Wirken der "Maschine" durchweg positiv zu bewerten.
Die Verbindung von Mensch und Maschine ist schon gewöhnungsbedürftig und zwingt zu neuen Überlegungen.
Dein Gedicht dazu finde ich außerordentlich gelungen.
Liebe Grüße von Gittimax

elbwolf
elbwolf
Mitglied

Hätte mich auch gewundert, wenn Du, gittimax, bei meinem Thema nicht in den Ring gestiegen wärst - und noch dazu mit kleiner Reimerei! Allerdings ... hatte ich mich nicht definitiv geäußert, ob der geschilderte "Fall" auch ein persönlicher für mich (gewesen) wäre ...

Manches ist am "Dualismus Mensch : Maschine" tatsächlich gewöhnungsbedürftig und muss im Zutreffensfalle auch erst (vom Menschen, versteht sich - oder doch nicht?) angenommen werden; manches aber scheint sofort akzeptabel.
Weiter unten in der Antwort auf @syrdal hatte ich solche Themen angedeutet, denen man sich widmen könnte, weil sie auch manche überraschende Schlussfolgerung zulassen.
Meinen Dank an Dich für Deine heutigen Zeilen - Wolfgang/elbwolf.

Syrdal
Syrdal
Mitglied

Ja, es gibt gottlob große Fortschritte im Bereich der modernen Medizintechnik. Hocheffektive Minimaschinen wie Schrittmacher, implantierte Defibrillatoren, Insulin- und Schmerzmittelpumpen, aber auch Medikamentenstents, Bypässe u.v.m. sind in der Lage, lebenserhaltende Wach- und Steuerungsfunktionen mit hoher Zuverlässigkeit im Organismus zu übernehmen, solange ihre jeweilige Lebensdauer reicht. Diese Wissenschaftsleistung zu würdigen, ist in vielen Fällen unbedingt angebracht.

Es wird weitere hochmoderne technische Hilfsmittel geben bis hin zum 3D-Druck menschlicher „Ersatzteile“ und zur Retortenzucht lebensfähiger Organe. Wohin das alles aber einmal führen wird, ist bei weitem nicht abzusehen. Darf man alles was geht, auch tun?

Bleibt zu hoffen, dass all das, was erfunden und entwickelt wird, dem Fortschritt und Lebenserhalt der Menschheit dient. Es könnte aber auch anders laufen...
 
Lieber Wolfgang, zu diesen kleinen Überlegungen haben mich soeben die beiden „Mensch-Maschine-Sinnierungen“ angeregt. Gut, mal darüber nachzudenken und sich dabei auch Zukünftiges – wie immer es sich auch gestalten mag – vorzustellen,
meint in Grüße eingebunden
Syrdal

elbwolf
elbwolf
Mitglied

Zunächst einmal möchte ich meiner Freude Ausdruck geben, lieber Syrdal, dass wir Dich wieder in unserer Mitte haben - und mit der früheren Tatkraft ausgestattet!

Du schneidest die "ethische Frage" an, ob man auch alles dürfe, was man so könnte ... Dabei werden sich nie alle Glieder der Gesellschaft hinter dem gleichen Zugseil scharen. Aber "sinnieren" könnten wir ausgiebig.
Ich will mich nicht mit jedem medizinischen Detail, das sich heute schon abzeichnet, auseinandersetzen. Aber, um mein Sinnieren einmal anzudeuten, es könnten solche Themen für eine Fortsetzung dieser Serie werden: die innere und die äußere Uhr; Pedal & Bremse - wer/was tritt drauf; u. a. m.

Nach Deiner heutigen Meinungsäußerung darf ich mir erhoffen, auch dafür Dein Interesse zu gewinnen.
Mit beste Grüßen - Wolfgang/elbwolf

 

lillii
lillii
Mitglied

Mensch und Maschine
mit diesem Thema, lieber Elbwolf,
hast Du Dich wohl ausgiebig, aber auch einfühlend auseinandergesetzt.
Mir gefällt besonders, dass Du beide zu Wort kommen lässt.
Ein Dialog ist es nicht, aber auch kein Monolog.
So sehe ich es .
Schrittmacher wie Mensch sprechen jeweils, idirekt,  den anderen an, berichten über die Vorteile, die sie bringen,der andere spricht, nach meiner Sicht, einen Dank an eine Maschine aus.
Was wäre der Eine ohne den Anderen ?

ein Thema. das viele angeht.

Danke und lieben Gruß lillii (Luzie)
 

elbwolf
elbwolf
Mitglied

Du stellst eine wichtige Frage, liebe lillii: "Was wäre der Eine ohne den Anderen?"
Nun kann sich in solchen Zweckbünden "der andere" (als nicht mit Stimme ausgestattet - obwohl ... ein sprechender Roboter ...?) nur mit seiner Zuverlässigkeit, Langlebigkeit, konstanten Leistung und anpassungsfähigen Funktionen ins Spiel bringen, während "der eine" aus all diesem Schlüsse ziehen und zu einer weiteren Verbesserung der technischen Komponente beitragen kann.
Das ist eine ganz besondere Form der evolutionären Weiterentwicklung; manche Überraschung werden wir selbst noch und auf jeden Fall die uns Nachfolgenden erleben.
Danke für Deine Überlegungen - Wolfgang, mit herzlichen Grüßen!

 

APet
APet
Mitglied

Schöne Homage an den Herzschrittmacher.
Und diesem auch eine Stimme zu geben,
das kann ja nur gut gehen. 
Wie immer von elbwolf, schön dargestellt.
Liebe Grüsse, Agathe 

elbwolf
elbwolf
Mitglied

Ja, Agathe! Es ist als Huldigung für ein technisches Gerät gedacht, das es in der heutigen ausgereiften Form erst seit knapp 40 Jahren gibt und das einem Menschen - seinem Träger - wieder zur (fast) vorherigen Leistungskraft verhelfen kann. Aber DER muss auch Vertrauen in diese Fähigkeit aufbringen.

So kann man sich auch andere Kombinationen von Mensch und Mechanismus vorstellen, und die Angabe der "(1)" im Titel deutet ja an, dass ich mir auch anderes vorstelle - bis dahin also!
Und Dir Dank für Deine Aufmerksamkeit und treffsichere Interpretation - Wolfgang.


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