Mit den Hurtigruten in die arktische Welt


Mit den Hurtigruten in die arktische Welt
Tag 2: Wir haben keine Zeit
09.01.2020
(Sonnenaufgang in Ålesund: 9.56 Uhr, Sonnenuntergang in Molde: 15.21 Uhr)

Die Überschrift mag merkwürdig klingen, doch heute raste die Zeit wie im Flug.
Die vergangene Nacht verging in einem schaukelnden Auf und Ab, wobei ich mir wie in einer Achterbahn vorkam. Uns wurde vorher angekündigt, dass es stürmisch werden würde. Die Kabine ächzte und knarrte mit dem Wellengang. Ich konnte mir einfach nicht einreden, ich wäre ein Säugling und meine Mama würde mich in den Schlaf wiegen. Im Gegenteil, ich war hellwach, weil ich so etwas nicht gewohnt war.
Nach dem Aufstehen müssen wir uns an dem, was sich gerade statisch in Reichweite befindet, festhalten, um nicht beim Anziehen und der Morgentoilette umzufallen. Breitbeinig wanken wir in den Raum, in dem ein reichhaltiges Buffet auf uns wartet. Dabei halten wir uns an dafür vorgesehenen Halterungen an den Wänden fest, die in mir Erinnerungen an ein Seniorenheim wecken.
Offensichtlich hat die Seekrankheit einige Passagiere befallen, denn es sind nur auffallend wenige unterwegs.
Es folgt ein dreistündiger Aufenthalt in Ålesund.
Es dämmert. Unser Ziel ist der Fels Aksla. Vom By-Park aus führen 419 Stufen hinauf, die uns den Atem nahmen. Hinter den Bergen lugt die Sonne hervor, und der Himmel ist relativ klar. Wir genießen die fantastischen Ausblicke auf die Stadt sowie auf die Fjorde mit ihren Schären.
Wieder unten angekommen, laufen wir durch eine Straße mit Jugendstilhäusern. Sie wurden in nur drei Jahren errichtet, weil 1904 ein Brand Ålesund fast vollständig vernichtete und viele Menschen in die Obdachlosigkeit trieb. Die Häuser bestanden damals ausschließlich aus Holz. Nicht weit davon sind noch einige dieser Gebäude im damaligen Stil zu sehen.
Rechtzeitig vor der Abfahrt erreichen wir die MS Trollfjord.
Der folgende Stopp ist in Molde, wo wir eine Stunde Zeit haben. Es ist schon nahezu dunkel. Die Stadt ist bekannt wegen seiner Rosen, was außergewöhnlich für ihren nördlichen Breitengrad ist. Moderne Gebäude reihen sich aneinander. Die Hauptstraßen sind hell erleuchtet, Geschäfte laden zum Einkaufen ein, Fahrzeuge und Menschen beleben die Straßen und der noch vorhandene Weihnachtsschmuck erinnert an Weihnachten.
Insgesamt sind wir an diesem Tag 8 km gelaufen. Zwischen den Aufenthalten haben wir an drei Informationsveranstaltungen teilgenommen, die das Expeditionsteam frisch und humorvoll gestaltetet. Ihm gehören an: Vivi, sie kommt aus Finnland, arbeitet in Norwegen auf den Hurtigruten und wohnt in Schottland.  Morten, er ist Norweger und liebt seine Heimatstadt Trondheim über alles. Und last not least Hans, der aus Schweden stammt, und der Chef des Teams ist.
Essen mussten wir ja auch, sodass uns wahrhaftig kaum Zeit zum Faulenzen blieb.
© Brigitte Voß

Wer Interesse hat, auch die anderen Beiträge des Reiseblogs, die mit vielen Fotos versehen sind, zu lesen klickt bitte hier: HURTIGRUTEN

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Kommentare (4)

karl

@bücherwurm

oh, Dein Bericht ist interessant zu lesen. Für mich ist das

"Offensichtlich hat die Seekrankheit einige Passagiere befallen, denn es sind nur auffallend wenige unterwegs."
aber ein Killersatz!

Dies erinnert mich an Schiffspassagen, die ich nicht vermeiden konnte und auf denen ich mich sehr, sehr elend fühlte: als Student bei der Überfahrt über den Kanal, als Tagungsbesucher auf der Überfahrt nach Catalina Island und als Tourist auf einer Fähre von Süditalien nach Griechenland.

Nie wieder werde ich ohne Not schwankende Schiffsplanken betreten 😉

Beste Grüße

Karl

P.S.: Vielleicht sollte ich erwähnen, dass ich seit einer OP in sehr jungen Jahren nur ein Gleichgewichtsorgan habe. Vielleicht waren deshalb auch Kettenkarusselle und Schiffsschaukeln auf Jahrmärkten für mich immer reine Folter.

Bücherwurm

Lieber Karl,
entweder hat man die Seekrankheit oder nicht. Da kann man nichts machen. In einem Fernsehbeitrag über die Hurtigruten klagte sogar ein langjähriges Crewmitglied, dass ihm bei hohen Seegang immer noch die Seekrankheit befällt. Er kann es nur bedingt beeinflussen.
Danke für deinen Kommentar und ein schönes Wochende
Gitti

Rosi65

Liebe Gitti,

um es gleich wohlwollend vorweg zu sagen: Da die norwegische Regierung strenge Umweltauflagen hat, darf kein Postschiff mit Schweröl fahren. Außerdem soll die gesamte Hurtigruten-Flotte bereits bis 2021 auf Flüssiggas und Hybridakkus umgestellt werden.

Deshalb habe ich Deinen Reiseblogbericht mit der "MS Trollfjord"", sowie Deiner großzügigen Foto-Dokumentation, auch gerne gelesen
Besonders lobenswert finde ich dabei Deine Aktivitäten bei den Schneewanderungen.
Auch wenn die Steigungen, die Kälte und der starke Wind sicherlich ziemlich anstrengend waren, also absolut nichts für "Weicheier", so hast Du Deinen Urlaub in der nahen Verbindung mit der Natur doch mit allen Sinnen richtig erlebt.
Besonders schön finde ich das Foto danach: Du, liebe Gitti, mit Pudelmütze im warmen Wasser des whirpools liegend. *lach*      
Herrlich, was für eine schöne Belohnung nach der Anstrengung!!!
Dankeschön für Deinen tollen Reisebericht.

Herzliche Grüße
   Rosi65

Bücherwurm

Liebe Rosi,
vielen Dank für deine lieben Bemerkungen zu meinem Norwegenblog.
Es war in der Tat ein Traumurlaub. Ich habe die arktische Welt lieben gelernt – der viele Schnee, das besondere Licht der Polarnacht, die eisige Natur mit ihren Bergen, Schären und Wäldern. Wir haben zwar nicht das Polarlicht gesehen, auch das Nordkap nicht, weil die Zufahrtsstraße wegen Lawinengefahr gesperrt war, doch all das andere entschädigt dafür. Um diese Zeit mit den Hurtigruten zu reisen, hat sich sich gelohnt.
Sei lieb gegrüßt
Gitti
 


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